Strom für halb Afrika: Kongo baut grössten Staudamm der Welt

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Strom für halb AfrikaKongo baut grössten Staudamm der Welt

Mit fast 40'000 Megawatt Leistung wird es das grösste Wasserkraftwerk der Welt: 2015 soll der Bau des Grand-Inga-Dammes beginnen. Das Projekt ist umstritten.

von
trx

80 Milliarden Dollar wird das gigantische Bauwerk am Fluss Kongo kosten, das dereinst doppelt so viel Energie liefern soll wie der chinesische Drei-Schluchten-Damm: 52 Turbinen von je 750 Megawatt Leistung generieren 39'000 MW Leistung – der Drei-Schluchten-Damm erzeugt gut 18'000 Megawatt.

Laut den Verantwortlichen soll Grand Inga halb Afrika – insgesamt 500 Millionen Menschen – mit Elektrizität versorgen. Als Bauherren zeichnet nebst der Demokratischen Republik Kongo Südafrika verantwortlich, das auch den Hauptteil des erzeugten Stroms abnehmen wird. Die Idee für das Jahrhundertprojekt geht bis in die 70er-Jahre zurück – nun soll im Oktober 2015 der Grundstein für Grand Inga gelegt werden.

Der Standort des Projekts ist rund 50 km von der Mündung des Kongo entfernt. Das grosse Gefälle dort bietet günstige Bedingungen für das Kraftwerk. Während die beiden existierenden Werke Inga I und II Wasser vom Kongo abzweigen, muss für Grand Inga der Kongo als Ganzer umgeleitet werden.

Massive Auswirkungen auf die Natur

Während die beiden Bau-Partner von neuen Möglichkeiten für Afrika schwärmen und auch die Weltbank den Bau des «grünen» Kraftwerks als grosse Chance durch die Verbreitung besserer Infrastrukturen in Afrika preist (und diesen mitfinanziert), beklagen NGOs die möglichen Auswirkungen auf Natur und Menschen.

Laut der Organisation International Rivers dürfte das Milliardenprojekt die Korruption in der kriegsgeplagten Demokratischen Republik Kongo weiter anheizen. Zudem würde der erzeugte Strom wohl in erster Linie grossen Unternehmen zugutekommen. Derzeit fliessen 85 Prozent der erzeugten Elektrizität in die Bergbauindustrie, bloss sechs bis neun Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu elektrischer Energie.

Des Weiteren werden durch das Umleiten enormer Wassermassen – der Kongo ist der neuntlängste Strom der Welt – massive Auswirkungen auf die Umwelt und sogar auf das Weltklima befürchtet. Für die Zugansgkorridore müssten riesige Schneisen in den neben dem Amazonasgebiet grössten Regenwald der Erde gerodet werden.

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