Aktualisiert 05.07.2012 09:52

Technische HilfsmittelKommts heute zur Fussball-Revolution?

Heute Nachmittag wird am Fifa-Hauptsitz in Zürich über die Tortechnologie entschieden. Eine Einführung scheint unausweichlich zu sein.

von
Herbie Egli

Devics nicht gegebenes Tor gegen England. (Video: YouTube/<a href="http://www.youtube.com/watch?v=I2WoP8Atb4g">adrtechnology</a>)

Die Szene aus der 62. Minute des EM-Spiels England gegen die Ukraine ist noch allen präsent. Marko Devic schiesst, der Ball fliegt über den englischen Torhüter Joe Hart ins Gehäuse. Englands Verteidiger John Terry klärt den Ball hinter der Linie. Schiedsrichter Viktor Kassai sieht die Aktion nicht richtig und entscheidet auf kein Tor. Auch sein Assistent Istvan Vad, der als Torrichter nur drei Meter neben dem Gehäuse steht, gibt den Treffer nicht.

Die Diskussionen um die Tortechnologie ist spätestens seit dieser Aktion wieder voll entbrannt. Fifa-Boss Sepp Blatter, lange ein Gegner technischer Hilfsmittel im Fussball, meldet sich nach dem grössten EM-Lapsus eines Schiedsrichterassistenten per Twitter. «Die Tortechnologie ist keine Alternative mehr, sondern eine Notwendigkeit.» Damit liegt er mit seinem Amtskollegen des europäischen Fussballverbandes Uefa im Clinch. Michel Platini, der ab 2015 eigentlich als Blatters Nachfolger gilt, ist weiterhin ein Verfechter der Tortechnologie. «Ich bin gegen Technik im Fussball.»

Sechs von acht Stimmen sind nötig

Am Donnerstagnachmittag kommt Klarheit in die Tortechnologie. Die Mitglieder des International Football Association Bord IFAB entscheiden am Fifa-Hauptsitz in Zürich über zukünftige Technik im Fussball. Sechs der acht Stimmen sind für eine Einführung nötig. Die Fifa hat vier Stimmen, die Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland stellen traditionell die weiteren Mitglieder. Einmal im Jahr treffen sich diese acht Herren, um über Regeländerungen zu beraten. Die Einführung der Tortechnologie wäre eine Revolution.

Entscheiden müssen die Herren zwischen den beiden Systemen HawkEye und GoalRef. Diese wurden ausgiebig getestet. Das HawkEye, bekannt aus dem Tennissport, basiert auf bis zu sieben Kameras auf dem Stadiondach und hinter jedem Tor. Das System GoalRef (Chip im Ball) ist am ehesten mit einer Diebstahlsicherung in Einkaufszentren zu vergleichen. Im runden Leder gibt es drei Antennen, im Torgestänge und im Rasen auf der Torlinie zehn. Die Aufgabe ist für beide Systeme die gleiche. Sie müssen innert einer Sekunde merken, ob der Ball hinter der Linie war oder nicht.

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