Aktualisiert 19.11.2014 09:15

Julien Blanc

Kommt der Aufreiss-Künstler in die Schweiz?

Die Firma, die den Pick-up-Artisten Julien Blanc anstellt, hat einen Event in Zürich angekündigt. Frauenorganisationen sind empört. Ein Auftrittsverbot ist nicht möglich.

von
Nicolas Saameli
Julien Blanc bringt Männern nicht nur in Kursen, sondern auch in zahlreichen Youtube-Videos seine umstrittenen Aufreiss-Techniken bei.

Julien Blanc bringt Männern nicht nur in Kursen, sondern auch in zahlreichen Youtube-Videos seine umstrittenen Aufreiss-Techniken bei.

Mit der Internet-Community hat Julien Blanc es sich endgültig verscherzt: Weltweit laufen Kampagnen gegen den Amerikaner mit Schweizer Wurzeln. In Grossbritannien wird darüber diskutiert, ob dem Mann die Einreisegenehmigung gestrichen werden soll. Brasilien verweigert ihm ein Visum und Australien will es nicht verlängern. In der Schweiz könnte Blanc aber bald einen Auftritt haben.

Vom 4. bis zum 6. Dezember 2014 soll in Zürich eines der berüchtigten Bootcamps von Blancs Arbeitgeber, der Coaching-Agentur Real Social Dynamics, (RSD) stattfinden – Veranstaltungsort geheim. Für 2000 Dollar werden dort Männer in den Aufreiss-Techniken der umstrittenen Unternehmung geschult. In einem Video aus einem Kurs rät Blanc den Teilnehmern unter anderem, den Kopf der Frauen zu packen und zum Penis zu ziehen. Ob er den Event leiten wird, ist noch nicht klar. Fest steht aber, dass Blanc der einzige Mitarbeiter des amerikanischen Unternehmens ist, der in seinem Profil angibt, weltweit tätig zu sein.

«Diese Kurse müssen gestoppt werden»

Entrüstet über Blancs möglichen Auftritt ist Silvia Bren, die Präsidentin der Schweizerischen Interessengemeinschaft Selbstverteidigung für Frauen und Mädchen «Pallas». «Es ist tatsächlich erstaunlich, dass es erlaubt ist, solche Empfehlungen zu Übergriffen anzubieten», sagt sie. «Zudem stimmt es uns traurig, dass einige Männer immer noch glauben, dass Frauen dies mögen.»

Das junge Männer darin ausgebildet würden, Frauen respektvoll anzusprechen, sei wichtig und könne den gegenseitigen Respekt fördern. Sie habe selber oft erlebt, dass Jugendliche etwas schüchtern seien und sieht hier Handlungsbedarf. «Die Art von Kursen, die diese Firma anbietet, muss aber gestoppt werden.»

«Wer auf anderen herumhackt, findet ein Publikum»

Wütend ist auch Helena Trachsel, die Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich. «Ich finde es unglaublich, was dieser Mann tut», sagt sie. Menschen wie Blanc würden Frauen öffentlich beschimpfen und entwürdigen, um damit Aufmerksamkeit zu bekommen.

«Die Strategie, der sich Blanc bedient, ist eine bekannte», sagt Trachsel. «Sobald jemand auf anderen Menschen herumhackt, findet er ein Publikum.» Damit wolle Blanc sich aber nur selber einen Vorteil verschaffen.

«Ein Verbot ist derzeit kein Thema»

Nicht tolerieren will die Veranstaltung Andrea Gisler, Präsidentin der Frauenzentrale Zürich. Sie sagt: «Wir überlegen uns, etwas gegen diese Veranstaltung zu unternehmen.» Notfalls wolle man auch mit anderen Organisationen zusammenarbeiten.

Das Seminar zu verbieten, könnte sich aber als schwierig erweisen. Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, sagt: «Ein Verbot ist derzeit kein Thema, weil noch kein Verstoss gegen das Strafrecht vorliegt.» Blancs kontroverse Ansichten seien strafrechtlich gesehen Meinungen und keine Aufforderungen zur Vergewaltigung. «Nach unserem derzeitigen Wissensstand ist es deshalb nicht möglich, gegen die Veranstaltung vorzugehen.»

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