Aktualisiert 28.06.2020 05:11

Experten sind beunruhigt

Kommt jetzt die zweite Welle?

Zum sechsten Mal in Folge sind die Corona-Infektionen gestiegen. Experten sind beunruhigt – auch wegen der steigenden Reproduktionswerte.

von
Reto Heimann
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Das Corona-Virus breitet sich wieder aus in der Schweiz.

Das Corona-Virus breitet sich wieder aus in der Schweiz.

KEYSTONE
Seit Montag sind die Fallzahlen stetig gestiegen.

Seit Montag sind die Fallzahlen stetig gestiegen.

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Experten beobachten mit Beunruhigung: Die Bevölkerung sei momentan zu sorglos.

Experten beobachten mit Beunruhigung: Die Bevölkerung sei momentan zu sorglos.

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Darum gehts

  • Die Corona-Fälle in der Schweiz nehmen wieder kontinuierlich zu.
  • Experten fürchten eine zweite Welle.
  • Der Reproduktionswert deutet in die Richtung, dass das Virus sich wieder ausbreitet.

Das Bundesamt für Gesundheit hat am Samstag 69 neue Corona-Fälle gemeldet. Das sind insgesamt mehr als noch am Freitag. In den letzten sechs Tagen sind die Fallzahlen kontinuierlich angestiegen. Zum Vergleich: Am Montag wurden nur 18 Fälle gemeldet.

Zudem wurde am Samstagabend bekannt, dass es in einem Nachtclub in der Stadt Zürich zu einem «Super-Spreader»-Event gekommen ist: Ein Mann, der vor einer knappen Woche an einer Party war, hatte sich mit dem Virus angesteckt. Nun sind 300 Personen in Quarantäne.

Experten beunruhigt

Das beunruhigt Experten und Expertinnen. «Mir macht die momentane Entwicklung Sorgen, weniger wegen der Lockerungen oder der absoluten Zahlen, sondern vor allem wegen der Sorglosigkeit», sagt Manuel Battegay, Chefarzt am Unispital Basel und Mitglied Task Force des Bundes gegenüber den Zeitungen von Tamedia.

Beunruhigend sei auch, dass die Zahl der Personen, die mit Corona-Infektionen hospitalisiert werden müssen, wieder zunehmen. Experten der Taskforce warnten schon vor einer Woche, die Lockerungen kämen zu schnell.

Nicht ganz so alarmiert scheinen derweil einzelne Kantone zu sein, die noch keine Schutzkonzepte für eine zweite Welle vorweisen können. So teilte etwa die Bündner Kantonsärztin Marina Jamnicki auf Anfrage von «Blick» mit, die Massnahmeplanung für eine zweite Welle müsse frühestens bis Ende August fertig sein. Auch im Corona-Epizentrum der Schweiz, dem Kanton Tessin, arbeitet man «erst in den kommenden Wochen an entsprechenden Dossiers». Andere Kantone meldeten, sie würden die Situation laufend beobachten und allenfalls Anpassungen vornehmen, wie es im Bericht weiter heisst.

So viele Tests wie im April

Mit dem Anstieg der bestätigten Fälle hat in den letzten zwei Wochen aber auch die Zahl der durchgeführten Tests stark zugenommen. So wurden vergangene Woche von Montag bis Sonntag nach Angaben des BAG über 48'000 Tests durchgeführt, das sind 13'000 mehr als eine Woche zuvor.

In dieser Woche meldete das BAG in seinen täglichen Lageberichten bis am Freitag bereits 35'000 Tests. Damit bewegt sich die Testzahl auf dem Niveau von Anfang April. Die Gesamtzahl der bisher durchgeführten Tests beläuft sich bisher auf 545'177. Bei 6,9 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. Die Gründe für die Zunahme in den letzten beiden Wochen erklärt das BAG unter anderem mit der Lockerung der Testkriterien.

«Die Epidemie breitet sich aus»

Auch der Reproduktionswert beunruhigt die Experten. Er liegt mit 1,28 deutlich über dem Wert von 1, der eigentlich angestrebt werden müsste. Der Reproduktionswert gibt an, wie viele Personen ein Neuinfizierter seinerseits ansteckt.

Das sei ein Alarmzeichen, so Matthias Egger von der Corona-Taskforce gegenüber SRF: «Die Epidemie breitet sich weiter aus und bleibt nicht stabil.» Die jetzigen hohen Fallzahlen führt Egger auf die Lockerungen zurück – die Öffnung der Grenzen zum Beispiel.

(SDA)

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662 Kommentare
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RetoC

28.06.2020, 23:15

Bei so ungenauen Tests würde ich noch viel mehr Tests empfehlen. Wie war das in einem deutschen Altersheim: Beim ersten Test waren 67 infiziert. Beim zweiten Test 2 und beim letzten 54. Seien wir froh, dass man in der Technik nicht so arbeitet, dann hätten wir bei allen AKWs schon lange einen SuperGAU gehabt.

N.R.

28.06.2020, 22:38

Man spricht immer von einer zweiten Welle, aber wo blieb die erste?? Arbeite im Spital und da gab es nie eine....

Armin

28.06.2020, 20:57

Es ist schrecklich, wie egoistisch die Menschen sind. Für ein paar Stunde Party, nehmen die in Kauf, dass sie viele Anstecken könnten. Nun wird von allen Seiten gedroht, dass, wenn es so weiter gehe, dann müsse geschlossen werden. Drohungen nützen nichts - man muss solche Leute vor Tatsachen stellen. Bitte Frau Ricklin, nehmen Sie keine falsche Rücksicht.