Aktualisiert 01.06.2011 06:17

SC Bern

Kommt Wick für Kevin Lötscher?

SCB-Sportchef Sven Leuenbergers heikelste Mission: Wie verarbeitet er beruflich die Tragödie um Kevin Lötscher?

von
Klaus Zaugg
AHL-Spieler Roman Wick stand lange für die Kloten Flyers auf dem Eis - liegt seine Zukunft beim SC Bern?

AHL-Spieler Roman Wick stand lange für die Kloten Flyers auf dem Eis - liegt seine Zukunft beim SC Bern?

Leuenberger weiss nicht, ob Kevin Lötscher (23), sein wichtigster Transfer, nächste Saison für den SCB spielen kann. Eigentlich ist diese Frage unerheblich. Es geht erst einmal darum, dass Lötscher wieder ganz gesund wird. Der Nationalstürmer ist von einer betrunkenen Automobilistin angefahren worden und liegt im Inselspital (20 Minuten Online berichtete).

«Aber das Sportgeschäft ist ungeduldig» sagt Leuenberger. Es ist keine Klage. Es ist eine Feststellung. Diese Ungeduld provoziert ganz professionelle Fragen: Holt der SCB einen Ersatz für Lötscher? Der SCB-Sportchef kann sich diesen Gesetzmässigkeiten der Branche nicht verschliessen. Obwohl es Leuenberger widerstrebt, so ist er dazu verurteilt, die sportliche Situation unter dem Gesichtspunkt zu untersuchen: Was tun wir, wenn Kevin Lötscher nicht spielen kann?

In rund drei Monaten beginnt am 9. September die neue Saison mit dem Spiel auswärts gegen die Lakers. The show must go on.

Dritter ausländischer Stürmer

Es gibt zwei Szenarien. Ein dritter ausländischer Stürmer neben Byron Ritchie (Ka, 34) und Jean-Pierre Vigier (Ka, 34). Das geht aber nur, wenn einer der beiden ausländischen Verteidiger aus dem laufenden Vertrag wegtransferiert ist. Travis Roche (Ka, 32) ist gesetzt. Gehen muss Joel Kwiatkowski (Ka, 34). «Es stimmt, wir verhandeln mit dem SC Bern über einen Transfer» bestätigt Fribourgs neuer Trainer Hans Kossmann, letzte Saison noch Assistent von SCB-Cheftrainer Larry Huras gegenüber 20 Minuten Online. «Kwiatkowski hatte letzte Saison grosse Schwierigkeiten mit der Anpassung an unser Hockey. Aber nach Weihnachten war er der beste SCB-Verteidiger.»

Leuenberger bestätigt diese Gespräche. «Ich dementiere und bestätigte keine Gerüchte. Aber wir können davon ausgehen, dass Andreas Hänni und Dominic Meier beim Saisonstart wieder gesund sein werden. Also können wir auf einen ausländischen Verteidiger verzichten.»

Roman Wick als Alternative

Es gibt noch ein zweites Szenario: Die Verpflichtung von Roman Wick (25). Der Nationalstürmer steht zurzeit mit dem Farmteam von Ottawa als erster Schweizer im AHL-Finale. Sein Vertrag läuft aus. Eine Rückkehr in die Schweiz ist nicht ausgeschlossen. Zwar hat er keine vertraglichen Verpflichtungen in der Schweiz. «Aber wir haben mit ihm ein Gentlemen-Agreement» sagt Klotens Präsident Jürg Bircher. «Wenn er nicht ein weiteres Jahr in Nordamerika bleibt, dann kehrt er zu uns zurück.»

Aber die Frage ist noch nicht geklärt, ob die Kloten Flyers die Mittel haben, um nächste Saison Wick zu finanzieren. Er wird unter 400 000 Franken netto kaum zu haben sein. Birrer sagt, das sei geregelt: „Wenn Wick zurückkehrt, werden wir nur mit drei Ausländern spielen."

Da dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein: Bircher hatte früher schon angekündigt, nur mit drei Ausländer anzutreten um Geld zu sparen. Kommt für den vierten Ausländer Wick, gibt es keinen Spareffekt. Die Flyers werden trotz einer Saison mit Rekordeinnahmen das Defizit wohl nur durch ausserordentliche Zuwendungen des Verwaltungsrates auf unter eine Million drücken können. Kann sich Kloten Wick unter diesen Voraussetzungen tatsächlich leisten?

Der SC Bern ist an Wick interessiert. Das bestätigt Leuenberger indirekt, wenn er sagt: «Ein Sportchef, der sich nicht um Wicks Zukunftspläne erkundigt, macht seinen Job nicht.» Wick hat starke emotionale Bindungen an die Kloten Flyers. Doch auch im Falle des Sohnes von Nationalverteidiger Marcel Wick gilt: Am Ende des Tages wiegen sechsstellige Summen stärker als emotionale Bindungen. Sollte Roman Wick in die Schweiz zurückkehren, wird der SC Bern so oder auch ein Thema sein.

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