Konstanz: Frau hat Ehemann 16 Jahre für tot geglaubt

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Cold Case gelöstFrau hielt Ehemann 18 Jahre für tot – er war die ganze Zeit in der Schweiz

Im Jahr 2004 brach ein damals 56-jähriger Mann auf eine Geschäftsreise auf. Seine Frau sah ihn nie wieder. Eine neue Spezialermittlungsgruppe konnte den Fall nun knapp 20 Jahre später lösen.

von
Shannon Zangger
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Der Mann wurde zuletzt 2004 von den Mitarbeitern vom Hotel «Bilger-Eck» in Konstanz (D) gesehen.

Der Mann wurde zuletzt 2004 von den Mitarbeitern vom Hotel «Bilger-Eck» in Konstanz (D) gesehen.

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18 Jahre nach seinem Verschwinden hat die Polizei nun Gewissheit, dass der Mann lebt. 

18 Jahre nach seinem Verschwinden hat die Polizei nun Gewissheit, dass der Mann lebt. 

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Er wohnt seit 2004 mit seiner Lebensgefährtin im Kanton Schwyz (Symbolbild). 

Er wohnt seit 2004 mit seiner Lebensgefährtin im Kanton Schwyz (Symbolbild). 

Wiki-Commons/Markus Bernet, CC BY-SA 2.0

Darum gehts

  • 2004 brach ein damals 56-jähriger deutscher Auswanderer von Spanien nach München eine Geschäftsreise an.

  • Der Mann verschwand auf dieser Reise spurlos, zuletzt wurde er in Konstanz (D) gesehen.

  • 18 Jahre später konnte der Cold-Case gelöst werden.

Die Kriminalpolizeidirektion Rottweil (D) führt seit zwei Jahren eine neue Cold-Case-Ermittlungsgruppe. Einer dieser Cold-Case-Fälle, welche das Team aufgenommen hat, konnte nun nach knapp 20 Jahren geklärt werden. Die Protagonisten dieses Falles sind ein deutsches Paar, das nach Spanien ausgewandert ist. Das Paar verdiente seinen Lebensunterhalt mit dem Handel von Autos. 2004 verschwand der damals 56-jährige Ehemann spurlos. Das, nachdem er seiner Ehefrau mitteilte, dass er für eine Geschäftsreise nach München aufbricht. Die letzte Spur von ihm endete in Konstanz (D), gleich an der Grenze zur Schweiz. 

Der gebürtige Deutsche begab sich mit dem Zug bis Konstanz (D) am Bodensee. Er bezog dort im Hotel «Bilger-Eck» ein Zimmer. Am Dienstag, dem 21. September 2004, wurde der Mann vom Hotelpersonal das letzte Mal gesehen und jegliche Spur von ihm verschwand. Einen Tag später begann die Konstanzer Polizei zu ermitteln.

Lebenszeichen aus der Schweiz

Zunächst bestand der Verdacht auf Zechprellerei. Ziemlich rasch richtete sich der Ermittlungsfokus jedoch auf ein Gewaltverbrechen. «Wir fanden einen Aktenkoffer, Unterlagen und Dokumente zu Autokäufen, Kleidung und auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs vor», sagt Kriminalhauptkommissar Andreas Reichert, Leiter der Cold-Case-Ermittlungsgruppe, zum «Südkurier» (Bezahlartikel). Vom Mann fehlte jede Spur. Zeitgleich meldete seine Ehefrau in Spanien ihren Ehemann als vermisst. Doch auch dort führten alle Ermittlungen ins Leere. Seine Ehefrau musste von einem Worst-Case-Szenario ausgehen.

Vier Jahre nachdem der in Nordrhein-Westfalen aufgewachsene Mann von der Bildfläche verschwand, gab es in einem dritten Land ein Lebenszeichen des verschwundenen Auswanderers. In der Schweiz, im Kanton Schwyz, wurde ein deutscher Staatsbürger von der Polizei kontrolliert. Die Schwyzer Polizei fand durch das Kontrollieren der Dokumente heraus, dass es sich bei der kontrollierten Person um den vier Jahre zuvor in Konstanz verschwundenen und in Spanien als vermisst gemeldeten Mann handelt. Diese haben den Fund der spanischen Polizei weitergeleitet.

Einverstanden, dass es die Frau erfährt

Von den spanischen Gesetzeshütern wurde jedoch versäumt, die Meldung an die deutschen Kollegen weiterzuleiten. Denn auch in Deutschland war der Mann als vermisst vermeldet. Ende 2020 widmete sich die Cold-Case-Ermittlungsgruppe dem thematisierten Fall. Zusammen mit der Schweizer Polizei konnte die Kriminalpolizeidirektion Rottweil den Mann 16 Jahre nach dessen Verschwinden im Kanton Schwyz ausfindig machen.

«Die Erleichterung ist gross, dass wir den Gesuchten nicht tot, sondern lebend aufgefunden und den Fall geklärt haben», sagt der Kripo-Kommissar zum Südkurier weiter. Strafrechtliche Konsequenzen hat der Deutsche für sein Untertauchen nicht zu erwarten. Eine Begründung für seine Flucht wollte er nicht kundgeben. «Wenn jemand sein altes Leben hinter sich lässt, geht uns das nichts an, das ist privat und wir fragen da auch nicht nach den Gründen», ergänzt der Kripo-Chef vom Konstanzer Präsidium gegenüber der Zeitung. «Er ist jedoch damit einverstanden gewesen, dass seine Ehefrau informiert wird, dass er lebt.»  

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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