Tierschützer protestieren: Kommerzielle Waljagd vor Comeback
Aktualisiert

Tierschützer protestierenKommerzielle Waljagd vor Comeback

Der Walfang erhitzt seit jeher die Gemüter der Menschen. Seit 1986 ist die Jagd nach den schwimmenden Riesen mit Ausnahmen verboten. Dies könnte sich aber bald ändern.

von
Jay Alabaster
AP
Japan ist eines von drei grossen Walfang-Ländern.

Japan ist eines von drei grossen Walfang-Ländern.

Der kommerzielle Walfang soll in stark begrenztem Umfang wieder zugelassen werden. Nach jahrelangem Streit zwischen Befürwortern und Gegnern der Jagd auf die Meeressäuger legte die Internationale Walfangkommission (IWC) am Donnerstagabend einen solchen Kompromissvorschlag vor. Darüber soll nun auf der Jahrestagung der IWC im Juni in Marokko beraten und abgestimmt werden.

Seit 1986 ist die Jagd auf Wale verboten. Es gelten allerdings viele Ausnahmeregelungen, die vor allem von Japan, Norwegen und Island genutzt werden. Diese drei Länder töteten in letzter Zeit etwa 3000 Wale jährlich, zehn Mal so viele wie 1993.

Dem jüngsten IWC-Vorschlag zufolge könnten in den kommenden fünf Jahren jeweils 400 Zwergwale in der Antarktis getötet werden, in den fünf Folgejahren jeweils 200. Ausserdem würde auch eine begrenzte Jagd auf andere Arten wie Finn-, Grönland- und Gray-Zweizahlwale zugelassen. Die Regelung soll zunächst bis 2020 und dann auch nur für Länder gelten, die derzeit schon Wale jagen. Nach Ansicht der IWC, die die Jagd strengstens überwachen würde, wäre das insgesamt eine Verbesserung gegenüber der aktuellen Situation, die weitgehend ihrer Kontrolle entzogen ist.

«Ein Wunschzettel der Walfänger»

Japan reagierte vorsichtig positiv auf den Vorstoss, der dem Land die kommerzielle Waljagd vor seiner eigenen Küste erlauben würde. Kritisiert wurde in Tokio aber, dass die vorgeschlagene Quote niedriger liegt als die Anzahl der Wale, die Japan derzeit zu sogenannten Forschungszwecken fängt. Diese Jagd wurde am Donnerstag vor der japanischen Nordküste wieder aufgenommen.

Der neuseeländische Aussenminister Murray McCully sagte, der Vorstoss der IWC erfülle die Erwartungen seines Landes nicht, da er nicht deutlich besser sei als der Status Quo. Neuseeland tritt für ein Ende des Walfangs in den südlichen Meeren ein. Deutliche Kritik kam auch von Umweltschutzorganisationen. «Zurzeit scheint es, dass die Wale alle Zugeständnisse machen und nicht die Walfänger», sagte Junichi Sato von Greenpeace Japan. Der Vorstoss halte eine sterbende Walfangindustrie am Leben, nicht aber die Wale.

Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) kritisierte, dass die IWC mit ihrem Vorschlag den derzeitigen illegalen Walfang Norwegens, Islands und Japans mit Legalisierung belohne. Das Papier lese sich wie ein «Wunschzettel der Walfänger», erklärte der Meeresbiologe Ralf Sonntag. «Selbst der Vorsitzende der IWC macht klar, dass die jetzt vorgeschlagenen Fangzahlen noch verhandelbar sind. Statt des Eiertanzes und den vielen Ungereimtheiten sollte der kommerzielle Walfang einfach völlig beendet werden.»

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