Kongo-Kinshasa droht humanitäre Katastrophe
Aktualisiert

Kongo-Kinshasa droht humanitäre Katastrophe

Wegen der Eskalation des bewaffneten Konflikts in der Demokratischen Republik Kongo unterstützt die Schweiz das IKRK zusätzlich mit 900 000 Franken. Hunderttausende sind vor den schweren Kampfhandlungen auf der Flucht.

Von unmittelbarster Dringlichkeit sei die medizinische Notversorgung und der Zugang zu sauberem Wasser, schreibt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Der Konflikt stürze die Zivilbevölkerung erneut in eine ernste humanitäre Krise.

Mit dem zusätzlichen Beitrag zu Gunsten des Nothilfeprogramms des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) unterstreiche die Schweiz ihre Entschlossenheit, den Opfern rasch Überlebenshilfe und Schutz zukommen zu lassen, heisst es weiter.

Damit belaufe sich der Gesamtbeitrag der humanitären Hilfe des Bundes für Ostkongo in Form von Geld und Experten 2007 auf sieben Millionen Franken.

MSF schlägt Alarm

Laut der Hilforganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans frontières, MSF) ist die Situation in der Unruhe-Provinz Nord-Kivu besonders alarmierend. Die Flüchtlinge seien unterernährt, und Cholera breite sich aus, warnte MSF am Mittwoch.

MSF habe seit Mitte November in Rutshuru, im Osten der Provinz, bereits 1200 Cholera-Patienten behandelt. In der Gegend um die Provinz-Hauptstadt Goma im Süden seien es seit September 1600 Patienten gewesen. Die Durchfallerkrankung verläuft ohne Behandlung in 50 Prozent der Fälle tödlich.

Auch geht den rund 45 000 Flüchtlingen in den Lagern bei Goma die Nahrung aus, wie MSF weiter mitteilte. Die Hilfslieferungen reichten nicht aus. Laut der Organisation mussten viele Kongolesen in den vergangenen Jahren bereits mehrfach aus ihren Dörfern fliehen und sind «am Ende ihrer Kräfte».

In der an Ruanda grenzenden Provinz lieferten sich die verfeindeten Volksgruppen der Hutu und der Tutsi sowie die kongolesische Armee in den vergangenen Monaten immer wieder heftige Kämpfe. Nach Schätzungen der UNO sind in der Provinz derzeit rund 800 000 Menschen auf der Flucht vor Kampfhandlungen.

Sexuelle Gewalt

Zu den Leidtragenden des Konflikts gehören auch Frauen und Kinder. Zwischen Januar und Oktober dieses Jahres wurden in Nord- Kivu mindestens 2700 Fälle von Vergewaltigung verzeichnet, wie die Weltorganisation gegen Folter (OMCT) mitteilte.

Gemäss UNO-Zahlen wurden zwischen 2004 und 2006 43 000 Fälle von sexueller Gewalt registriert. Der unabhängige Experte des UNO- Menschenrechtsrates, Titinga Frédéric Pacéré, hatte Kongo-Kinshasa vom 28. November bis 6. Dezember besucht.

In seinem Bericht stellt er Massenvergewaltigungen von Frauen und Mädchen durch Soldaten der Armee oder der Rebellen, Sicherheitskräfte und Zivilisten fest. Gemeinsam ist den Verbrechen, dass die Täter von einer weitgehenden Straflosigkeit profitieren. (sda)

Zahl der Kindersoldaten nimmt deutlich zu

In den Kämpfen in der ostkongolesischen Konfliktregion Nord-Kivu werden Kinder und Jugendliche zunehmend als Soldaten missbraucht. Das berichtete die UNO-Mission im Kongo (Monuc).

Die Zahl der Kindersoldaten sei im vergangenen Jahr deutlich angestiegen, hiess es. Viele dieser Kinder und Jugendlichen mussten demnach bereits in den Vorjahren in den verschiedenen bewaffneten Gruppen des zentralafrikanischen Landes kämpfen und waren erst nach 2003 wieder in die Zivilgesellschaft eingegliedert worden.

UNO-Sprecher forderten Armee und Rebellengruppen auf, minderjährige Kämpfer umgehend zu demobilisieren.

Ein Ermittlungsteam der Vereinten Nationen untersucht derzeit den Missbrauch von Kindersoldaten in den Kämpfen zwischen der kongolesischen Armee und den Anhängern des Rebellengenerals Laurent Nkunda, der seit Anfang des Jahres einen Guerillakrieg führt. Die Kämpfe waren in den vergangenen Wochen verstärkt worden.

Rund 400 000 Menschen flohen seit Jahresbeginn aus den Dörfern in Nord-Kivu, um nicht zwischen die kämpfenden Gruppen zu geraten. Nkunda, der zur Volksgruppe der Tutsi gehört, wirft der Regierung die Unterstützung von Hutu-Milizen vor.

(SDA)

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