Konflikt im Kosovo – wie alles begann 

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Hintergrund Konflikt im Kosovo – wie alles begann 

Spannungen zwischen Serbien und Kosovo machen erneut Schlagzeilen. Wieso kracht es zwischen den beiden Seiten immer wieder? 

von
Ann Guenter

Serbien verschieben Truppen zur kosovarischen Grenze.

Darum gehts

  • Der Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo beherrscht erneut die Schlagzeilen. 

  • Um zu verstehen, wieso wieder Spannungen aufbrechen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit.

  • Einige wichtige historische Stationen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. 

Kosovo – woher kommt der Name? 

Der Name «Kosovo» kommt vom serbischen und kroatischen Wort «kos»  – Amsel. 1389 fand bei Pristina die Schlacht auf dem Amselfeld statt, bei der die christlichen Serben gegen die Truppen des Osmanischen Reiches kämpften. Die Schlacht gegen das muslimische Heer wurde trotz schwerer Verluste zu einem serbischen Nationalmythos – auch daher wird der Kosovo als Teil Serbiens betrachtet.

War das Gebiet schon immer umstritten? 

Das kann man schon so sagen. Schon vor mehr als 2000 Jahren war das Gebiet des heutigen Kosovos besiedelt. Im Laufe der Jahrhunderte herrschten Römer, Türken, Bulgaren und Ungarn über das Gebiet. Nach der Befreiung von den Türken wurde es 1912 unter Serbien und Montenegro aufgeteilt. Mit der Errichtung der kommunistischen Herrschaft in Jugoslawien wurde das autonome Gebiet Kosovo-Metohija 1945/46 in die Teilrepublik Serbien eingeordnet. Der Status von Kosovo sorgte bereits innerhalb der jugoslawischen Föderation über Jahrzehnte für Konflikte.  

Was führte zum Krieg? 

Jahrzehnte der wachsenden Spannungen. Diese nahmen zu, als das Gebiet seine Autonomierechte im Rahmen der jugoslawischen Verfassung erweiterte. Der Konflikt zwischen der serbischen Minderheit und den Kosovo-Albanern verschärfte sich abermals 1989, als der jugoslawische Präsident Slobodan Milošević alle seit 1963 erworbenen Autonomierechte annullierte und den Kosovo wieder zu einer «Autonomen Region» herabstufte. Damit wurden alle kosovarischen politischen Institutionen aufgelöst, die Subventionen eingestellt und die albanische Sprache an Schulen und Unis verboten. Kosovo-Albaner wurden vom politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben ausgeschlossen. 1993 wurde die Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) gegründet, die sich fortan heftige Auseinandersetzungen mit der serbischen Sonderpolizei lieferte. Bis 1998 steigerten sich diese zu kriegsähnlichen Kämpfen, die mit Flucht und Vertreibung der kosovarischen Zivilbevölkerung einhergingen. Beide Seiten begingen schwere Menschenrechtsverletzungen.  

Was geschah 1998?

1998 eskalierte die Situation zwischen Serbien und der Republik Kosovo vollends. Alle Vermittlungsversuche blieben erfolglos. Nach den erfolglosen Kosovo-Konferenzen in Rambouillet und Paris erfolgten im März 1999 Luftangriffe der Nato, welche die Vertreibung der Zivilbevölkerung beenden sollten. Diese Angriffe erfolgten ohne UN-Mandat. Im Juni lenkte Jugoslawien ein und zog sich aus dem Kosovo zurück. Kosovo wurde eine unter internationalem Protektorat stehende, weitgehende Autonomie innerhalb Serbiens zugesagt. Sicherheit soll die internationale Friedenstruppe unter Nato-Führung (Kfor) gewährleisten, an der auch die Schweiz beteiligt ist. Die UCK wurde entwaffnet und in ein sogenanntes Schutzkorps umgewandelt. Im Zusammenhang mit dem Krieg starben oder verschwanden zwischen 1998 und 2000 mindestens 13’535 Menschen.

Wer anerkennt den Kosovo und wer nicht?

Doch auch die internationalen Sicherheitskräfte vermochten nicht nachhaltig zu befrieden. Es folgten wieder Ausschreitungen und erfolglose Verhandlungen. Schliesslich erklärte sich der Kosovo im Februar 2008 einseitig für unabhängig. 117 Staaten haben den Kosovo mittlerweile völkerrechtlich anerkannt, darunter auch die Schweiz. Fast 80 Länder – darunter Serbien, Russland und China, aber auch Griechenland, Spanien und die Slowakei – sehen die Unabhängigkeit des Kosovo dagegen als völkerrechtswidrige Verletzung der serbischen Souveränität.    

Gibt es denn Hoffnung auf Frieden?

Nur insofern, als dass die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt und die Frage um die Zugehörigkeit des Kosovo historisch sehr weit zurückliegt. Die aufgebrochenen Spannungen der letzten Monate aber dürften auch die grössten Optimisten zweifeln lassen. Die Kfor-Schutztruppe der Nato bleibt jedenfalls im Kosovo stationiert, auch wenn sie von 42’000 Soldaten auf derzeit rund 3500 Soldaten reduziert wurde. Anlass zur Hoffnung gab es 2012, als es auf Initiative der EU zu einem Abkommen zwischen dem Kosovo und Serbien kam, das die Spannungen zwischen beiden Ländern etwas verminderte und unter anderem Regelungen zur Reisefreiheit und der Verwaltung der Grenze beinhaltete. Doch dieses Jahr kam es neben dem Streit um Autokennzeichen bereits wieder zu Grenzstreitigkeiten um Ausweispapiere. 2018 beschloss die EU-Kommission eine neue Strategie für den Westbalkan. Dadurch soll den Ländern des westlichen Balkans der Beitritt zur EU gewährt werden. Voraussetzung wäre eine Normalisierung der Beziehungen. 

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Kosovarischer Polizist in Mitrovica.

Kosovarischer Polizist in Mitrovica.

REUTERS
In der Stadt Mitrovica im Norden Kosovos leben hauptsächlichen ethnische Serben.

In der Stadt Mitrovica im Norden Kosovos leben hauptsächlichen ethnische Serben.

REUTERS
Polnische Soldaten der UN-Mission in Mitrovica.

Polnische Soldaten der UN-Mission in Mitrovica.



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