Neuer GAV: Kommt das Aus für den billigen Coiffeur?

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Neuer GAVKommt das Aus für den billigen Coiffeur?

Auch ungelernte Coiffeure erhalten bald einen Mindestlohn. Billigsalons stehen vor Preiserhöhungen.

von
V. Blank
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Einen Haarschnitt für 20 bis 25 Franken dürfte es bald fast nicht mehr geben.

Einen Haarschnitt für 20 bis 25 Franken dürfte es bald fast nicht mehr geben.

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Ein neuer Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die Coiffeur-Branche schreibt einen verbindlichen Mindestlohn vor.

Ein neuer Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die Coiffeur-Branche schreibt einen verbindlichen Mindestlohn vor.

AP/Jens Meyer/Symbolbild
Von diesem profitieren auch Angestellte ohne anerkannte Ausbildung.

Von diesem profitieren auch Angestellte ohne anerkannte Ausbildung.

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Es ist ein Meilenstein für die Coiffeurbranche: Erstmals sollen auch ungelernte Kräfte einen verbindlichen Mindestlohn erhalten. Der neue Gesamtarbeitsvertrag (GAV) sieht vor, dass Angestellte ohne anerkannte Ausbildung ab dem 5. Berufsjahr 3800 Franken pro Monat verdienen. Bei Coiffeusen und Coiffeuren mit Fähigkeitszeugnis sind es mindestens 4000 Franken.

Das dürfte Billigsalons unter Druck setzen. Um Haarschnitte für 20 oder 25 Franken anbieten zu können, beschäftigen viele ihre Angestellten zu Tiefstlöhnen. Das bestätigen Gewerkschafter: «Vor allem in den Grenzregionen, etwa im Tessin, in Genf oder Basel, entdeckten wir Fälle von Grenzgängern, die manchmal nur für 2000 Franken im Monat arbeiteten», sagt Véronique Polito von der Unia zu 20 Minuten.

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Dumpingpreise dürften verschwinden

Solche Löhne werden nicht mehr möglich sein, sobald der neue GAV gültig ist. Der Berufsverband Coiffure Suisse hat den neuen Bedingungen bereits zugestimmt. Jetzt muss noch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Allgemeinverbindlichkeit des GAV prüfen.

In Kraft tritt er voraussichtlich im Herbst. Auf Anfrage bei Coiffure Suisse sagt Geschäftsführerin Karin Imboden: «Wir hoffen, dass der neue GAV den Markt besser reguliert und die Dumpingpreise verschwinden.» Viele Branchenvertreter rechnen schon fix damit, dass Billigsalons mit den neuen Mindestlöhnen nicht an Preiserhöhungen vorbeikommen.

Arbeiten für 700 Franken

In den letzten Jahren ist die Zahl der Billigsalons in der Schweiz stark angestiegen, vor allem in den grossen Städten. Teils erhalten die ungelernten Angestellten nur 700 bis 900 Franken, weiss Gewerkschafterin Polito. Dabei werde oft der Trick der Pseudopraktika angewandt: «Die Salonbesitzer schliessen mit den Angestellten einen Schein-Ausbildungsvertrag ab und versprechen ihnen, sie irgendwann fest anzustellen.» Sie sei froh, dass diese Mitarbeiter nun das Recht auf einen anständigen Mindestlohn hätten.

Das Problem mit der Stuhlmiete

Problematischer sei hingegen der Kniff mit der Stuhlmiete. Dabei vermietet der Salonbesitzer einen oder mehrere Bedienungsplätze an Dritte, die als selbstständig erwerbend gemeldet sind. «Doch es ist meist nur eine Scheinselbstständigkeit», sagt Polito. In Wirklichkeit seien die betroffenen Coiffeure voll im Betrieb integriert, würden aber nur dann bezahlt, wenn Arbeit anfalle.

In diesen Fällen greifen die neuen Mindestlohn-Regelungen des GAV nicht. Man habe aber Kriterien definiert, durch die man die Kontrolle der Salons verstärken könne, so Polito.

Doch die Chance auf Schnäppchen-Haarschnitte dürfte nicht ganz verschwinden. Viele Billigsalons werden als Einzelfirma ohne Angestellte geführt. Der Firmeninhaber muss sich nicht an die Vorschriften des GAV halten – konkret: Es steht ihm frei, sich selbst weniger als den Mindestlohn auszubezahlen und für sehr tiefe Preise zu arbeiten.

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