FFP2: Kommt es bald zum nächsten Masken-Kurswechsel?
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FFP2Kommt es bald zum nächsten Masken-Kurswechsel?

In den Nachbarländern sind Masken des Typs FFP2 bereits Pflicht. Auch in der Schweiz gibt es Anzeichen eines Umdenkens. Dabei gibt es auch Zweifel an der Unbedenklichkeit der Masken.

von
Leo Hurni
Pascal Michel
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Die Schweizer decken sich mit FFP-Masken ein.  Im Januar ist die Nachfrage nach diesen stark gestiegen. 

Die Schweizer decken sich mit FFP-Masken ein. Im Januar ist die Nachfrage nach diesen stark gestiegen.

20min/Marco Zangger
In Deutschland und Österreich sind die Masken teilweise bereits obligatorisch. Denn die Masken versprechen einen besseren Schutz.

In Deutschland und Österreich sind die Masken teilweise bereits obligatorisch. Denn die Masken versprechen einen besseren Schutz.

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Im Gegensatz zu den Hygienemasken filtern FFP2-Masken auch feste Partikel und bieten so einen wirksameren Schutz gegen Aerosole.

Im Gegensatz zu den Hygienemasken filtern FFP2-Masken auch feste Partikel und bieten so einen wirksameren Schutz gegen Aerosole.

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Darum gehts:

  • In der Schweiz werden immer mehr FFP2-Masken gekauft.

  • Diese Masken bieten einen wirksameren Schutz gegen Aerosole.

  • In Deutschland und Österreich sind die Masken teilweise bereits obligatorisch.

  • Eine Empfehlung oder Pflicht diskutieren jetzt auch die Kantone.

  • Die FFP2-Masken sind aber nicht unumstritten: Bei falscher Anwendung sind sie nicht sicher. Zudem gibt es gesundheitliche Bedenken.

Es war das Mantra von Mr. Corona Daniel Koch während der ersten Corona-Welle: «Die Bevölkerung kann sich mit Masken nicht wirksam schützen.» Im Sommer schwenkte der Bund dann um. Der Grund für Kochs Aussage: Der Bund hatte zu wenig Masken gelagert.

Jetzt, inmitten der zweiten Welle, zeichnet sich wieder ein Kurswechsel der Behörden in der Maskenfrage ab. Diesmal betrifft es die sogenannten FFP2-Masken. In Deutschland und in Österreich sind sie in der Öffentlichkeit bereits teilweise obligatorisch. Denn im Gegensatz zu den Hygienemasken filtern FFP2-Masken auch feste Partikel und bieten so einen wirksameren Schutz gegen Aerosole.

Büros stehen im Fokus

Der Einsatz von FFP2-Masken wird auch in den Kantonen diskutiert, wie Kantonsärzte-Chef Rudolf Hauri am Dienstag vor den Medien sagte. So könnten FFP2-Masken unter gewissen Umständen zur Pflicht erklärt werden. «Das sind namentlich Umstände mit grösserer Bedeutung einer Aerosol-Bildung zum Beispiel in engeren Räumen mit geringer Lüftungsmöglichkeit», so Hauri. Er präzisierte, gemeint seien etwa Büros, im öffentlichen Verkehr sei das Problem wegen der grösseren Luft-Volumina weniger akut.

Auch das Bundesamt für Gesundheit beobachtet zusammen mit der Corona-Taskforce den Umgang der Nachbarländer mit den FFP-Masken. Eine Anpassung der Maskenempfehlungen sei derzeit allerdings nicht vorgesehen, so BAG-Pressesprecher Yann Hulmann. «Abhängig von der Entwicklung der epidemiologischen Situation, aber auch vom Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse kann die Situation neu bewertet werden.»

Bäumle fordert Transparenz

GLP-Nationalrat Martin Bäumle findet, das BAG hätte aus dem kommunikativen Masken-Debakel in der ersten Welle lernen müssen. «Die Bevölkerung sollte jetzt transparent und rasch darüber informiert werden, wie Bund und Kantone mit FFP2-Masken umgehen wollen», sagt er. Denn die aktuelle Situation schaffe sonst Verunsicherung und könne zu unnötigen Hamsterkäufen führen. «Angezeigt wäre eine Empfehlung für Mindestanforderungen an Masken und das korrekte Tragen, um möglichst viel Sicherheit zu bieten.»

Bäumle spricht sich für eine Empfehlung an Orten mit engen Platzverhältnissen aus, sofern Bund und Kantone genügend FFP2-Masken auf Lager hätten. Eine generelle Pflicht findet er jedoch nicht zielführend: «Das könnte neue Widerstände auslösen.» Vielmehr solle das BAG rasch klarmachen, über wie viele FFP2-Masken man verfüge und wer diese nutzen solle. Bäumle denkt da ans Gesundheitspersonal oder an Schüler und Lehrerinnen und Lehrer in Oberstufe und Gymnasien.

Suva rät zu Masken-Pausen

Auf mögliche gesundheitliche Nebenwirkungen der FFP2-Masken macht die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene aufmerksam. Es fehle dazu an Untersuchungen. Denn das Problem sieht der Verband nicht nur beim Infektionsrisiko durch unsachgemässes Tragen der Masken. Beim Gesundheitspersonal seien Nebenwirkungen wie Atembeschwerden oder Gesichtsdermatitis wegen der eng sitzenden Maske festgestellt worden. «Beim Einsatz bei Personen mit eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen sind gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschliessen.»

Auch die Suva meldet gewisse Bedenken an. Sie empfiehlt, keinesfalls mehr als drei Stunden mit einer FFP-Maske zu arbeiten. Danach solle man eine Maskenpause von mindestens 30 Minuten einlegen. Grund dafür: Beim Tragen von Atemschutzmasken erhöht sich der Atemwiderstand. Gemäss der Suva führt dies zu einer zusätzlichen körperlichen Belastung. Trägt man eine solche Maske beispielsweise den ganzen Tag im Büro, so entspricht das also nicht der Empfehlung der Suva.

Das sind FFP-Masken

FFP-Masken (Filtering Face Piece) sind Einwegmasken, die praktisch vollständig aus Filtermaterial bestehen. Sie bedecken Nase und Mund und schützen vor festen Partikeln (Staub, Viren, Bakterien) und wässrigen und öligen Aerosolen. Sie werden auch als partikelfiltrierende Halbmasken oder Feinstaubmasken bezeichnet und sind eingeteilt in die Schutzklassen FFP1, FFP2 und FFP3. Dabei bietet FFP3 den stärksten Schutz. Teilweise sind FFP-Masken auch mit einem Ausatemventil ausgerüstet. Dieses sorgt für einen geringeren Atemwiderstand beim Ausatmen, macht die Maske aber auch weniger sicher, da ausgeatmete Aerosole nicht durch das Filtermaterial abgefangen werden.

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