«Wonder Woman 1984» im Stream: Kommt jetzt das grosse Kinosterben?

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«Wonder Woman 1984» im StreamKommt jetzt das grosse Kinosterben?

Statt auf der Leinwand müssen (dürfen?) Fans mit ihrer Wonder Woman auf Sky mitfiebern. Aber was heisst das für eine Branche, die schon vor der Pandemie in der Krise steckte?

von
Catharina Steiner

Der Trailer zu «Wonder Woman 1984». Der Film läuft in der Schweiz vorerst nicht im Kino.

Warner Bros.

Darum gehts

  • «Wonder Woman» spielte 2017 weltweit über 820 Millionen Dollar ein.

  • Die Fortsetzung sollte ähnlich erfolgreich werden.

  • Aufgrund der Pandemie wurde der Start von «Wonder Woman 1984» mehrfach verschoben.

  • Ein Kinostart ist ungewiss – Sky Schweiz zeigt den Film auf seiner Streaming-Plattform.

  • Wann die Schweizer Kinos wieder öffnen, ist unklar.

Seit März 2020 das immer gleiche, frustrierende Spiel: Die grossen Studios schieben ihre Kinostarts von einem Monat in den nächsten, von einem Jahr ins nächste. Bis viele Blockbuster irgendwann Premiere auf einer Streamingplattform feiern. Disneys «Mulan» zum Beispiel.

Das bildgewaltige Epos «Mulan» hätte einen Kinostart verdient. Fehlanzeige!

Das bildgewaltige Epos «Mulan» hätte einen Kinostart verdient. Fehlanzeige!

Disney

So erging es nun auch «Wonder Woman 1984». Nachdem das Studio Warner den Film vergangene Weihnachten in den USA zeitgleich im Kino und auf seiner Streaming-Plattform HBO Max zeigte, war das Schicksal der Superheldin eigentlich besiegelt. Seit dem 8. März streamt hierzulande Sky den Blockbuster, dessen erster Teil 2017 gigantische 822 Millionen Dollar im Kino einspielte.

Schweizer Kinostart unsicher

Ob der Film irgendwann doch auf der grossen Leinwand gezeigt wird, steht in den Sternen. Warner Bros. Schweiz sagt dazu in einem Statement: «Ob der Film auch in die Kinos kommt, hängt weniger von uns, sondern vielmehr vom Bundesrat ab. Momentan hätten wir den Film für die Kinos bereit, dass diese aber geschlossen sind, macht die Sache nicht ganz einfach. Ob er zu einem (momentan völlig offenen) Zeitpunkt dann in den Sälen noch gespielt wird, können wir momentan nicht beantworten.»

Gal Gadot alias Wonder Woman war mit der Fortsetzung ebenfalls kein Kinoauftritt vergönnt.

Gal Gadot alias Wonder Woman war mit der Fortsetzung ebenfalls kein Kinoauftritt vergönnt.

Warner Bros.

Das freut wiederum Sky Schweiz, dem mit der Rechte-Sicherung des Blockbusters ein Coup gelungen ist – auch dank der Tatsache, dass HBO Max hierzulande noch nicht an den Start gegangen ist. Laut Fabian Stein, Head of Content von Sky, verzeichnet die Plattform seit Beginn der Corona-Krise ordentliche Zuwachs, auch wenn das Unternehmen genaue Zahlen nicht kommunizieren möchte. «Wonder Woman 1984» dürfte dieser Entwicklung noch zusätzlichen Schub verleihen.

Angst vor Raubkopien

Wie das «Wonder Woman 1984»-Studio Warner Bros. zu dem Deal steht, war von Seiten des Verleihers nicht in Erfahrung zu bringen. Fabian Stein, Head of Content von Sky, drückt es indes diplomatisch aus: «Wir sind alle von der Pandemie betroffen und in diesem Fall machte es keinen Sinn, den Film zurückzuhalten, zumal er seit kurzem auch in den USA schon verfügbar ist.» Sprich: Raubkopien würden das Geschäft ohnehin kaputt machen, wenn nicht rasch reagiert wird. Dann blieben unterm Strich nur Verliererinnen und Verlierer. Trotzdem wünscht sich Stein als bekennender Cineast, dass das Kino als Ort des gemeinsamen Erlebens weiterhin bestehen bleibt.

Kino in der Krise

Aber es sieht nicht gut aus. Selbst wenn die Lichtspielhäuser in der Schweiz bald öffnen dürfen – es gibt keine grossen Filme, die die Betreibenden ihrem Publikum zeigen können. Entweder werden die Blockbuster immer wieder verschoben, oder sie wandern direkt zu den Streaming-Diensten. Ohnehin gehen die Besucherzahlen seit Jahren kontinuierlich zurück. Das Geschäftsmodell Kino steckte schon vor Corona in der Krise, wie die Zahlen deutlich machen. 2018 verzeichneten die Schweizer Kinos mit 11,74 Millionen verkauften Eintrittskarten die niedrigste Besucherinnenzahl seit 38 Jahren. 2019 war die Zahl zwar wieder leicht angestiegen, aber das Niveau bleibt tief.

Wird es grosse Kinopremieren künftig also überhaupt noch geben? Das mächtige Studio Universal verweist auf Statements aus der amerikanische Führungsetage, aus der man «ein starkes Bekenntnis zum Kinobesuch und Kinorelease ablesen kann», so Universal Schweiz auf Anfrage von 20 Minuten. Aber: «Detaillierter können wir Fragen zu den Entwicklungen im Schweizer Markt zur Zeit leider nicht beantworten.»

Das Studio Universal will das neue James-Bond-Abenteuer «No Time to Die» am 30. September 2021 im Kino zeigen. Eineinhalb Jahre später als geplant.

Universal Pictures

Optimistisch ist auch der Schweizer Kinoverband. «Selbstverständlich wird es in Zukunft wieder Kinopremieren geben! Die Streaming-Dienste haben zwar in den letzten 12 Monaten enormen Zuwachs erlebt. Aber die Faszination des Eintauchens in eine Geschichte im dunklen Saal und ohne lästige Störungen bleibt meiner Meinung nach ungebrochen und wird auch wieder sehr geschätzt werden, sobald die Kinos wieder öffnen dürfen», sagt Generalsekretär René Gerber.

Dass es wegen der Corona-Schliessungen zu einem Kinosterben kommen könnte, glaubt Gerber nicht. «Bisher ist mir kein Kino bekannt, das wegen der Pandemie seine Türen für immer schliessen musste. Dies vor allem wegen den Unterstützungsmassnahmen von Bund und Kantonen.» Trotzdem muss sich die Branche etwas einfallen lassen. Vor allem Jugendliche müssen wieder den Weg ins Kino finden, um ein langfristiges Überleben zu sichern. Denn die Wahl zwischen Streaming-Abo und Kinobesuch fällt speziell für diese Zielgruppe meist auf Ersteres. Zum Preis eines Kinotickets lassen sich auf Disney Plus und Co. schliesslich hunderte Filme und Serien streamen.

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