Im Juli kommt die Blackbox für Fahrzeuge
Der Ereignisdatenspeicher kommt in neu entworfenen Fahrzeugtypen ab Juli 2022 und ab 2024 grundsätzlich für alle Neuwagen.

Der Ereignisdatenspeicher kommt in neu entworfenen Fahrzeugtypen ab Juli 2022 und ab 2024 grundsätzlich für alle Neuwagen.

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FahrdatenKommt ab Juli wirklich eine Blackbox für Fahrzeuge?

Ab Juli werden neue Automodelle Sicherheitsfeatures wie serienmässige Spurhalte- und Tempoassistenten bis hin zu Kontrollsystemen, die bei übermässigem Alkoholkonsum den Start des Fahrzeugs blockieren, an Bord haben. Der AGVS-Experte kennt die Details.

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Hans ans AGVS-Expertenteam:

Wir haben zusammen mit Kollegen diskutiert; stimmt es, dass bald ein Unfallschreiber – also eine Blackbox wie in den Flugzeugen – verbaut sein muss? Und was passiert mit den Daten darauf und wer darf diese nutzen/auswerten?

Antwort:

Lieber Hans,


es ist korrekt, bald wird eine Art Blackbox vermehrt auch in Autos anzutreffen sein. Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, sollen ab 2024 diverse neue Sicherheitsassistenten und auch ein genormter Ereignisdatenspeicher in allen Neuwagen verbaut sein. In neu entworfenen Autos – und übrigens auch leichten Nutzfahrzeugen – sollen diese cleveren Helfer bereits ab Juli 2022 den Weg hin zum automatisierten Fahren ebnen und daher serienmässig an Bord sein. Diese europäischen Vorgaben gelten auch für Fahrzeuge, die in der Schweiz verkauft werden.

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Die für mehr Verkehrssicherheit geforderten Neuerungen sind grundsätzlich unbestritten, denn Spurhalte- oder auch Tempoassistenten sind clevere Helfer. Nur eine Neuerung könnte den Datenschützern Kopfzerbrechen bereiten: der Ereignisdatenspeicher. Für ihn gibt es unterschiedliche Bezeichnungen, vom offiziellen englischen Begriff «Event Data Recorder (EDR)» über «Unfalldatenspeicher» bis hin zu «Blackbox». Damit ist bei allen Begriffen dasselbe gemeint: ein elektronisches Gerät im Fahrzeug, das relevante Daten fünf Sekunden vor einem (Unfall-)Ereignis bis zu dessen Ende aufzeichnet. Anders als bei der Blackbox in Flugzeugen werden also die Daten nicht permanent abgespeichert, sondern quasi immer wieder mit neuen Daten überschrieben, solange kein besonderes Ereignis eintritt. Zu den erhobenen Daten zählen unter anderem Geschwindigkeit, Verzögerung, Beschleunigung, Position des Fahrzeuges sowie diverse Fahrzeugfunktionen wie Infos zu Airbags, Licht oder Blinker. Die Daten verbleiben grundsätzlich im Auto beziehungsweise im EDR. Sie können aber durch Behörden wie zum Beispiel die Polizei ausgelesen werden und zur Unfallanalyse herangezogen werden.

Erhobene Daten wie Geschwindigkeit, Verzögerung, Beschleunigung, Position des Fahrzeuges etc. verbleiben im EDR. Sie können aber durch Behörden wie die Polizei ausgelesen werden und zur Unfallanalyse herangezogen werden.

Markus Peter, AGVS

Und hier kommt dann auch der Aspekt des Datenschutzes zum Tragen. Denn nur zu gerne würden auch andere Instanzen wie zum Beispiel Versicherungen für allfällige Regressansprüche bei unverantwortlichem Fahrverhalten Zugang zu diesen Daten im Ereignisdatenspeicher erhalten. Je nach Fahrzeughersteller oder Versicherung kann es sein, dass man einer gewissen Freigabe von Daten im Verkaufs- und Versicherungsvertrag zugestimmt hat, beispielsweise um ein defensives Fahrverhalten mit günstigeren Versicherungsprämien zu belohnen.

Je nach Fahrzeughersteller oder Versicherung kann es sein, dass man einer gewissen Freigabe von Daten im Verkaufs- und Versicherungsvertrag zugestimmt hat, etwa um ein defensives Fahrverhalten mit günstigeren Versicherungsprämien zu belohnen.

Markus Peter, AGVS

Spannend ist die Thematik übrigens nicht nur bei einem Unfall, sondern auch bei Occasionen. Denn allenfalls vorhandene Einträge im EDR aus der Nutzung des Vorbesitzers sollten nach einer Reparatur oder spätestens vor dem Weiterverkauf besser gelöscht werden.

Klar ist: Der Ereignisdatenspeicher kommt. Und zwar in neu entworfenen Fahrzeugtypen ab Juli 2022 und ab 2024 grundsätzlich für alle Neuwagen. Doch wie das genau mit dem Datenschutz aussieht, müssten die Juristen noch final klären.

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