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ÖsterreichKomplettes Rauchverbot in Beizen ist abgeblasen

Blauer Dunst in Wiener Kneipen: Das für 2018 geplante absolute Rauchverbot in Österreichs Gaststätten soll doch nicht umgesetzt werden.

von
mlr
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Ab Mai hätte ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie gegolten: Eine Zigarette in einem Aschenbecher in einem Wiener Kaffeehaus.

Ab Mai hätte ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie gegolten: Eine Zigarette in einem Aschenbecher in einem Wiener Kaffeehaus.

Keystone/Helmut Fohringer
Eine Frau raucht in Wien eine Zigarette vor einem Café. Dass drinnen geraucht werden darf, sollte in Österreich eigentlich ab 2018 komplett verboten werden.

Eine Frau raucht in Wien eine Zigarette vor einem Café. Dass drinnen geraucht werden darf, sollte in Österreich eigentlich ab 2018 komplett verboten werden.

Keystone/Helmut Fohringer
Doch das komplette Rauchverbot in österreichischen Beizen, das auch keine abgetrennten Raucherräume mehr dulden sollte, kommt nicht zustande.

Doch das komplette Rauchverbot in österreichischen Beizen, das auch keine abgetrennten Raucherräume mehr dulden sollte, kommt nicht zustande.

Keystone/Helmut Fohringer

In Österreichs Gaststätten wird es doch kein komplettes Rauchverbot geben. Die rechtspopulistische FPÖ setzte sich am Montag bei den Koalitionsverhandlungen gegen die konservative ÖVP durch und erreichte eine Abkehr von dem bereits beschlossenen Tabakverbot.

Somit darf in Kneipen und Restaurants weiterhin in abgetrennten Räumen gequalmt werden. Auch in Gaststätten mit einer Grösse von weniger als 50 Quadratmetern bleibt das Rauchen erlaubt.

Raucher Strache ist «stolz»

Er sei «stolz auf diese hervorragende Lösung im Interesse der Nichtraucher, der Raucher und der Gastronomen», erklärte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der selbst Raucher ist. Tausende gefährdete Arbeitsplätze würden nun bestehen bleiben. Die noch amtierende Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner von der sozialdemokratischen SPÖ sprach dagegen von einem «enormen gesundheitspolitischen Rückschritt».

Das Tabakverbot war eines der strittigsten Themen in den von ÖVP-Chef und Nichtraucher Sebastian Kurz geleiteten Koalitionsverhandlungen. Nachdem bereits die meisten Verhandlungskapitel abgeschlossen waren, beharrte FPÖ-Chef Strache noch auf einer Abkehr von den bereits verabschiedeten neuen Tabakgesetzen.

Kritik aus der ÖVP

Kurz hatte lange gezögert, das 2015 von seiner Partei mitbeschlossene komplette Rauchverbot in der Gastronomie wieder zu kippen. Dieses sollte laut dem Beschluss der scheidenden grossen Koalition im kommenden Mai in Kraft treten.

Innerhalb der ÖVP hagelte es nach dem Entscheid Kritik. «Dieser Kompromiss gefällt uns weniger gut», zitiert Krone.at einen Sprecher des Salzburger Landeshauptmanns Wilfried Haslauer. Auch Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer bedauerte am Dienstag, dass das Rauchverbot in der Gastronomie «den Koalitionsverhandlungen zum Opfer gefallen» sei.

Rauchverbot in Autos mit Kindern

ÖVP und FPÖ einigten sich nun darauf, dass künftig keine Minderjährigen mehr die Raucherbereiche in Gaststätten betreten dürfen. Die Altersgrenze für legalen Tabakkonsum wurde generell von 16 auf 18 Jahre angehoben. Ausserdem soll es ein Rauchverbot in Autos geben, wenn Kinder und Jugendliche unter 18 im Wagen mitfahren.

Österreich ist eines der letzten EU-Länder ohne ein komplettes Rauchverbot in Gaststätten. Die Alpenrepublik ist innerhalb der Europäischen Union der Staat mit dem dritthöchsten Tabakkonsum: Laut der Statistikbehörde Eurostat rauchen 30 Prozent der über 15-Jährigen. Jedes Jahr sterben in dem 8,7-Millionen-Einwohner-Land 13'000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Mediziner hatten jüngst eindringlich vor einer Aufweichung des geplanten Rauchverbots in Gaststätten gewarnt. (mlr/sda/afp)

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