02.04.2020 13:10

Zurück zur Arbeit

Kommt der Ausweis für Immune?

Wer das Coronavirus überstanden hat, steckt sich wohl nicht noch einmal an. Genesene sollen nun mit einer Immunitäts-ID wieder ein normales Leben führen können.

von
Daniel Graf
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Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 sorgt für einen weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens.

Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 sorgt für einen weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens.

Keystone/Alexandra wey
Doch dank neuen Entwicklungen könnte dies bald schon peu à peu zurückkehren. So zeigen Antikörpertests an, wer bereits Covid-19 überstanden hat und immun ist.

Doch dank neuen Entwicklungen könnte dies bald schon peu à peu zurückkehren. So zeigen Antikörpertests an, wer bereits Covid-19 überstanden hat und immun ist.

iStock/Vladimir Borovic/Symbolbild
Die Hoffnung in die Tests ist gross: Diejenigen, bei denen Antikörper nachgewiesen würden, könnten dann gefahrlos auf Kontaktsperren verzichten und in ihre Berufe zurückkehren, so die Idee.

Die Hoffnung in die Tests ist gross: Diejenigen, bei denen Antikörper nachgewiesen würden, könnten dann gefahrlos auf Kontaktsperren verzichten und in ihre Berufe zurückkehren, so die Idee.

AP/Thomas Kienzle/Symbolbild

Die SVP forderte jüngst, dass der Bund möglichst schnell eine Strategie ausarbeiten soll, wie die Schweiz ab Mitte April aus dem Notrecht herauskommen und die Wirtschaft wieder ankurbeln kann. «Andernfalls drohen Massenarbeitslosigkeit und Firmenzusammenbrüche», heisst es im entsprechenden Strategiepapier.

Helfen könnten dabei sogenannte Antikörpertests: Sie sollen nachweisen, wer die Erkrankung überstanden hat und sich für längere Zeit nicht mehr damit anstecken kann. Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit sagte in der Pressekonferenz vom Montag, dass solche Tests Teil der Strategie des Bundesrates sein werden. Derzeit seien aber noch keine Tests auf dem freien Markt erhältlich.

«Eine App wäre eine sinnvolle Lösung»

In zahlreichen Staaten wird wegen der Tests der Ruf nach einer Immunitäts-ID laut: «Den Immunen könnte man eine Art Impfpass ausstellen, der es ihnen zum Beispiel erlaubt, von Einschränkungen ihrer Tätigkeit ausgenommen zu werden», sagt etwa der Infektiologe Gérard Krause gegenüber der Zeitschrift «Spiegel». Er leitet am deutschen Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) eine Immunitäts-Studie mit weit über 100'000 Probanden, die darüber Aufschluss liefern soll, wie gross der Anteil an Immunen an der Gesamtbevölkerung tatsächlich ist.

SVP-Nationalrat und Unternehmer Franz Grüter fordert, dass ein «Immunitäts-Ausweis» auch in der Schweiz eingeführt wird, sobald entsprechende Tests zur Verfügung stehen: «In Israel wird dafür das Handy genutzt», sagt Grüter. Das könne er sich auch für die Schweiz vorstellen: «Eine App, auf der Menschen, die immun sind, gekennzeichnet werden und sich so ausweisen können, sodass sie wieder arbeiten können, wäre eine sinnvolle Lösung.»

«Wäre der erste, der einen Test machen würde»

Grüter sagt, er wäre einer der Ersten, der einen Test machen und sich den Nachweis besorgen würde, dass er immun sei. Nach der Rückkehr aus China sei er kürzlich selber zehn Tage lang schwer erkältet gewesen. «Es ist also gut möglich, dass ich bereits immun bin. Ich fände es sehr sinnvoll, wenn ich jetzt einen solchen Test machen könnte und die Gewissheit hätte, dass ich gefahrlos wieder arbeiten kann.»

Das könnte bald Realität werden: Bereits Ende letzter Woche wurden erste Testkits in die Schweiz geliefert. Da der Antikörpertest deutlich weniger aufwändig ist, als der Test auf die Erkrankung selber, müsse schon bald nicht mehr priorisiert werden, wer getestet wird, sagte Willi Conrad, Präsident des Verbands der medizinischen Labors der Schweiz, am Freitag gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

«Dürfen Bevölkerung nicht in Positive und Negative unterteilen»

Skeptisch ist Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel: In schwer vom Virus betroffenen Gebieten seien solche Tests insbesondere für das Gesundheitspersonal derzeit sinnvoll. Bis sich nach einer Ansteckung Antikörper bildeten, dauere es allerdings rund 14 Tage, sagt Neher.

Zum Ausweis für Immune sagt Neher: «Ich denke, dass so etwas gründlich diskutiert werden sollte.» Man müsse aber auch eventuelle Nebeneffekte berücksichtigen und vorsichtig sein: «Wir dürfen die Gesellschaft nicht pauschal in zwei Gruppen unterteilen: diejenigen, bei denen die Antikörper schon nachgewiesen wurden, und die anderen.»

Ob der «Immunitäts-Ausweis» kommt und wenn ja, wann, lässt das BAG derzeit noch offen: «Das BAG ist daran, die verschiedenen Szenarien der Rückkehrstrategie auszuarbeiten», sagt Mediensprecher Daniel Dauwalder.

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