Aktualisiert 19.05.2016 10:14

Test in GrossbritannienKommt der Fahrausweis bald aufs Handy?

Die britische Verkehrsbehörde arbeitet an einem Fahrausweis, der auf dem Smartphone gespeichert wird. Eine Idee auch für die Schweiz?

von
J. Panknin
1 / 4
Dieses auf Twitter geteilte Foto eines Mitarbeiters der britischen Verkehrsbehörde lässt vermuten, dass in Grossbritannien an einem papierlosen Fahrausweis gearbeitet wird. In der Schweiz sei das noch weit entfernte Zukunftsmusik, heisst es auf Anfrage bei der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (ASA).

Dieses auf Twitter geteilte Foto eines Mitarbeiters der britischen Verkehrsbehörde lässt vermuten, dass in Grossbritannien an einem papierlosen Fahrausweis gearbeitet wird. In der Schweiz sei das noch weit entfernte Zukunftsmusik, heisst es auf Anfrage bei der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (ASA).

Twitter / Oliver Morley
Die Gewährleistung der Sicherheit steht an erster Stelle, heisst es im Tweet des Briten. Das macht Sinn, bestätigt IT-Sicherheitsexperte Marc Ruef: «Mit einem digitalen Ausweis wird das Risiko von Missbrauch und Diebstahl erhöht.»

Die Gewährleistung der Sicherheit steht an erster Stelle, heisst es im Tweet des Briten. Das macht Sinn, bestätigt IT-Sicherheitsexperte Marc Ruef: «Mit einem digitalen Ausweis wird das Risiko von Missbrauch und Diebstahl erhöht.»

Dies, weil Betrüger und Kriminelle ihre Machenschaften zusätzlich ins Netz verlagern können. Schon heute gibt es einen Schweizer Fahrausweis im Darknet ab 220 Franken zu kaufen.

Dies, weil Betrüger und Kriminelle ihre Machenschaften zusätzlich ins Netz verlagern können. Schon heute gibt es einen Schweizer Fahrausweis im Darknet ab 220 Franken zu kaufen.

Screenshot Scip AG

Ohne Papiere mit dem Auto unterwegs – das könnte in Grossbritannien schon bald legal sein. Allerdings nur für Smartphone-Besitzer mit einem digitalen Führerschein. Ein auf Twitter geteiltes Foto eines Mitarbeiters der britischen Verkehrsbehörde lässt vermuten, dass eine papierlose Lösung zumindest in Arbeit ist.

Es handle sich um einen Prototyp, einen Zeitpunkt für die Einführung gebe es deshalb noch nicht, lässt der Brite seine Follower wissen. Arbeitet man in der Schweiz vielleicht auch schon klammheimlich an einer Digitalisierung?

Weit entfernte Zukunftsmusik

«Eine digitale Version des Führerausweises ist in der Schweiz noch weit entfernte Zukunftsmusik», sagt Sven Britschgi, Geschäftsführer der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (ASA), zu 20 Minuten. Das liege vor allem daran, dass derzeit weder Änderungen der Schweizer Strassenverkehrsordnung noch der EU-Richtlinien vorgesehen seien.

Letzere seien aufgrund der bestehenden bilateralen Verträge sowohl für die Schweiz als auch für Grossbritannien verbindlich. «Ich könnte mir vorstellen, dass das britische Modell als eine digitale Ergänzung zum Führerausweis fürs Inland gedacht ist. Im Ausland kommt man damit im Moment noch nicht weit», sagt Britschgi.

«Risiko für Missbrauch und Diebstahl ist erhöht»

Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen dürfte die Gewährleistung der Sicherheit einer der wichtigsten Punkte bei der Realisierung solcher Projekte sein. Marc Ruef, IT-Sicherheitsexperte bei der Schweizer Firma Scip AG, bestätigt: «Mit einem digitalen Ausweis wird das Risiko von Missbrauch und Diebstahl erhöht. Die Möglichkeiten für Betrügereien erschliessen sich dann zusätzlich im virtuellen Raum.» Schon heute gibt es einen Schweizer Fahrausweis im Darknet ab 220 Franken.

Ruef weiss, dass sich auch hierzulande bereits Firmen um digitale Produkte dieser Art bemühen. Auch wenn sich noch keine konkrete Lösung abzeichne, laufe es wohl darauf hinaus. Mit den richtigen digitalen Sicherheitsmerkmalen würde damit auch kein spürbarer Verlust der Sicherheit einhergehen, sagt er, gibt aber gleichzeitig zu bedenken: «Was man bei der ganzen Euphorie schnell vergisst, sind die alltäglichen technischen Tücken: Kein Netzempfang, ein leerer Akku oder das Handy hängt sich auf. Diese Probleme gibt es mit einem Ausweis im Papierformat nicht.»

Marc Ruef ist IT-Sicherheitsexperte bei der Schweizer Firma Scip AG. (Bild: Marc Ruef)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.