Drama von Biel: Konsequenzen müssen gezogen werden
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Drama von BielKonsequenzen müssen gezogen werden

Nach dem glimpflichen Ende des Bieler Rentnerdramas kommen Polizei, Justiz- und Sozialbehörden nicht um eine gründliche Aufarbeitung des Falls: Das ist der Tenor am Tag danach.

Nach dem glimpflichen Ende des Bieler Rentnerdramas kommen Polizei, Justiz- und Sozialbehörden nicht um eine gründliche Aufarbeitung der Geschehnisse herum: Das ist der Tenor in der Berner Presse vom Samstag.

Der tagelange Grosseinsatz habe am frühen Freitagmorgen zwar «bestmöglich» geendet, räumt die «Berner Zeitung» ein. Doch im Verlauf der Fahndung habe die Polizei ein desolates Bild abgegeben.

Auch der «Bund» erteilt der Polizei keine guten Noten. Das falsche Fahndungsbild sei ebenso schwer erklärbar wie der Umstand, dass der Rentner den Polizeikräften zweimal entwischen konnte. Dass im finalen Akt ein Hund die Hauptrolle gespielt habe, sei «nicht ganz frei von Ironie».

Kritische Fragen an die Behörden

Kritische Fragen müssen sich auch die Bieler Behörden gefallen lassen. Das «Bieler Tagblatt» weist darauf hin, dass die Behörden schon 2006 über die Wahnvorstellungen des Rentners informiert waren. Dass die Stadt Biel den Fall untersuchen wolle, sei richtig - anschliessend müssten «alle harten Konsequenzen» gezogen werden.

Dass der Rentner noch am Leben ist, verdankt er nach der Überzeugung des «Bieler Tagblatts» und des «Journal du Jura» einzig der Polizei. «Hätte die Polizei dem Drama am ersten Tag ein Ende setzen wollen, hätte sie dies getan. Und vorgefahren wäre der Leichenwagen», schreibt die deutschsprachige Bieler Zeitung.

Immerhin gebe es auch positive Erkenntnisse aus dem Fall, ergänzt das «Journal du Jura». Die 50'000 Bewohner der Stadt Biel seien in der gemeinsamen Sorge näher zusammengerückt. Ähnlich sieht es Stadtpräsident Hans Stöckli: «Trotz des Schattens hat Biel gelebt», sagte er dem «Blick». «Diese Erkenntnis hab mir Kraft gegeben.»

Rentner wird medizinisch betreut

Gegen den Rentner wurde eine Voruntersuchung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und Gefährdung des Lebens eröffnet. Der von einem Polizeihund leicht verletzte Mann sitzt in Untersuchungshaft und wird medizinisch betreut, wie Polizeisprecher Stefan von Below auf Anfrage sagte. Dazu gehörten auch psychologische Aspekte.

Der Mann sei von der Polizei und vom Untersuchungsrichter befragt worden, weitere Befragungen würden folgen. Zu Aussagen des Rentners und zu einer allfälligen Suizidgefährdung machte von Below mit Verweis auf die laufende Untersuchung keine Angaben. Die Räumung des Hauses des Rentners in Biel sei inzwischen beendet, sagte er.

Der renitente Rentner war am Freitagmorgen nach knapp zehn Tagen Grossfahndung auf einem Feld im Nordwesten von Biel gefasst worden. Zuvor hatte sich der psychisch angeschlagene Mann zunächst in seinem Wohnhaus verschanzt, dann einem Polizisten ins Gesicht geschossen und anschliessend die Flucht ergriffen. (sda)

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