Polen: Komorowski als Staatspräsident vereidigt
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PolenKomorowski als Staatspräsident vereidigt

Mit einem Bekenntnis zu Europa und der Hoffnung auf Aussöhnung mit Russland hat der neue polnische Präsident Bronislaw Komorowski sein Amt angetreten.

Bronislaw Komorowski ist am Freitag als neues polnisches Staatsoberhaupt vereidigt worden. Zu Beginn der Zeremonie vor beiden Häusern des Parlaments gedachten die Anwesenden in einer Schweigeminute der Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk. Bei diesem Unglück kam vor knapp vier Monaten unter anderen Komorowskis Vorgänger Lech Kaczynski ums Leben. Dessen Zwillingsbruder Jaroslaw fehlte bei der Vereidigungsfeier.

Über die Gründe für sein Fernbleiben hüllte sich Jaroslaw Kaczynski in Schweigen. Sein Verhalten wirft allerdings ein Schlaglicht auf die tiefsitzende Verbitterung, die nach wie vor die politische Landschaft in Polen prägt. Der nationalkonservative Kaczynski war Komorowski am 4. Juli in der Stichwahl um das Präsidentenamt unterlegen. Komorowski gehört ebenso wie Ministerpräsident Donald Tusk der pro-europäischen Bürgerplattform an. Zuletzt war er Parlamentspräsident und führte als solcher nach dem Tod Lech Kaczynskis bereits kommissarisch die Staatsgeschäfte.

In seiner Antrittsrede sagte der 58-jährige Komorowski, er werde sich für eine Modernisierung Polens, eine Förderung der Forschung und eine Verbesserung des Gesundheitswesens einsetzen. Ziel seiner ersten Auslandsreisen als Staatspräsident seien Brüssel, Paris und Berlin, kündigte der europafreundliche Politiker an.

Aussöhnung mit Russland

Zugleich versprach er, die Annäherung an Russland weiter voranzutreiben. «In unserer Region wird es ohne die Zusammenarbeit mit Russland keine stabile Entwicklung geben», sagte er.

Mit Blick auf den tragischen Tod seines Vorgängers sagte Komorowski, die noch junge Demokratie Polens habe sich als belastbar erwiesen. Verfassung und Gesellschaft hätten gezeigt, dass sie eine solche Situation bewältigen könnten.

Das Flugzeugunglück von Smolensk kostete am 10. April insgesamt 96 Menschen das Leben. Neben Lech Kaczynski und zahlreichen weiteren Würdenträgern des Staates wurden mehrere Abgeordnete getötet, deren leere Sitze bei der Zeremonie am Freitag mit Blumen geschmückt waren. (dapd)

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