pingen.com: Konkurrenz für die Post
Aktualisiert

pingen.comKonkurrenz für die Post

Der Schweizer Online-Service Pingen greift das herkömmliche Briefgeschäft der Post an. Beim gelben Riesen beobachtet man die Konkurrenz mit Argusaugen und spielt mit dem Gedanken, selbst neue Modelle einzuführen.

von
Manuel Bühlmann
Pingen: Die Briefpost wird über den PC abgewickelt.

Pingen: Die Briefpost wird über den PC abgewickelt.

Mitte Mai ist pingen.com an den Start gegangen (20 Minuten Online berichtete). Damit lässt sich die Briefpost direkt vom Rechner aus erledigen. Papier, Couvert und Briefmarke sind im Preis inbegriffen. Für einen Brief mit A-Post werden mit einem Account 1.40 Franken verrechnet, rund 40 Rappen mehr als bei der Schweizerischen Post. Trotz der höheren Versandpreise in der Schweiz wird Pingen laut CEO Andreas Keller rege genutzt.

«Wir haben festgestellt, dass ausländische Firmen grosses Interesse an unserem Angebot zeigen. Sie nutzen Pingen, um ihre Post in die Schweiz zu verschicken. Gerade bei grossen Mengen an Briefen können sie im Vergleich zum herkömmlichen Postweg die Kosten deutlich tiefer halten», so der CEO im Gespräch mit 20 Minuten Online. Das ist möglich, weil die aufgegebenen Briefe direkt im Zielland ausgedruckt und über das lokale Postnetz dem Empfänger zugestellt werden.

Schneller und umweltfreundlicher

Ein weiterer Vorteil des Services ist die Geschwindigkeit, mit der die Post befördert wird. So rechnet die Schweizerische Post für einen Brief (Economy) nach Deutschland beispielsweise mit vier bis acht Tagen. Da mit Pingen der Transportweg ins Empfängerland entfällt, kommt die Korrespondenz deutlich schneller an. «Ein Brief nach Deutschland ist spätestens in ein bis zwei Tagen bei dem Empfänger. Auch zu beachten ist dabei der ökologische Aspekt. Mit Pingen ins Ausland verschickte Briefe belasten die Umwelt viel weniger, da sie nicht per Flugzeug, Lastwagen oder Eisenbahn transportiert werden müssen.» Damit Unbefugte nicht mitlesen können, werden die Briefe verschlüsselt übermittelt und an der Versandschnittstelle vollautomatisch ausgedruckt und verpackt. «Zudem müssen sämtliche involvierten Personen eine Geheimhaltungserklärung unterzeichnen, falls sie aus technischen Gründen doch einmal den Inhalt eines Briefes zu Gesicht bekommen», so Keller.

Post will abwarten

Die Schweizerische Post ist auf den neuen Service auch schon aufmerksam geworden. Kürzlich kam es zu einem Treffen: «Die Post ist daran interessiert, dass wir für die Abwicklung der Couvertierung ihre Zweigstellen im Ausland benutzen. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, sofern die Konditionen attraktiv sind.»

Bei der Post weiss man laut Pressesprecher Marian Masserini allerdings nichts von einem angeblichen Treffen. Dass man in Zukunft aber selber einen ähnlichen Service anbieten wird, ist nicht ausgeschlossen: «Wir sind grundsätzlich an solchen Hybridlösungen interessiert und verfolgen die Entwicklungen in dieser Richtung mit grossem Interesse. Auf strategischer Ebene wurden diesbezüglich allerdings noch keine konkreten Massnahmen beschlossen.»

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