Aktualisiert 15.06.2019 08:33

Security und Datenkraken

Konsumenten fürchten sich vor Mobile Payment

Ob Twint oder Apple Pay: Die meisten Konsumenten halten das Bezahlen per App für unsicher – und nicht unbegründet. Anbieter verlangen blindes Vertrauen.

von
Raphael Knecht
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Handy hinhalten und das wars – das ist wenig Aufwand für Konsumenten, trotzdem haben diese Bedenken.

Handy hinhalten und das wars – das ist wenig Aufwand für Konsumenten, trotzdem haben diese Bedenken.

Thomas Delley
65 Prozent der Konsumenten in Europa halten Mobile Payment via Smartphone für unsicher – das zeigt eine aktuelle Umfrage vom Sicherheitsdienstleister Eset.

65 Prozent der Konsumenten in Europa halten Mobile Payment via Smartphone für unsicher – das zeigt eine aktuelle Umfrage vom Sicherheitsdienstleister Eset.

Keystone/Christian Beutler
Für die Angst der Konsumenten gibt es Gründe.

Für die Angst der Konsumenten gibt es Gründe.

Keystone/Christian Beutler

Mit dem Handy zu zahlen klingt bequem, macht aber auch Angst: 65 Prozent der Konsumenten in Europa halten Mobile Payment via Smartphone für unsicher – das zeigt eine aktuelle Umfrage vom Sicherheitsdienstleister Eset. Zwar haben jüngere Konsumenten etwas mehr Vertrauen, doch auch bei den 18- bis 29-Jährigen glaubt mit 53 Prozent über die Hälfte, dass das Zahlen per Smartphone nicht sicher ist.

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz gingen auch schon einige Meldungen ein, dass bei Mobile Payment etwa falsche Beträge abgebucht worden seien. Die Leute hätten teilweise grosse Bedenken, was die Sicherheit solcher Bezahllösungen angehe, bestätigt Geschäftsleiterin Sara Stalder gegenüber 20 Minuten.

Haben Sie schlechte Erfahrungen mit Mobile Payment gemacht? Sind merkwürdige Buchungen auf der Abrechnung aufgetaucht oder war Ihr Konto plötzlich leer? Oder gabs einfach plötzlich überall Werbung und Sie haben den Verdacht, dass das an der Payment-App lag?

Blindes Vertrauen gefragt

Die Angst sei durchaus begründet, sagt Oliver Hirschi von der Hochschule Luzern (HSLU) zu 20 Minuten. Der Experte für IT-Security erklärt, Konsumenten müssten den Anbietern von Payment-Apps ein gewisses Mass an blindem Vertrauen entgegenbringen: «Für einen Benutzer ist es extrem schwierig, herauszufinden, ob einzelne Apps wirklich sicher sind.»

Ob und wie gut die Transaktionen verschlüsselt sind, spiele eine grosse Rolle – ist die Verbindung nicht genügend gesichert, könnte eine Drittperson etwa heimlich den Zahlungsbetrag erhöhen oder sonst die Zahlungen manipulieren.

Heimliche Datenkrake

Ausser der Sicherheit beim eigentlichen Bezahlvorgang besteht auch die Gefahr, dass Payment-Apps heimlich mehr Daten sammeln als sie wirklich benötigen. Das zeigt sich etwa in den Berechtigungen, die eine Anwendung auf dem Smartphone verlangt. «Eine Bezahl-App braucht sicher keinen Zugriff auf meine Kalenderdaten oder Telefonlisten», sagt Hirschi.

Konsumenten hätten darum Angst, dass Mobile Payment nur dazu dient, die Nutzer zu gläsernen Kunden zu machen – dass sie also nicht mehr wie beim Bargeld anonym sind, sondern bei jeder Transaktion Unmengen an Daten über sie gespeichert werden. Und diese Daten könnten dann etwa genutzt werden, um ihr Verkaufsverhalten zu Werbezwecken zu analysieren.

Hier ist es laut Hirschi besonders wichtig, dass Einkaufs- und Zahlungsdaten nicht mit Nutzungs- und Standortdaten verknüpft werden. Anbieter wie Twint oder Apple Pay sollen nicht erfahren, was genau der Kunde kauft – und der Kontostand eines Kunden geht den Händler nichts an.

Handy insgesamt zu unsicher

Dass Mobile Payment per Smartphone geschieht, ist ebenfalls ausschlaggebend. Denn nicht nur die Sicherheit der Bezahl-App, sondern des gesamten Geräts sei ausschlaggebend für die Sicherheit beim Mobile Payment, sagt Hirschi: «Beim PC weiss man, dass man alles up-to-date halten und sich vor Schadsoftware schützen muss – beim Smartphone ist das vielen Konsumenten weniger bewusst.»

Dadurch sei die Gefahr gross, dass man über eine andere App einen betrügerischen Link oder dergleichen Malware aufs Handy lädt. Solche Schadsoftware könne etwa im Hintergrund Zahlungen ausführen oder verändern, erklärt Hirschi.

Tipps, wie man sich beim Mobile Payment auf dem Handy schützt, lesen Sie später ebenfalls auf 20 Minuten.

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