Bessere Therapiechancen: Kommt die Alzheimer-Früherkennung?
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Bessere TherapiechancenKommt die Alzheimer-Früherkennung?

Für Alzheimer gilt: Je früher die Therapie einsetzt, desto besser. Doch bislang hapert es mit der Früherkennung. Das könnte sich ändern.

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Wenn man Alzheimer feststellen könnte, bevor die Nervenzellen im grossen Stil Schaden genommen haben, könnten Therapien dagegen tatsächlich etwas bringen. Noch ist die Früherkennung schwierig. Doch Basler Forscher sind der Lösung des Problems nun einen Schritt näher gekommen. (Im Bild: Alzheimer-Patient Amandus Rosenbach (Dieter Hallervorden) im Film «Honig im Kopf», 2014)

Wenn man Alzheimer feststellen könnte, bevor die Nervenzellen im grossen Stil Schaden genommen haben, könnten Therapien dagegen tatsächlich etwas bringen. Noch ist die Früherkennung schwierig. Doch Basler Forscher sind der Lösung des Problems nun einen Schritt näher gekommen. (Im Bild: Alzheimer-Patient Amandus Rosenbach (Dieter Hallervorden) im Film «Honig im Kopf», 2014)

Barefoot Films/Warner Bros./Seven Pictures
Im Rahmen ihrer in den «Cell Reports» erschienenen Studie stiessen sie auf einen vielversprechenden Kandidaten für einen solchen Biomarker – den Botenstoff FGF21, der bei Störungen in den «Kraftwerken der Zelle» (Mitochondrien) ausgeschüttet wird. (Im Bild: ein mitochondriales Netzwerk)

Im Rahmen ihrer in den «Cell Reports» erschienenen Studie stiessen sie auf einen vielversprechenden Kandidaten für einen solchen Biomarker – den Botenstoff FGF21, der bei Störungen in den «Kraftwerken der Zelle» (Mitochondrien) ausgeschüttet wird. (Im Bild: ein mitochondriales Netzwerk)

Wikimedia Commons/Simon Troeder/CC-BY 4.0
Wie die Forschenden um Stephan Frank berichten, konnten sie FGF21 in Tiermodellen neurodegenerativer Erkrankungen nachweisen. Und zwar zu einem Zeitpunkt, bevor die Nervenzellen absterben. Bevor ein Früherkennungstest lanciert werden kann, ...

Wie die Forschenden um Stephan Frank berichten, konnten sie FGF21 in Tiermodellen neurodegenerativer Erkrankungen nachweisen. Und zwar zu einem Zeitpunkt, bevor die Nervenzellen absterben. Bevor ein Früherkennungstest lanciert werden kann, ...

iStock/Kkolosov

Wissenschaftler und Mediziner sind überzeugt, dass wirksame Therapien gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson möglichst früh ansetzen müssen. Denn wenn Nervenzellen reihenweise zugrunde gehen, ist der Schaden schon angerichtet. Deshalb sind Forscher auf der Suche nach Erkennungsmerkmalen, sogenannten Biomarkern, mit denen sich solche Krankheiten frühzeitig erkennen lassen.

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Basel ist nun auf einen vielversprechenden Kandidaten für einen solchen Biomarker gestossen. Dabei geht es um einen Botenstoff namens FGF21, der bei Störungen in den «Kraftwerken der Zelle» (Mitochondrien) ausgeschüttet wird.

Chronischer Zellstress

Eine solche Fehlfunktion in den Mitochondrien löst eine Stressreaktion in der Zelle aus. Chronischer Zellstress in Nervenzellen wiederum gilt als Angelpunkt neurodegenerativer Erkrankungen.

Wie die Forschenden um Stephan Frank von der Universität und dem Universitätsspital Basel im Fachblatt «Cell Reports» berichten, konnten sie FGF21 in Tiermodellen neurodegenerativer Erkrankungen nachweisen. Und zwar zu einem Zeitpunkt, bevor die Nervenzellen absterben.

Das macht FGF21 zu einem vielversprechenden Kandidaten für die Früherkennung solcher Erkrankungen. Zwar liesse sich mit diesem Biomarker nicht unterscheiden, um welche neurodegenerative Krankheit es sich handle, da mehrere Erkrankungen mit chronischem Zellstress zusammenhingen, schrieben die Forscher im Fachartikel. Jedoch könnte er dereinst für Vorsorgeuntersuchungen dienen und auf einen ersten Verdacht hinweisen.

Verfälscht durch andere Organe

Allerdings brauche es weitere Forschung, um einen solchen Früherkennungstest zu etablieren, betonen die Wissenschaftler. Das Problem: Der Botenstoff wird nicht nur in Nervenzellen, sondern auch in den Zellen anderer Gewebe und Organe produziert, beispielsweise in Fettgewebe und der Leber.

Fettleibigkeit und Lebererkrankungen könnten somit einen Test auf FGF21-Basis verfälschen. In künftigen Studien müsste Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit von Patienten auf den Botenstoff hin untersucht werden, um zu prüfen, ob und wie er sich als Biomarker für beginnende neurodegenerative Erkrankungen eigne.

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Joy Milne aus Schottland hat eine besonders sensible Nase: Sie kann riechen, ob jemand an Parkinson leidet oder nicht.

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Screenshot Youtube/The Science Channel
Ihr Geruchssinn ist so gut, dass sie sich selbst «irgendwo zwischen Hund und Mensch» einordnet. (Im Bild: Waldi der «Möter» – halb Mensch, halb Köter – aus der Weltraumsatire «Spaceballs», 1987.)

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Screenshot Youtube/mediaplay2007
Herausgefunden hat Joy ihre Fähigkeit durch Zufall: Sie bemerkte, dass ihr Mann Les zunehmend anders roch – nach Moschus. Doch erst zehn Jahre später erfuhr sie bei einem Treffen mit anderen Parkinson-Erkrankten: Ihr Mann riecht genauso wie diese. Von ihren Fähigkeiten bekamen bald auch Forscher ...

Herausgefunden hat Joy ihre Fähigkeit durch Zufall: Sie bemerkte, dass ihr Mann Les zunehmend anders roch – nach Moschus. Doch erst zehn Jahre später erfuhr sie bei einem Treffen mit anderen Parkinson-Erkrankten: Ihr Mann riecht genauso wie diese. Von ihren Fähigkeiten bekamen bald auch Forscher ...

Screenshot Youtube/BBC News

(fee/sda)

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