Zürich: Kompost-Toiletten sollen Toi-Tois ersetzen
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ZürichKompost-Toiletten sollen Toi-Tois ersetzen

Baustellen und WM-Bars setzen seit neustem auf die mobilen Kompost-Toiletten Kompotoi. Das freut nicht nur die Umwelt, sondern auch Gärtner und Bauern.

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KV/som

Wer kennt sie nicht, die WC-Häuschen aus Plastik mit ihrem meist blau-weissen Anstrich. Sie feiern an Festivals und Public-Viewings in der Sommerzeit Hochkonjunktur. Weil der typisch chemische Geruch der mobilen Klos den Zürcher Jojo Linder (29) und seine Freunde nervte, entwickelten sie vor zwei Jahren die mobile Kompost-Toilette Kompotoi.

Mittlerweile stellt der Verein Kompotoi seine Holzhäuschen mit dem eingefrästen Herzchen auf Baustellen, an Festivals und Hochzeiten in der ganzen Deutschschweiz auf. In Zürich steht etwa derzeit ein Kompotoi beim Zirkus Knopf auf dem Kochareal und bis Sonntag erledigten die Besucher der WM-Bar Sportmen beim Bellevue ihr Geschäft auf eine umweltfreundliche Art und Weise.

Frauenurin eignet sich gut zum Kompostieren

Neu sei ihre Idee aber nicht, so Linder: «In SAC-Hütten etwa gibt es schon seit Jahren Kompost-Toiletten.» Dass allerdings diese nun wie die herkömmliches Toi-Tois für Veranstaltungen gemietet werden können, sei in der Deutschschweiz einmalig.

Die Kompost-Toilette verfügt über ein Pissoir für den Männerurin sowie ein normales WC für Kot und Frauenurin.

«So kommt der wegen der Pille hormonreiche Frauenurin nicht ins Wasser», sagt Linder. Gespült wird nicht etwa mit Wasser, sondern mit einem speziellen Einstreu, der den Geruch bindet. Laut Linder sind die darin enthaltenen Stoffe zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Die menschlichen Ausscheidungen landen in einem Tank, den Linder und sein Team täglich leeren: «Wir bringen sie dann in eine Kompost-Anlage - vermischt mit Biokohle entsteht dort aus dem Kot der perfekte Dünger.»

Kot ist der perfekte Dünger

Diesen möchte er in Zukunft den Bauern und Gärtnern weitergeben: «So kehrt der Human Output in den Nährstoffkreislauf zurück, wo er hingehört», sagt Linder zur «Schweiz am Sonntag». Denn bei den herkömmlichen Toiletten oder Toi-Tois landen die Ausscheidungen laut Linder im Abwasser, das dann in der Kläranlage gesäubert wird. «Exkremente sind also Abfall. Dabei können sie in den perfekten Dünger umgewandelt werden, den die Bauern heute noch aus Drittweltländern importieren müssen.»

Derzeit stehen zehn Toilettenhäuschen im Einsatz. Die Miete kostet etwa 400 Franken inklusive Reinigung und Leerung pro Tag - das sind 20 bis 30 Prozent mehr als bei Miettoiletten. Trotzdem kann sich der Verein Kompotoi vor Anfragen kaum retten. «Wir stellen in unserer Kompotoi-Scheune in Meilen immer mehr solche Toiletten her», so Linder, der sie auch fix in Restaurants oder Häusern installieren möchte.

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