Aktualisiert 17.07.2019 06:01

Nach tödlichem Unfall

Kommt jetzt die Helmpflicht für E-Trottis?

Mit dem E-Trotti-Boom häufen sich die Unfälle: Politiker und Sicherheitsexperten sprechen sich für eine Helmpflicht aus. Der Bund prüft die Massnahmen.

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Mit dem E-Trotti-Boom häufen sich die Unfälle: Politiker und Sicherheitsexperten sprechen sich für eine Helmpflicht aus. Der Bund prüft Massnahmen.

Mit dem E-Trotti-Boom häufen sich die Unfälle: Politiker und Sicherheitsexperten sprechen sich für eine Helmpflicht aus. Der Bund prüft Massnahmen.

ole Schwander
Erst am Wochenende verunglückte die britische Youtuberin Emily Hartridge (35) mit ihrem E-Trottinett tödlich. In in einem Kreisel in London stiess sie mit einem Lastwagen zusammen.

Erst am Wochenende verunglückte die britische Youtuberin Emily Hartridge (35) mit ihrem E-Trottinett tödlich. In in einem Kreisel in London stiess sie mit einem Lastwagen zusammen.

Screenshot/Instagram
Auch in der Schweiz häufen sich die Unfallmeldungen: Im April starb im Wallis ein 32-Jähriger nach einem Sturz mit dem E-Trotti. In Luzern verletzte sich ein E-Trotti-Fahrer schwer. Er war in ein Auto gekracht.

Auch in der Schweiz häufen sich die Unfallmeldungen: Im April starb im Wallis ein 32-Jähriger nach einem Sturz mit dem E-Trotti. In Luzern verletzte sich ein E-Trotti-Fahrer schwer. Er war in ein Auto gekracht.

Hanohiki

Erst am Wochenende verunglückte die britische Youtuberin Emily Hartridge (35) mit ihrem E-Trottinett tödlich. In in einem Kreisel in London stiess sie mit einem Lastwagen zusammen (20 Minuten berichtete).

Auch in der Schweiz häufen sich die Unfallmeldungen: Im April starb im Wallis ein 32-Jähriger nach einem Sturz mit dem E-Trotti. In Luzern verletzte sich ein E-Trotti-Fahrer an Ostern schwer, weil er in ein Auto krachte. Ende Mai landeten zwei Scooterfahrer in Basel im Spital, weil sie von zwei Trams eingeklemmt worden waren. Das Inselspital Bern behandelte heuer schon zwei leicht bis mittelschwer verletzte E-Trotti-Fahrer. Entsprechend rechnet die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) mit durchschnittlich 66 E-Trotti-Unfällen pro Jahr.

«Ich fahre nur noch auf dem Trottoir»

20-Minuten-Leser berichten von brenzligen Situationen mit den kleinen Flitzern. «Ich fuhr meist auf der Strasse oder dem Velostreifen, bis ich fast von einem Auto angefahren wurde», so Sarah* (26) aus Zürich. Ein Auto sei ihr nicht ausgewichen, so habe sie sich in letzter Sekunde aufs Trottoir retten müssen. «Seither fahre ich aus Angst immer auf dem Trottoir, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist.»

Regelmässig fallen ihr Leute auf, die zu zweit auf dem Gefährt unterwegs sind oder nach dem Ausgang betrunken Trottis mieten. «Sie können kaum ihr Gleichgewicht halten. Das ist extrem gefährlich. Es erstaunt mich nicht, dass es zu mehr Unfällen kommt.» Einen Helm trage sie selber nicht. «Ich denke aber, dass es eigentlich sinnvoll wäre», so Sarah. Das bestätigt Suva-Sprecherin Natascha Obermayr: «Wir empfehlen E-Trotti-Fahrern einen Helm und reflektierende Kleidung zu tragen.»

Bundesamt für Strassen prüft Helm-Obligatorium

Zum Thema wird nun die Helmpflicht. Für SP-Nationalrätin Bea Heim braucht es Änderungen: «Wenn ich sehe, wie schnell E-Trottis fahren und wie wenig geschützt und ausgeliefert die Fahrer sind, braucht es Massnahmen.» Sie plädiert für die Einführung eines Helm-Obligatoriums, sollten die Unfallzahlen weiter steigen.

Das Bundesamt für Strassen prüft derzeit eine Helmpflicht für langsame E-Bikes (bis 25 km/h). Diese sind im Strassenverkehrsgesetz den E-Trottis gleichgestellt. «Wir prüfen verschiedene Massnahmen. Auch ein Helm-Obligatorium ist im Gespräch. Ob es in die Vernehmlassung kommt, ist aber noch offen», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach.

«Wir würden ein Helm-Obligatorium unterstützen»

Marc Kipfer, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), empfiehlt E-Trotti-Fahrern eindringlich das Tragen eines Helmes. Anbieter von Miet-E-Trottis sollten entsprechend Tipps zur Sicherheit geben. «Es wäre wünschenswert, dass Nutzern ein Helm zur Verfügung gestellt wird», so Kipfer. Hinsichtlich eines Obligatoriums verweist Kipfer auf die Überlegungen des Astra: «Wir würden ein Helm-Obligatorium unterstützen, sollte es politisch konkret werden.»

Die BfU gehe davon aus, dass es vermehrt Unfälle geben werde, solange die Zahl der genutzten E-Scootern ansteige, so Kipfer. «Die BfU steht einer erweiterten Zulassung elektrisch angetriebener Trendfahrzeuge für den Strassenverkehr deshalb allgemein kritisch gegenüber.»

Verlagerung auf Trottoir ausgeschlossen

Der E-Trotti-Verleiher Circ, der auch zunehmend in der Schweiz expandiert, ist hier anderer Meinung. «Umso populärer E-Trottinettes werden, desto weniger Unfälle erwarten wir, da die Nutzer vertrauter im Umgang mit den Fahrzeugen werden», sagt Daniel Scherrer, Head of Public Affairs Schweiz bei Circ. Das Unternehmen investiere viel in die Sicherheit ihrer Fahrzeuge. «Unsere E-Trottis sind robuster und stabiler, da wir diese selber entwickeln und produzieren. Ebenfalls sensibilisieren wir unsere Nutzer zu den Verkehrsregeln und den sicheren Umgang mit den Fahrzeugen via App und auf den Trottis selber», so Scherrer.

Circ unterstütze Regulierungen, die die Qualität und Sicherheit verbessern würden, wie beispielsweise die Anpassung von Höchstgeschwindigkeiten und separate Fahrradstreifen. Wollten Städte aber die Stauprobleme und Luftverschmutzung konsequent anpacken, brauche es einfach zu nutzende Mobilitätsalternativen zum Auto.

*Name der Redaktion bekannt.

Helmpflicht und hohe Bussen

Tel Aviv gilt eine Helmpflicht, und man darf sie erst ab 18 benutzen. Fahren zu zweit und auf dem Trottoir ist verboten und wird konsequent gebüsst.

Paris immer mehr Unfälle mit E-Trottis gab und viele Bürger sich über die kreuz und quer parkierten Gefährte in der Stadt aufregten, griffen die Behörden durch: Fahren auf Trottoirs wird rigoros mit 135 Euro gebüsst. Weiter soll die Anzahl E-Scooter in der Stadt künftig auf 15'000 begrenzt werden, die Gefährte sollen maximal 20 km/h fahren und nur noch auf offiziellen Parkfeldern parkiert werden dürfen.

Schweiz gibt es eine Altersbeschränkung. E-Trottis sind erst ab 16 Jahren erlaubt, ausser man besitzt einen Töffli-Führerausweis. Dann darf man bereits ab 14 Jahren fahren. Kontrollen durch die Stadtpolizei Zürich finden laut Mediensprecher Marc Surber regelmässig statt. Man mache aber nicht speziell Jagd auf E-Trotti-Fahrer.

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