US-Wahlen: Kommt es für Palin heute knüppeldick?
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US-WahlenKommt es für Palin heute knüppeldick?

Das Finanzdebakel und ein Ermittlungsverfahren gegen Sarah Palin bringen John McCain unter Druck: Der Abstand auf seinen demokratischen Rivalen Barack Obama vergrösserte sich laut einer Gallup-Umfrage auf zehn Punkte.

McCain setzte in dieser Lage auf nochmals verstärkte persönliche Angriffe auf Obama: Nachdem zuvor Palin den Demokraten wegen seiner Bekanntschaft mit dem ehemaligen Antivietnamkriegsaktivisten William Ayers angegriffen hatte, sagte McCain, Obama müsse alle Einzelheiten seiner Beziehung zu Ayers offenlegen, der inzwischen als College-Professor im selben Chicagoer Viertel wie der demokratische Kandidat lebt. Es sei ein klarer Beleg dafür, dass Obama ein radikaler, weit links stehender Politiker sei.

Obama erwiderte, McCain gehe es mit der Ayers-Sache nur darum, «billige politische Punkte zu machen». McCain führe lieber wütende und persönliche Angriffe, als über die Wirtschaft und seinen Rettungsplan zu sprechen, der den Steuerzahler noch teurer zu stehen kommen würde. Obamas Vorwurf an McCain, eine ziellose Wirtschaftspolitik zu betreiben, schien bei den Wählern anzukommen: Laut Gallup würden derzeit 51 Prozent den demokratischen Kandidaten wählen und 41 Prozent McCain.

Entlassung aus persönlichen Gründen?

Unterdessen prüfte in Anchorage ein Parlamentsausschuss einen Ermittlungsbericht, in dem es um möglichen Amtsmissbrauch durch die Gouverneurin geht. Mit dem 300 Seiten umfassenden Bericht soll die Frage geklärt werden, ob Palin den Beauftragten für die öffentliche Sicherheit in Alaska, Walt Monegan, aus persönlichen Motiven entlassen hat. Dieser hatte sich geweigert, Michael Wooten zu feuern, einen Polizisten, der sich mit Palins Schwester einen wüsten Scheidungskrieg lieferte.

Die Republikaner waren zuvor mit ihrem Versuch gescheitert, die Ermittlungen im Staat Alaska gegen Sarah Palin zu stoppen. Der Oberste Gerichtshof des Staates Alaska wies am Donnerstag einen entsprechenden Antrag zurück. Republikanische Abgeordnete hatten bemängelt, das Verfahren sei politisch motiviert. Damit kann der Bericht des Ermittlers Stephen Branchflower am heutigen Freitag veröffentlicht werden.

Wiederholt unter Druck

McCains Wahlkampfsprecher sagte vor der für 19.00 Uhr MESZ erwarteten Veröffentlichung, das Dokument zeige, dass Palin Monegan wegen Ungehorsam und eines Streits über Budgetfragen entlassen habe. Dieser widerspricht. «Die Gouverneurin wollte, dass ich Wooten entlasse, und ich wollte das nicht», erklärte Monegan gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Der Polizist habe sich unter seiner Aufsicht nichts getan, was eine Kündigung gerechtfertigt hätte. Gegenüber der «New York Times» sagte Monegan zudem, er sei von Palin und ihrer Entourage wiederholt unter Druck gesetzt worden.

Ehemann Todd Palin betonte in einer am Mittwoch veröffentlichten eidesstattlichen Erklärung jedoch, er habe Monegan niemals dazu gedrängt, Wooten zu feuern. Auch Sarah Palin sagte am Donnerstag am Rande eines Wahlkampfauftritts in Ohio, sie sei wegen der Berichts überhaupt nicht nervös: «Wir haben nichts zu verbergen, absolut nichts.» Trotzdem veröffentlichten die Republikaner bereits am Donnerstag einen «Gegenbericht», der die Vize-Kandidatin entlasten sollte.

(pbl/ap)

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