Aktualisiert 21.01.2016 09:35

Gefahr für Babys

Kommt das Zika-Virus auch nach Europa?

Schwangere Frauen sollten derzeit nicht nach Brasilien reisen. Ein Virus könnte ihr ungeborenes Kind schädigen. Die Fragen und Antworten dazu.

von
Jean-Claude Gerber

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat vergangene Woche eine Reisewarnung für schwangere Frauen und jene, die es werden möchten, für Brasilien und 13 weitere lateinamerikanische und karibische Staaten ausgegeben. Safetravel, das Schweizer Expertenkomitee für Reisemedizin, hat sich der US-Empfehlung angeschlossen. 20 Minuten klärt die wichtigsten Fragen zum Virus.

Weshalb kommt die Warnung jetzt?

In Brasilien und weiteren Ländern Zentral- und Südamerikas häufen sich zurzeit Infektionen mit dem Zika-Virus. Bei den meisten Menschen ruft das Virus lediglich eine milde Erkrankung mit Symptomen wie Fieber oder Hautausschlag hervor. Es gibt jedoch vermehrt Anzeichen dafür, dass die Häufung von Mikrozephalie (Verringerung des Schädelvolumens) bei Neugeborenen auf Zika zurückzuführen ist. Im letzten Jahr wurden in Brasilien 3500 Fälle von Mikrozephalie bei Ungeborenen gemeldet. Kolumbiens Regierung hat Paare aufgefordert, in den kommenden Monaten Schwangerschaften zu vermeiden. Erwiesen ist der vermutete Zusammenhang aber noch nicht.

Welche Länder sind von der Reisewarnung betroffen?

Insgesamt 14 Länder in Lateinamerika. Dazu zählten Brasilien, Kolumbien, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Paraguay, Puerto Rico, Surinam und Venezuela.

Wer sollte von Reisen in diese Länder absehen?

Christoph Hatz vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel rät Frauen, die schwanger werden möchten oder im ersten oder zweiten Drittel (Trimenon) der Schwangerschaft sind, von Reisen in die betroffenen Gebieten ab. Im dritten Trimenon dürfte das Virus hingegen keinen Einfluss mehr auf die Entwicklung des Ungeborenen haben. Frauen, die trotzdem reisen wollen, sollten sich vor Ort optimal und rund um die Uhr vor Mückenstichen schützen (siehe Box).

Wie wird das Virus übertragen?

Das Virus wird wie das Dengue- und das Chikungunya-Virus von der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragen. Zudem gibt es laut einer aktuellen Studie Hinweise darauf, dass auch die Asiatische Tigermücke dereinst das Virus übertragen könnte.

Gibt es Fälle in Europa?

In Europa wurden bisher rund zwanzig Fälle einer Infektion mit dem Zika-Virus gemeldet, davon vier in der Schweiz. Dabei handelt es sich ausschliesslich um importierte Fälle, wie Hatz betont. Weltweit gibt es ausser einem eingeschleppten Fall in Hawaii noch keine Meldungen über Touristinnen, deren Neugeborene Symptome einer Mikrozephalie gezeigt hätten.

Kann sich das Zika-Virus auch in Europa ausbreiten?

Theoretisch ist das möglich, sagt Hatz. Im Gegensatz zur Gelbfiebermücke kommt die Asiatische Tigermücke auch in Südeuropa vor. Eine Ausbreitung in Europa ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Erfahrungen hätten gezeigt, dass Ausbrüche, wie der des Chikungunya-Fiebers im italienischen Ravenna 2007, meist örtlich beschränkt bleiben.

Steigt wegen der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro die Gefahr einer Ausbreitung des Zika-Virus?

Da die Olympischen Spiele in Rio in der niederschlagsärmsten Zeit stattfinden, wird die Mückendichte vor Ort sehr niedrig sein. Es dürfte also – wenn überhaupt – nur zu wenigen Übertragungen kommen. Das zeigte sich auch für Dengueinfektionen an der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien vor zwei Jahren.

So schützen Sie sich vor Mückenstichen

- Tragen Sie körperbedeckende helle Kleidung (lange Hosen, lange Hemden, feste Socken).

- Tragen Sie tagsüber und in den Abendstunden und nachts Insektenschutzmittel wiederholt auf alle freien Körperstellen auf.

- Schlafen Sie immer unter einem möglichst imprägnierten Moskitonetz.

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