Schweinegrippe in der Schweiz: Konkreter Verdachtsfall in Genf

Aktualisiert

Schweinegrippe in der SchweizKonkreter Verdachtsfall in Genf

Die Zahl der Verdachtsfälle in der Schweiz ist auf 25 angestiegen. Bei einem Fall in Genf ist die Wahrscheinlichkeit offenbar hoch, dass es sich tatsächlich um Schweinegrippe handelt. Inzwischen koordiniert der Sonderstab Pandemie alle Massnahmen auf nationaler Ebene.

In der Schweiz gibt es heute 25 Schweinegrippe-Verdachtsfälle. Ein spezifischer Verdacht liege bei einem Patienten in Genf vor, sagte Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Dort sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich tatsächlich um einen Schweinegrippe-Fall handelt. Bis nach 16 Uhr habe das BAG aber keine genaueren Informationen erhalten. Die Wahrscheinlichkeit eines positiven Falles in der Schweiz sei aber sowieso gegeben, so Zeltner.

Langwierige Abklärungen der Verdachtsfälle

Die 25 Verdachtsfälle sind in folgenden Kantonen in Abklärung: Aargau, Bern, Basel-Land, Genf, Waadt, Wallis, St. Gallen und Zürich. Das BAG rechnet damit, dass die Zahlen in den nächsten Tagen weiter ansteigen werden. Alle Verdachtsfälle sind Rückkehrer aus Mexiko, wobei das für die neusten Fälle noch nicht bestätigt ist.

Die Abklärungen im Labor dauern laut Zeltner lange, da ein zweifelhaftes Testresultat überprüft werden muss. Bei einem positiven Testresultat, sei es relativ sicher, dass der Patient mit dem Virus infiziert sei. Bei einem negativen ersten Testresultat dagegen seien weitere Tests nötig. Deshalb stehen diese Fälle immer noch in Abklärung.

Zurückkehrende Reisende sollen schriftlich informiert werden

Im Zusammenhang mit Flughäfen war das BAG nochmals mit der Europäischen Union im Gespräch. Die EU tut sich schwer mit allen Fragen der Koordination, sagte Zeltner. Eine einheitliche Regelung bezüglich Reiseempfehlungen haben lange gedauert. So ziehe sich auch jetzt ein Entscheid bei den Flughäfen hin. Die Schweiz wolle sich diesbezüglich mit der EU absprechen, sagte er. Nun plane das BAG direkte Informationen an Reisende. Einreisende sollen eine schriftliche Information erhalten. Wann diese Massnahme umgesetzt wird, konnte Zeltner noch nicht sagen.

Offizielle Zahlen unter vermuteten Fällen

Die Infektionen der Schweinegrippe breiten sich aus, es kommen neue Fälle hinzu, sagte der BAG-Direktor weiter. Zurzeit sei der Todesfall eines Kindes in den USA von der Weltgesundheitsorganisation WHO noch nicht bestätigt.

Offiziell hat die WHO folgende Fälle bestätigt: 26 in Mexiko, 64 in den USA, 15 Fälle in weiteren Ländern, darunter auch in Europa. Von den weltweit 105 Fälle waren 7 tödlich - alle in Mexiko. Dort steigen die Zahlen weiterhin an, jedoch weniger stark. 160 Todesfälle sind möglicherweise mit der Schweinegrippe zu erklären, aber nicht bestätigt. Die drei Fälle in Deutschland sind der WHO noch nicht gemeldet.

Bundesrat hat Sonderstab einberufen

Der Bundesrat hat heute den Sonderstab Pandemie einberufen, wie es der Pandemieplan des Bundes bei Stufe 4 (von 6) vorsieht. Damit will er die Koordination zur Bekämpfung einer allfälligen Schweineinfluenza-Pandemie verstärken, wie der Bund in einer Mitteilung schreibt. Der Sonderstab soll die Abläufe in der Verwaltung beschleunigen und steht unter Leitung von Pascal Strupler, Generalsekretär des Innendepartements (EDI). Damit geht die Federführung in der Pandemiebekämpfung an das Departement über. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) soll aber weiterhin die operative Leitung bei der Prävention und der Bekämpfung der Schweinegrippe behalten.

Aufgaben des Sonderstabs sind die Beratung des Bundesrats und die Unterstützung des Bundes und der Kantone bei der Umsetzung der Massnahmen. Es geht darum die üblichen administrativen Abläufe zu beschleunigen. Je nach Verlauf der Pandemiebedrohung können Experten oder Fachverbände beigezogen werden. Die Kompetenzen der Pandemiebekämpfung sind politisch beim Bundesrat, operativ beim BAG.

Vorläufig sind keine Massnahmen vorgesehen, die der Sonderstab behandeln müsste, sagt Leiter Strupler. Im August letzten Jahres habe es die letzte grössere Sitzung der Mitglieder gegeben. In den nächsten Tagen werde eine erste Sitzung stattfinden, an der vor allem die Abläufe in Erinnerung gerufen werden sollen.

(mdr)

Verdachtsfall im Kanton Aargau negativ

Bei einem ersten Verdachtsfall konnte das nationale Referenzlabor in Genf Entwarnung geben: Ein Patient, der seit Montag im Kantonsspital Baden insoliert war, hat sich nicht mit der Schweinegrippe angesteckt. Das teilte das Gesundheitsdepartement des Kantons Aargau mit. Der Patient konnte am Abend das Spital verlassen. (mdr)

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