Krankenkasse: Kommt der Prämienschock nun 2022?
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KrankenkasseKommt der Prämienschock nun 2022?

Die Krankenkassenprämien steigen im nächsten Jahr um 0,5 Prozent. Experte Felix Schneuwly sagt, was hinter dem moderaten Anstieg steckt und ob der Prämienschock nun einfach später kommt.

von
Dominic Benz
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Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly denkt nicht, dass bald der grosse Prämienschock kommt. «Aber die Prämien werden weiter kontinuierlich steigen. Das können dann bis zu 2 Prozent jährlich sein», sagt er im Interview mit 20 Minuten.

Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly denkt nicht, dass bald der grosse Prämienschock kommt. «Aber die Prämien werden weiter kontinuierlich steigen. Das können dann bis zu 2 Prozent jährlich sein», sagt er im Interview mit 20 Minuten.

20 Minuten
So entwickeln sich die Krankenkassenprämien 2021. In dieser Bildstrecke siehst du den gesamtschweizerischen Durchschnitt nach Kanton.

So entwickeln sich die Krankenkassenprämien 2021. In dieser Bildstrecke siehst du den gesamtschweizerischen Durchschnitt nach Kanton.

Keystone
Die Prämien sinken im Schnitt um 0,1 Prozent.
Aargau

Die Prämien sinken im Schnitt um 0,1 Prozent.

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Darum gehts

  • Im Schnitt steigen die Prämien 2021 zum dritten Mal in Folge nur moderat.
  • Will der Bundesrat den Schweizern keinen höheren Anstieg in der Krise zumuten? Und kommt der Prämienschock nun einfach später?
  • Comparis-Experte Felix Schneuwly beantwortet die Fragen im Gespräch mit 20 Minuten.

Herr Schneuwly*, sind wir mit einem Anstieg von 0,5 Prozent mit einem blauen Auge davongekommen?

Es ist richtig, dass wir in der Corona-Krise nicht noch mehr zahlen müssen. Die Pandemie trifft etliche Branchen hart. Die Arbeitslosenquote steigt. Viele Menschen haben daher weniger Geld im Portemonnaie. Gerade für sie ist auch ein moderater Anstieg von 0,5 Prozent viel.

Wollte der Bundesrat die Bevölkerung einfach nicht mit einem grösseren Anstieg zusätzlich belasten?

Nein, denn die gesetzliche Vorgaben für die Prämienberechnung sind sehr restriktiv. Das Gesetz schreibt vor, dass die Prämien die Gesundheitskosten decken. Das Einzige, was die Kassen machen können, ist, die Gesundheitskosten niedriger zu schätzen, um niedrige Prämien zu erreichen. Da kann das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schon mal ein Auge zudrücken.

Aber die medizinischen Kosten steigen doch kontinuierlich – gerade in der jetzigen Krise?

Die Kosten werden weitersteigen. Doch niemand weiss momentan, welchen Einfluss die Krise hat und wie lange diese noch geht. Für die Berechnung der Prämien 2021 haben die Kassen daher die Pandemie nicht berücksichtigt. Das ist auch richtig. Denn für solche aussergewöhnlichen Situationen haben die Kassen Reserven aufgebaut.

«Unerträgliche Last»

Prämien sollen sinken

Dass der Bund den Anstieg der Prämien relativ niedrig halten kann, reicht dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) «bei weitem nicht», wie es in einer Mitteilung heisst. Die Krankenkasse sei in den vergangenen Jahren zu einer «unerträglichen Last» für die Schweizer Haushalte geworden. Dazu kam 2020 noch die Coronavirus-Krise. Genau für so eine Krise hätten die Krankenkassen mit 11 Milliarden Franken doppelt so hohe Reserven angehäuft als gesetzlich vorgeschrieben. Doch wie sich herausstellte, wurden diese Reserven gar nicht benötigt. «Der horrende Reserveberg muss rasch abgebaut und den Versicherten zurückgegeben werden, was ihnen zusteht.» Den bereits angekündigten freiwilligen Reserveabbau von 211 Millionen Franken bezeichnet der SGB als «mickrig». Die Gewerkschaften fordern, dass ein Haushalt künftig mit höchstens 10 Prozent des verfügbaren Einkommens durch die Krankenkassenprämien belastet wird.

Warum steigen die Prämien nur moderat?

Laut Bundesrat Alain Berset sind die Sparmassnahmen des Bundes der Grund. Das sehe ich anders. Sie erhöhen vielmehr die Bürokratiekosten. Was die Kosten und Prämien drückt, sind eher alternative Versicherungsmodelle wie Telmed oder das Hausarztmodell, die günstiger sind. Mit diesen kann gespart werden, da die medizinische Versorgung effizienter stattfindet. Seit der Pandemie boomt die Telemedizin.

Kommt der Prämienschock nun einfach 2022?

Das denke ich nicht. Aber die Prämien werden weiter kontinuierlich steigen. Das können dann bis zu 2 Prozent jährlich sein. Solange der medizinische Fortschritt anhält, werden auch die Kosten zunehmen. Trotz Effizienzsteigerung und Sparen – wir können das Kostenwachstum nicht auf null drücken.

*Felix Schneuwly ist Krankenkassenexperte beim Vergleichsdienst Comparis

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