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World Economic ForumKommt es am WEF zum Friedensgipfel mit Iran?

«Wenn nicht in Davos, wo dann?»: Aussenpolitiker hoffen, dass ein Treffen zwischen der USA und dem Iran am WEF weitere Entspannung bringt.

von
P. Michel
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Sticht ins Auge: Die Maschine der US Air Force in Zürich.

Sticht ins Auge: Die Maschine der US Air Force in Zürich.

Joel Glanzmann
Ein Leser-Reporter sichtete am Samstag ein US-Militär-Transportflugzeug am Flughafen Zürich in Kloten.

Ein Leser-Reporter sichtete am Samstag ein US-Militär-Transportflugzeug am Flughafen Zürich in Kloten.

Leser-Reporter/Muhammet Durmus
«Auf ihr war eine riesige US-Flagge zu sehen», so der Leser-Reporter.

«Auf ihr war eine riesige US-Flagge zu sehen», so der Leser-Reporter.

Leser-Reporter/Muhammet Durmus

Am World Economic Forum (WEF) Ende Januar in Davos treffen zwei Erzfeinde aufeinander, deren Konflikt derzeit die Ängste vor einem Krieg schürt: der Iran und die USA. Der iranische Aussenminister Mohammed Javad Sarif hatte bereits seine Teilnahme am Forum bestätigt, US-Präsident Trump erklärte am Donnerstag sein Kommen.

Das Aufeinandertreffen zwischen Trump und Sarif wirft die Frage auf, inwiefern das WEF zur weiteren Deeskalation des Konflikts, der mit der Tötung des iranischen Generals Soleimani und der Vergeltung Irans einen Höhepunkt erreicht hatte, beitragen kann. Am Mittwoch zeichnete sich bereits eine Entspannung ab, als Donald Trump erklärte: «Wir sind bereit zum Frieden.» Jedoch sorgte am Donnerstagabend die Anschuldigung der USA, der Iran habe ein ukrainisches Flugzeug irrtümlicherweise abgeschossen, wieder für Aufsehen.

Hoffen auf einen Dialog

SP-Nationalrat Carlo Sommaruga ist Präsident der parlamentarischen Gruppe Naher Osten. Er ist kein Fan des WEF und von Donald Trump, sagt aber: «Ich hoffe, dass in Davos ein Dialog zwischen dem Iran und den USA stattfindet, der die aktuellen Spannungen glättet.»

Am WEF gebe es die Möglichkeit, sich ungezwungen und vertraulich auszutauschen, so Sommaruga. «Das ist wichtig in einer Krise, in der jeder das Gesicht wahren will.» Zudem könnten auch Gespräche zwischen weiteren Akteuren aus der Region – Saudiarabien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate – am WEF dazu beitragen, die derzeit brenzlige Situation im Nahen Osten zu entspannen.

Trump im Wahlkampf

«Es geht Trump mit seinem Besuch am WEF aber auch um Wahlkampf. Das darf man nicht vergessen», sagt Sommaruga. Trump wolle sich als Retter der Welt und starken Mann darstellen. Mit einem grossen Friedensgipfel sei nicht zu rechnen, glaubt Sommaruga.

«Ich hoffe aber dennoch, dass der Geist des Dialogs und des Friedens auch in Davos herrscht und Trump und den Iran zu einem Dialog für Frieden inspiriert.» Er hofft, dass sich auch die Bundesräte, die am WEF anwesend sind, für den Dialog zwischen den beiden Ländern einsetzen. Er gibt aber auch zu bedenken, dass eine Partei die Teilnahme absagen könnte oder man einander aus dem Weg geht.

«Die wunderbare Bergwelt und die spezielle Atmosphäre von Davos können dazu beitragen, die beiden Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen», hofft auch FDP-Nationalrätin und Aussenpolitikerin Christa Markwalder. Es gelte, die Chance der hochkarätigen Delegationen aus den USA und dem Iran zu nutzen, sofern beide Seiten dazu bereit seien.

Davos als idealer Treffpunkt

«Wo, wenn nicht in Davos?», fragt Markwalder. Denn nirgends sonst sei ein bilaterales Treffen zwischen den beiden Parteien besser denkbar. Sie hofft, dass Trump seine Zurückhaltung, die er am Donnerstag auch in einer Ansprache deutlich machte, ans WEF mitbringt und eine Deeskalation möglich wird.

Dazu könne auch die offizielle Schweiz beitragen, sagt Markwalder. Sie rechnet damit, dass die Mehrheit des Bundesrats am WEF teilnehmen wird. «Die Schweiz hat dank des Schutzmachtmandats eine besondere Rolle.»

Treffen würde erst im Nachhinein bekannt

«Trump und Sarif laufen sich in Davos nicht zufällig über den Weg», erklärt Philippe Welti, ehemaliger Schweizer Botschafter im Iran. Nur wenn beide Parteien indirekt signalisierten, dass sie zu einem Treffen bereit seien, komme es zu einer Begegnung am WEF. «Ansonsten planen die Stäbe so, dass sich die beiden nicht begegnen.» Wenn es aber zu einem Treffen komme, werde dies streng vertraulich und abgeschottet stattfinden. «Wir werden es auch erst im Nachhinein erfahren.»

Dies wäre laut Welti dann ein bedeutender Prestigegewinn für die Veranstalter des WEF: «Es würde zeigen, dass Davos ein geeigneter Ort ist, um verfeindete Parteien an einen Tisch zu bringen.»

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