Energie-Botschafter: Kompostierbare Jeans und 60-Sekunden-Dusche
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Energie-BotschafterKompostierbare Jeans und 60-Sekunden-Dusche

Der ehemalige Radsportler Franco Marvulli über zu günstige Energie, kurze Duschen und seine Ziegen, die er vor dem Metzger gerettet hat.

von
S. Sigrist

«Wenn du nichts änderst, ändert sich nichts», steht auf einem dekorativen Schild im Wohnzimmer des ehemaligen Radprofis Franco Marvulli. Dieser Spruch scheint für den 37-Jährigen nicht nur eine Floskel zu sein, engagiert er sich doch für zahlreiche gemeinnützige Projekte wie die Velosammelaktion Velafrica, in der ausgediente Drahtesel aus der Schweiz nach Afrika geschickt werden, oder er sammelt im Rahmen des Projektes Pink Ribbon Geld für die Bekämpfung von Brustkrebs.

Der heute als Vortragsredner und Moderator tätige Zürcher ist zudem einer der Botschafter der im Frühling dieses Jahres gestarteten Energy Challenge 2016. «Es geht mir selbst besser, wenn ich etwas Gutes für meine Mitmenschen oder die Umwelt tun kann», nennt Marvulli einen Grund für sein soziales Engagement.

«Über das Thema könnte ich fünf Stunden lang philosophieren»

«Die Aktion ist ein Augenöffner und zeigt auf, welches Energiesparpotenzial tagtäglich drinliegt», sagt Marvulli. Hauptursache für den hierzulande verschwenderischen Umgang mit Energie seien die tiefen Preise. «Energie ist zu günstig. Würde Strom 20-mal mehr kosten, würden wir uns deutlich mehr Gedanken über unseren Energieverbrauch machen.» Über das Thema könne er Stunden lang philosophieren, sagt Marvulli. «Ich denke aber, es ist schon viel erreicht, wenn man den Leuten bewusst macht, dass die meisten Energiearten Auswirkungen auf Tiere und Umwelt haben.»

Der vierfache Welt- und fünffache Europameister im Radsport spart Energie, indem er auch heute noch so oft wie möglich auf zwei statt auf vier Rädern unterwegs ist. «Komplett auf das Auto zu verzichten ist jedoch nicht möglich, da ich teilweise mehrere Velos oder sonstiges Material für einen Anlass transportieren muss.»

Mit dickem Pullover in der kalten Stube

Ausserdem lässt er elektronische Geräte wie Fernseher oder Kaffeemaschine nicht auf Stand-by, sondern schaltet sie nach Gebrauch komplett aus und zieht den Stecker. «So kann man pro Jahr ungefähr 100 Franken sparen», erklärt Marvulli. Auch durch das Reduzieren der Temperatur in seinem Haus konnte der Zürcher seine Energiebilanz verbessern – und gleichzeitig die Heizkosten senken. «Ich ziehe lieber einen dickeren Pullover oder wärmere Socken an», erzählt der ehemalige Profisportler.

Ebenfalls gut für die Umwelt und das Portemonnaie ist Marvullis Angewohnheit, nur eine Minute lang zu duschen und praktisch nie Getränke in PET-Flaschen zu kaufen. «Normalerweise trinke ich Hahnenwasser oder Tee und nur selten Kaffee. Mit dem Kaffeesatz dünge ich meinen Garten», berichtet der 37-Jährige und zeigt stolz die Beete vor seinem Haus in Alten in der Zürcher Gemeinde Kleinandelfingen. Im Sommer wachsen dort Tomaten, Zucchini und Erdbeeren.

Ziegen vor dem Metzger gerettet

Nicht nur die Überreste des Koffeingetränkes, sondern auch seine Hosen können nach Ablauf ihrer Lebenszeit der Erde zugeführt werden: Marvulli trägt nämlich biologisch abbaubare Jeans. Werden die Hosenknöpfe entfernt, kann das Kleidungsstück kompostiert und somit recycelt werden.

«Bei der Ernährung setze ich auf saisonale und aus der Region stammende Produkte, und Früchte müssen bei mir nicht immer glänzen», so der Hobbygärtner, der zudem zwei Ziegen hält. «Die beiden habe ich vor dem Metzger gerettet», erzählt Marvulli, während er die weissen Geisslein mit Bio-Rüebli füttert.

Energy Challenge 2016

Die Energy Challenge 2016 ist eine nationale Kampagne von Energie Schweiz und dem Bundesamt für Energie rund um die Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Als Medienpartner beleuchtet auch 20 Minuten den Themenschwerpunkt mit Grafiken, Reportagen und Interviews.

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