US-Präsidentschaftswahlen: Kommts bei einem Hillary-Sieg zum Bürgerkrieg?
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US-PräsidentschaftswahlenKommts bei einem Hillary-Sieg zum Bürgerkrieg?

Donald Trump lässt offen, ob er einen Sieg seiner Rivalin akzeptieren wird. Damit spricht er fanatischen Anhängern aus dem Herzen, die von einer Revolution träumen.

von
gux
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Donald Trump polarisiert das Land.

Donald Trump polarisiert das Land.

AFP/Saul Loeb
Doch was - und das ist wahrscheinlich -, wenn er die Wahl am 8. November verliert und ...

Doch was - und das ist wahrscheinlich -, wenn er die Wahl am 8. November verliert und ...

/Drew Angerer
... seine demokratische Rivalin Hillary Clinton gewinnt?

... seine demokratische Rivalin Hillary Clinton gewinnt?

/joe Raedle

Donald Trump sägt am sozialen Frieden im Land, und seine Anhänger bejubeln das als legitimen, nötigen und heldenhaften Versuch, das Washingtoner Establishment zu stürzen und das Land «wieder grossartig zu machen». Die vergiftete Stimmung lässt Befürchtungen aufkommen, dass Trump-Wähler gegen einen Sieg Hillary Clintons am 8. November gewaltsam protestieren könnten. «Wenn sie gewählt wird, hoffe ich, dass wir einen Coup lancieren können. Sie sollte inhaftiert oder erschossen werden», sagte etwa ein Trump-Wähler dem «Boston Globe». Und: «Wir werden eine Revolution starten und sie des Amtes entheben, falls das nötig ist. Es wird viel Blutvergiessen geben. Aber falls es das ist, was es braucht: Ich tue alles für mein Land.»

Auf die Frage, was bei einem Clinton-Sieg passieren werde, antwortet ein Wahlkampfhelfer in Florida: «Ich glaube, wir stehen am Rande eines Bürgerkrieges, eines Rassenkrieges. Das könnte der Funke sein, der alles zum Explodieren bringt.»

«Lügende Schlampe», gedankenkontrollierende Medien

So denken viele der 42 Prozent – mehrheitlich weissen – Trump-Wähler. An Wahlveranstaltungen sprechen einige im Fall eines Clinton-Sieges von «Bürgerkrieg», von «Revolution», von sich abspaltenden Bundesstaaten. Bei einem Sieg «dieser lügenden Schlampe» («lying bitch») seien die USA «kein Land mehr», so eine Trump-Anhängerin in New Hampshire. «Diese Bewegung wird nicht einfach verschwinden. Wir hatten keine Stimme mehr, aber Donald Trump gibt sie uns.»

Für die Trump-Anhänger steht fest, dass ihr Kandidat am 8. November gewinnen wird – entgegen allen Prognosen und Umfragen, denn: «Ich glaube nicht an die Umfragen. Die liberalen Medien kontrollieren die Gedanken von allen», spricht Trump-Fan Linda Hernandez die Worte des republikanischen Kandidaten nach.

Sieg Clintons ist «Beweis» für Wahlmanipulation

Seit Wochen behauptet Trump, die Wahl werde unter Beteiligung des Clinton-Lagers und der Medien manipuliert, obgleich es dafür weder Beweise noch Indizien gibt (siehe Box). Mittlerweile sind viele seiner Wähler überzeugt: Ein Sieg Clintons wäre der Beweis dafür, dass es bei den Wahlen nicht mit rechten Dingen zugeht.

Mit seiner Aussage in der dritten und letzten TV-Debatte, er lasse offen, ob er das Wahlergebnis vom 8. November anerkennen werde, stellte Trump schliesslich elementare Funktionsweisen der US-Demokratie in Frage – und das national, nicht an einer seiner Wahlkampfveranstaltungen.

Was seinen Hardcore-Fans wie Öl runterging, kam nicht nur vielen Trump-Kritikern parteiübergreifend hoch: Kommentatoren und Politiker urteilten, diese Aussage sei beispiellos in bisherigen Wahlkämpfen und untergrabe Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, für die die USA stünden.

«Es gibt genügend Verrückte da draussen»

«Trumps Aussage, er werde den Wahlausgang möglicherweise nicht akzeptieren, birgt potentiell grosse Gefahren», sagte der Politologe Dan Cassino zu «Politico». Bereits beim Wahlsieg Obamas 2012 habe Trump zu einer Revolution aufgerufen und dazu aufgefordert, auf die Strasse zu gehen. «Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn es jetzt um seine Wahl geht.»

Dass sich das Unbehagen seit gestern Abend zur Angst vor gewaltsamen Protesten im Land ausgewachsen hat, zeigen auch folgende Aussagen: «Wenn Donald Trump sagt, dass die Wahlen manipuliert seien, und die Menschen darauf mit Gewalt reagieren, muss er dafür einen Teil der Verantwortung übernehmen», so der demokratische Kongressabgeordnete Brendan Boyle. Und der Milliardär und Trump-Kritiker Mark Cuban glaubt zwar nicht, dass es nach dem 8. November zu Gewalt im Land kommt, aber «man soll nie nie sagen, denn es gibt genug Verrückte da draussen».

Ein Gedanke, den auch eine Kommentatorin von Vox.com aufnimmt: «Es gibt Millionen von Trump-Wählern. Viele von ihnen sind ihm fanatisch ergeben. Viele glauben, dass er einen Erdrutschsieg davontragen wird, weil es das ist, was er ihnen erzählt», schreibt sie.

«Viele glauben – was Trump auch während der Debatte sagte –, dass Hillary Clinton von Gesetzes wegen nicht Präsidentin werden dürfe, weil sie ein Verbrechen begangen habe. Viele glauben, dass Clinton und ihre Kampagne mit Nicht-Weissen zusammenarbeiten, um die Wahl zu manipulieren. Aber um massive Gewalt und Instabilität zu verursachen, braucht es nur wenige Leute.»

DIE BEHAUPTUNG: Donald Trump sagte in der letzten TV-Debatte mit Hillary Clinton: «Wenn Sie sich Ihre Wählerverzeichnisse ansehen, werden Sie bemerken, dass Millionen von Menschen, die für die Wahl registriert sind, Millionen - das kommt nicht von mir, das kommt vom Pew-Bericht und anderen Stellen - Millionen von Leute, die für die Wahl registriert sind, die nicht registriert sein sollten.»

DIE FAKTEN: Dies behauptet Trump wohl, um seinen Vorwurf einer «manipulierten» Präsidentschaftswahl zu untermauern. Einen Beweis für seine These liefert er nicht. Zwar kam ein Bericht der Nichtregierungsorganisation Pew Charitable Trusts 2012 zum Ergebnis, dass 24 Millionen Wählerregistrierungen entweder nicht länger gültig oder in irgendeiner Form fehlerhaft waren. Es handelte sich zum Teil um Versäumnisse, die Namen von Verstorbenen oder Umgezogenen zu tilgen. Schuld waren veraltete Registrierungssysteme in bestimmten Staaten. Doch von Belegen für aktiven Wahlbetrug ist in dem Report nicht die Rede. (AP)

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