Coronavirus – Kommt nach Booster-Shot schon bald die Omikron-Impfung?
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CoronavirusKommt nach Booster-Shot schon bald die Omikron-Impfung?

Noch ist nicht klar, wie zuverlässig die bestehende Covid-19-Impfung gegen die neue Virusvariante schützt. Expertinnen und Experten erwarten aber, dass in den nächsten Monaten eine neue Auffrischungsimpfung erforderlich wird.

von
Daniel Krähenbühl
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Folgt nur wenige Monate nach der Drittimpfung ein neuer Booster-Shot? 

Folgt nur wenige Monate nach der Drittimpfung ein neuer Booster-Shot?

Tamedia AG
Möglich wäre es, denn die Omikron-Variante breitet sich in Europa rasant aus. 

Möglich wäre es, denn die Omikron-Variante breitet sich in Europa rasant aus.

20min/Marco Zangger
Laut dem obersten Kantonsarzt Rudolf Hauri sind die Behörden «alarmiert»: «Die neue Variante hat derart viele und starke Mutationen, dass die Antikörper von Geimpften und Genesenen wohl nicht zuverlässig binden können.»

Laut dem obersten Kantonsarzt Rudolf Hauri sind die Behörden «alarmiert»: «Die neue Variante hat derart viele und starke Mutationen, dass die Antikörper von Geimpften und Genesenen wohl nicht zuverlässig binden können.»

Tamedia AG

Darum gehts

  • Die Impfstoffhersteller entwickeln wegen der Omikron-Variante eine auf die Mutation angepasste Auffrischungsimpfung.

  • Dies, obwohl noch nicht bekannt ist, inwieweit Omikron den Impfschutz umgehen kann und wie gefährlich die Variante ist.

  • Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass Geimpfte und Genesene zumindest eine Teilimmunität geniessen.

  • Soziologin Katja Rost macht derweil auf die Pandemie-Müdigkeit in der Bevölkerung aufmerksam.

Die Omikron-Variante breitet sich in Europa rasant aus: Bereits in Belgien, England, Italien und Deutschland sind Fälle bekannt. Expertinnen und Experten rechnen damit, dass die neue Covid-19-Variante schon bald in der Schweiz zirkuliert. Laut dem obersten Kantonsarzt Rudolf Hauri sind die Behörden «alarmiert», wie die «NZZ am Sonntag» schreibt: «Die neue Variante hat derart viele und starke Mutationen, dass die Antikörper von Geimpften und Genesenen wohl nicht zuverlässig binden können.»

Manfred Kopf, Taskforce-Mitglied und Professor für Molekulare Biomedizin an der ETH Zürich, warnt ebenfalls: «Wenn wir Pech haben, ist der Schutz vor einer Ansteckung bei vollständig Geimpften oder Genesenen bei der Omikron-Variante geringer als bei der Delta-Variante.» Zeit also für den Omikron-Booster?

Wegen Mutationen: Vierte Corona-Impfung fällig

Sollte die Wirksamkeit von Impfungen und Therapien mit monoklonalen Antikörpern durch Omikron beeinträchtigt werden, brauche es wohl bald eine vierte Corona-Impfung, bestätigt der Tessiner Infektiologe Christian Garzoni. «Dank der schnellen Anpassungsmöglichkeit der neuen mRNA-Impfstoffe könnten wir dann zügig auf die neue Variante reagieren.»

Mit einer zunehmenden Impfmüdigkeit rechnet Garzoni nicht – obwohl zahlreiche Geimpfte in den kommenden Wochen bereits die dritte Covid-19-Impfung innert eines Jahres erhalten werden. «Es liegt in der Natur der Sache, dass Viren mutieren und man den Impfstoff anpassen muss.» Nur so liesse sich ein wirksamer Schutz erzielen. «Das gleiche Prinzip gilt auch bei der Influenza: Für die Immunisierung gegen die Grippe wird auch eine regelmässige Auffrischungsimpfung benötigt.»

Jährliche Impfung gegen SARS-CoV-2 denkbar

Es sei denkbar, dass in Zukunft – analog der Grippeimpfung – jedes Jahr eine Impfung gegen SARS-CoV-2 empfohlen wird, die aber vor allem für immungeschwächte und ältere Menschen wichtig ist, sagt die Epidemiologin Emma Hodcroft von der Universität Bern. Mit jeder Exposition oder Impfung steige die Chance, dass sich die Immunität verbessert, dass sie umfassender werde und länger anhalte. «Viele Impfstoffe, die wir in der Kindheit erhalten, werden in drei oder vier Dosen verabreicht, manchmal im Abstand von einigen Jahren – und dann nie wieder.» Es sei denkbar, dass für SARS-CoV-2 ein ähnlicher Abstand gefunden werden müsse.

Kurzfristig – solange das Virus noch grössere Veränderungen aufweist und wenig über die Immunität in der Bevölkerung bekannt ist – könnte eine weitere Booster-Impfung erforderlich sein, so Hodcroft. Vor allfälligen Diskussionen über eine vierte Impfung gelte es jedoch herauszufinden, wie gut die derzeitigen Impfstoffe vor der neuen Variante schützen – und wie gefährlich diese tatsächlich sei. «Auch wenn wir in den nächsten Wochen weitere Labordaten auswerten, dürfen wir nicht vergessen, dass die menschliche Immunität viel komplexer ist als wir sie in einem Labor modellieren können.»

Sie halte es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass der jetzige Impfstoff gegen Omikron keine Wirkung zeige, sagt Hodcroft. «Die Frage ist eher, ob der Schutz weniger oder stärker abnimmt.» Die Impfstoffhersteller haben derweil bereits vergangene Woche reagiert: Moderna kündigte an, einen Omikron-Booster entwickeln zu wollen. Und auch Biontech forscht bereits an einem angepassten Vakzin. Innert 100 Tagen könnte ein Impfstoff-Update gegen die Omikron-Variante fertig sein, so Biontech.

«Die Pandemie-Müdigkeit in der Bevölkerung ist extrem gross»

Katja Rost ist Professorin für Soziologie an der Universität Zürich.

Katja Rost ist Professorin für Soziologie an der Universität Zürich.

John Flury/UZH

Zuerst die Erst- und Zweitimpfung, dann der Booster – und vielleicht bald die Viertimpfung: Kommt das in der Bevölkerung gut an?

Sicher nicht bei allen. Auch einige Geimpfte werden sich – obwohl nur das Virus die Schuld trägt – vor den Kopf gestossen fühlen. Vor allem diejenigen, die sich erst nach einer persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnung impfen liessen und davon ausgingen, dass der Spuk der Pandemie nach der zweiten Impfung vorbei ist. Diese Leute sind weniger intrinsisch motiviert. Ist eine neue Corona-Variante nicht extrem gefährlich, wird sich diese Gruppe ohne starken Druck der Gesellschaft oder Politik nicht boostern lassen.

Es gibt aber auch diejenigen, die die Auffrischungsimpfung kaum erwarten können.

Bei einigen ist die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, sehr hoch. Sei das aus Solidaritätsgründen oder weil sie sich oder andere möglichst gut schützen wollen. Diese Gruppe, die bereits früh hohe Kosten auf sich genommen hat, um sich impfen zu lassen, wird das auch weiterhin tun. Allgemein kann man aber sagen, dass die Pandemie- und Impfmüdigkeit in der Bevölkerung extrem gross ist.

Wie kommt das?

Es ist einfach kein Ende in Sicht, stets wieder neue Varianten und Ausbrüche befeuern die Pandemie immer weiter. Und es betrifft alle in der Bevölkerung, auch diejenigen, die für strengere Massnahmen plädieren oder sogar auf einen Shutdown pochen. Denn die ständige Unsicherheit, wie es weitergeht, die soziale Isolation und viele mit Corona verbundenen Ängste fordern ihren Tribut.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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