Bankgeheimnis ade: «Kommerzieller Krieg gegen die Schweiz»
Aktualisiert

Bankgeheimnis ade«Kommerzieller Krieg gegen die Schweiz»

Bestsellerautorin Myret Zaki erklärt, warum die Schweiz übers Ohr gehauen wurde und warum das Bankgeheimnis zugunsten von Trusts geopfert wird.

von
Werner Grundlehner

20 Minuten Online: Frau Zaki, wieso kämpfen Sie für den Finanzplatz Schweiz?

Myret Zaki: Mein letztes Buch («UBS, Am Rand des Abgrunds», Anm. der Red.) hat gezeigt, dass ich kein blauäugiger Fan der Schweizer Banken bin. Doch mir ging es darum zu zeigen, wie die Schweiz im Kampf ums Bankgeheimnis übers Ohr gehauen wurde.

Sie befürworten also die Steuerhinterziehung?

Nein, aber ich will zeigen, dass die Vereinigten Staaten und Grossbritannien einen kommerziellen Krieg gegen die Schweiz geführt und diesen gewonnen haben. Die ganze US-Kampagne gegen die UBS betrifft 1 Prozent der steuerflüchtigen US-Vermögen. Der Verbleib der restlichen 99 Prozent oder 1500 Milliarden kümmert die USA erstaunlicherweise nicht.

Wieso denn nicht?

Weil diese nicht-versteuerten Gelder in komplexen angelsächsischen Trusts mit darunter liegenden Offshore-Gesellschaften versteckt sind. Den Staaten fehlen der Wille und die Möglichkeiten diese Vermögen aufzuspüren.

Aber der automatische Informationsaustausch wird auch die Trust-Konstruktion aufdecken?

Nein, diese Gebilde sind so verschachtelt und verzweigt, dass Aussenstehende nicht dahinterkommen, welche Vermögenswerte wem zuzuordnen sind. Der Besitzer eines Vermögens übergibt sein Vermögen rechtskonform einem Bevollmächtigten. Dieses Geschäft, kann mehrfach wiederholt werden, muss der Steuerbehörde nicht gemeldet werden und ist nicht nachvollziehbar. Der neue Besitzer des Geldes ist keine Person mehr sondern ein künstliches Konstrukt mit Fantasienamen.

Wieso sehen OECD-Staaten wie Deutschland, Frankreich und Italien diesem Scheingefecht gegen die Schweiz tatenlos zu?

Für diese Staaten war es kein Scheingefecht. Der grösste Teil der nicht-versteuerten Gelder aus diesen Staaten lagert oder lagerte in der Schweiz. Unsere Nachbarn hatten also ein vitales Interesse daran, das Bankgeheimnis auszuhebeln.

Wieso hat die Schweizer Öffentlichkeit und Politik in diesem Kampf grösstenteils die Angriffe auf die Schweiz unterstützt?

Viele Leute waren moralisch betroffen und wollten nicht Schwarzgeld aus dem Ausland beherbergen. Zudem tönt Weissgeldstrategie sehr schön. Diese Strategie gibt es aber nur in der Schweiz, weil man uns keine andere Wahl lies. Die unversteuerten Vermögen fliessen oder sind bereits an andere Orte geflossen. Ich betonte ganz klar: Das Bankgeheimnis wurde den angelsächsischen Trusts geopfert.

Welches sind die aufstrebenden Verstecke für hinterzogene Steuergelder?

Das sind weiterhin US-Bundesstaaten wie Delaware und Florida sowie die britischen Kanalinseln. An Bedeutung gewinnt auch Singapur. Der kommende Trust-Standort ist jedoch Hong-Kong. Diese Entwicklung zeigt, die Sammelplätze von Schwarzgeld werden mit militärischer Macht kombiniert. Denn die USA, Grossbritannien und China lassen sich nicht wie die Schweiz erpressen.

Die Steuerhinterziehung wurde also nicht bekämpft, durch die Aushebelung des Schweizer Bankgeheimnisses?

Seit 15 Jahre ist das Bankgeheimnis nicht mehr das bevorzugte Instrument für das Verstecken von Schwarzgeld. Die Steuerhinterziehung ist teurer geworden, quasi ein Luxusprodukt. Das Schweizer Bankgeheimnis ermöglichte die low-cost-Steuerflucht. Trusts sind dagegen erst für Vermögen ab 10 Millionen Dollar geeignet. In Oasen des angelsächsischen Rechts kann man sich salopp gesagt eine Steuerhinterziehungsbewilligung kaufen. Für Superreiche sind Steuern kein Thema mehr.

Das ist stossend, aber muss ich mir darüber den Kopf zerbrechen?

Es ist nicht nur ungerecht, sondern die Steuerlast für den Mittelstand wird so immer grösser. Denn die Reichen verabschieden sich von den Steuern, und die Schulden der Staaten wachsen kontinuierlich.

Myret Zaki ist stellvertretende Chefredaktreurin des Wirtschaftsmagazins «Bilanz». 2008 publizierte sie den Bestseller «UBS am Rande des Abgrunds».

«Das Bankgeheimnis ist tot, Es lebe die Steuerflucht» deckt Myret Zaki auf, dass es bei der Diskussion um das Bankgeheimnis eigentlich um einen Krieg der Finanzplätze geht, den die USA und Grossbritannien aus Eigennutz angezettelt haben. Die Autorin zeichnet darin unter anderem die Doppelmoral der mächtigen Länder auf, welche die Schweiz mit dem OECD Instrumentarium zu verfassungswidrigen Massnahmen zwingt. Dabei bieten diese Staaten mit Trusts, so die Autorin in ihrem Buch, das ideale Versteck für nichtversteuerte Milliardenvermögen.

Was ist ein Trust?

Treuhandähnliche Institution nach angelsäschsischem Recht, bei der eine Person das Eigentum an Vermögenswerten an eine juristische Person (Firma) überträgt. Die Vereinbarung baut zwischen dem tatsächlichen Eigentümer und dem zivilrechtlichen Eigentümer eine Schranke auf.

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