Gefährdete Sprache: Kommt für Rätoromanisch jede Hilfe zu spät?
Aktualisiert

Gefährdete SpracheKommt für Rätoromanisch jede Hilfe zu spät?

Vor 30 Jahren wurde für die rätoromanischen Idiome eine gemeinsame Schriftsprache geschaffen, um die vierte Landessprache zu bewahren. Die Bilanz ist ernüchternd.

von
Corinne Hodel
Die Zukunft der vierten Schweizer Landessprache ist ungewiss. (Im Bild: Ein Strassenschild in Tiefencastel). (Bild: Keystone)

Die Zukunft der vierten Schweizer Landessprache ist ungewiss. (Im Bild: Ein Strassenschild in Tiefencastel). (Bild: Keystone)

Nur noch 30 000 Schweizer sprechen heute Rätoromanisch als Hauptsprache – Tendenz sinkend. Um die vierte Landessprache zu fördern, wurde bereits vor 30 Jahren das Rumantsch Grischun entwickelt: eine gemeinsame Schriftsprache für die fünf teilweise stark unterschiedlichen rätoromanischen Idiome.

Georges Darms von der Uni Freiburg war damals massgeblich an der Entwicklung von Wörterbuch und Grammatik beteiligt. Anders als die künstliche Weltsprache Esperanto basiert Rumantsch Grischun auf den Idiomen selbst. So gibt es darin keine neu erfundenen Wörter. Ebenso blieben grammatikalische Unregelmässigkeiten, wie sie jede Sprache kennt, beibehalten.

Das Fazit des Sprachwissenschaftlers nach 30 Jahren: «Rumantsch Grischun hat sich noch nicht als Schriftsprache durchgesetzt.» Ein Grund dafür sind Gegner, die befürchten, dass die neue Schriftsprache die Idiome verdrängt. Zudem braucht es naturgemäss Zeit, bis sich eine Schriftsprache etabliert. Zum Vergleich: Beim Hochdeutschen dauerte es rund 300 Jahre. «Die Rätoromanen haben aber nicht mehr ewig Zeit», sagt Darms. Denn die Zahl der Muttersprachler nimmt laufend ab.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

Deine Meinung