20.06.2018 15:18

Wie bei Zigaretten

Kommen Schockbilder als Warnung auf Softdrinks?

Was Rauchern die Lust auf die Zigi nehmen soll, könnte bald auch Limonade-Fans ihr Laster madig machen. Das zeigt eine US-Studie.

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Was bei Zigaretten schon ein alter Hut ist, könnte auch für Softdrinks kommen: Schockbilder.

Was bei Zigaretten schon ein alter Hut ist, könnte auch für Softdrinks kommen: Schockbilder.

Keystone/AP/dpa/Daniel Bockwoldt
Laut Forschern der Harvard University nehmen die Bilder den Durstigen nämlich die Lust auf Süssgetränke. Für ihre im Fachjournal «Psychological Science» veröffentlichte Studie hatten die Wissenschaftler Aufnahmen von Menschen mit Zahnproblemen ...

Laut Forschern der Harvard University nehmen die Bilder den Durstigen nämlich die Lust auf Süssgetränke. Für ihre im Fachjournal «Psychological Science» veröffentlichte Studie hatten die Wissenschaftler Aufnahmen von Menschen mit Zahnproblemen ...

iStock/Undefined Undefined
... dicken Bäuchen und ...

... dicken Bäuchen und ...

iStock/Ratikova

Eine Frau, die sich selbst eine Spritze setzt, ein dicker Bauch, der über den Hosenbund quillt, oder ein zahnloser Mund. Solche Bilder auf Flaschen bringen Menschen dazu, trotz Lust auf ein Süssgetränk zu etwas Gesünderem zu greifen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der Harvard University.

Für die im Fachjournal «Psychological Science» erschienene Arbeit hatten Grant Donnelly und Laura Zatz in einer Spital-Cafeteria visuelle Warnhinweise direkt neben zuckerhaltigen Getränken platziert. Daraufhin ging der Verkauf dieser Drinks um 14,8 Prozent zurück.

Wurden jedoch ausformulierte Warnhinweise aufgestellt oder die enthaltenen Kalorien betont, veränderte sich das Konsumverhalten der Käufer nicht. Das überrascht nicht. Schliesslich wurde Ähnliches auch schon den schriftlichen Hinweisen auf Zigaretten attestiert.

Gesünder dank Schockfotos

Anschliessend führten die Forscher noch zwei Online-Befragungen durch. Die erste offenbarte, dass die Bilder negative Einstellungen gegenüber zuckerhaltigen Getränken auslösten und die bestehenden Gesundheitsrisiken bewusster machten.

In der zweiten, national durchgeführten Erhebung befragten Donelly und Zatz zudem mehr als 400 Personen, ob sie sich angesichts der attestierten Wirkung für schockierende Etiketten aussprechen würden, was bejaht wurde.

Daraus schliessen Marketing-Experte Donnelly und Verhaltensforscherin Zatz, dass die Bildwarnungen geeignet wären, durch zu viel Zucker ausgelöste und chronische Krankheiten wie Diabetes Typ 2 (siehe Box) einzudämmen – vor allem in den USA, wie die Hochschule Laura Zatz zitiert: Sie «könnten die Gesundheit der Bevölkerung verbessern».

Diabetes Typ 1 und Typ 2

Diabetes vom Typ 1 trifft in der Regel junge Menschen. Bei dieser Form der Erkrankung werden die sogenannten Beta-Zellen, die in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) das Insulin produzieren, zerstört: Weil die körpereigene Insulinproduktion damit zum Erliegen kommt, müssen sich Betroffene das Insulin regelmässig selbst spritzen, um einem erhöhten Blutzuckerspiegel entgegenzuwirken.

Diabetes des Typs 2, von dem etwa 90 Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind. Durch eine längerfristig überhöhte Energiezufuhr und andere, noch unbekannte Faktoren entsteht bei einigen Organen eine Insulin-Resistenz. Diesen Effekt versucht die Bauchspeicheldrüse auszugleichen, indem sie noch mehr Insulin produziert – eine Belastung, der die Bauchspeicheldrüse nicht ewig standhält: Es kommt zu einer stark reduzierten Insulin-Ausschüttung, und der Blutzuckerwert steigt. Diese Form von Diabetes ist auch als Altersdiabetes bekannt. Heute erkranken daran vor allem Übergewichtige – vereinzelt trifft es sogar Kinder.

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