Recycling: Kommt die Milchkarton-Rückgabe – samt Gebühr?
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RecyclingKommt die Milchkarton-Rückgabe – samt Gebühr?

Erstmals steht in der Schweiz eine Recycling-Anlage für Getränkekartons. Bislang macht nur Aldi mit. Ziehen andere nach und kommt eine Gebühr?

von
Isabel Strassheim
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Im Moment nimmt unter den Detailhändlern nur Aldi Suisse gebrauchte Gestränkekartons zurück.

Im Moment nimmt unter den Detailhändlern nur Aldi Suisse gebrauchte Gestränkekartons zurück.

Aldie Suisse
Bei Coop können nur PET-Flaschen, Shampoo-Behälter und Plastik-Milchflaschen zurückgegeben werden....

Bei Coop können nur PET-Flaschen, Shampoo-Behälter und Plastik-Milchflaschen zurückgegeben werden....

Keystone/Gaetan Bally
...dasselbe gilt für Migros.

...dasselbe gilt für Migros.

Keystone/Sigi Tischler

Leere PET- und Milchflaschen können Konsumenten beim Einkaufen en passant in Sammelboxen beim Detailhändler werfen. Künftig könnten dort auch gebrauchte Getränkekartons landen. Erstmals gibt es auch in der Schweiz eine eigene Recycling-Anlage. «Dank ihr können die jährlich anfallenden 20'000 Tonnen an Getränkekartons optimal wiederverwertet werden», sagt Simone Alabor zu 20 Minuten. Die Geschäftsführerin des Vereins Getränkekarton-Recycling Schweiz

bestätigt damit einen Bericht von «Kassensturz-Espresso» von SRF.

«Ein Getränkekarton-Recycling ist ökologisch sinnvoll und die Leute machen mit», sagt Alabor. Bislang sammelt unter den Detailhändlern nur Aldi Suisse die gebrauchten Packungen und lässt sie von der Thurgauer Papierfabrik Model AG in der neuen Anlage verwerten.

«Es müsste ein explizites Kundenbedürfnis geben»

Recycling kostet jedoch Geld. Auch bei PET-Flaschen finanziert sich die Wiederverwertung nicht durch den Materialertrag, sondern durch die vorgezogene Entsorgungsgebühr von 1 bis 2 Rappen, die der Kunde bei jedem Kauf gleich mitbezahlt. «Recycling macht man zum Schonen der Ressourcen, nicht zum Geldverdienen», betont Alabor. Laut ihr könnte das Getränkekarton-Recycling ebenfalls mit 1 bis 2 Rappen pro Verpackung finanziert werden.

Die Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz, ein Zusammenschluss von Migros, Coop, Denner und Manor, ist beim Thema Getränkekarton-Recycling jedoch zurückhaltend. «Der ökologische Mehrwert ist gering», sagt IG-Sprecher Patrick Marty. Zudem sei die Logistik und eben die Finanzierung ein Problem. «Wären diese Fragen gelöst und ein explizites Kundenbedürfnis vorhanden, würden wir uns der Sache nicht kategorisch verschliessen.»

Viermal so viel Kapazität

Für Aldi mit seinen rund 175 Filialen in der Schweiz sind die Volumen und damit auch die Logistik deutlich geringer als etwa für Coop mit gut 850 Supermärkten. Allerdings dürfte die neue Anlage im Thurgau deutlich höhere Volumen benötigen. Die Kapazität der Maschine beträgt laut der Model AG 75'000 Tonnen pro Jahr und damit bald das Vierfache der Getränkekartons, die in der Schweiz insgesamt anfallen.

Hinter dem Verein Getränkekarton-Recycling Schweiz stehen Hersteller wie Tetra Pak oder SIG. Sie setzen sich für ein einheitliches und schweizweites Sammelsystem ein. Leere Getränkekartons und Plastifklaschen könnten laut dem Verein gemeinsam und damit kostengünstiger gesammelt werden.

Getränkekartons bestehen aus Fasern von frischem Holz sowie aus Plastik und Aluminium. Die neuartige Recycling-Anlage der Model AG kann laut eigenen Angaben die Verbundmaterialien aufspalten.

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