Aktualisiert 15.12.2010 22:29

NahrungsmittelindustrieKonsumenten werden ausgetrickst

Auf unseren Tellern ist nicht, was wir glauben. Ein neues Buch beschreibt die Schummeleien der Nahrungsmittelindustrie.

von
Elisabeth Rizzi

Gruselig, was Unilevers Werbeversprechen «Komposition aus pflanzlichen Fetten und Milch» ausgedeutscht heisst: Der gesundheitlich umstrittene Zusatzstoff Carrageen fehlt im fettarmen Schlagrahm ebenso wenig wie Emulgatoren, Stabilisatoren und Aromen. Das breitet Foodwatch-Chef Thilo Bode in seinem neuen Buch «Die Essensfälscher» aus. Daneben enttarnt er Nahrungsmittelkonzerne, die mit «weniger drin, Preis gleich» schummeln; etwa Mars mit Schokoriegeln. Wie die Hühner lassen sich die Konsumenten auch mit Werbeversprechen rupfen. So bleibt die von Bode beschriebene Beutelsuppe von Escoffier ein Fertigprodukt voller Zusatzstoffe, selbst wenn Spitzenkoch Alfons Schuhbeck als Testimonial Gourmetgenuss suggeriert.

Bode gräbt zwar im deutschen Nahrungsmittelmarkt. «Aber in der Schweiz haben wir dieselben Probleme», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Schweizer Konsumentenschutzes. Am schlimmsten sei die Intransparenz bei hochverarbeiteten Fertigprodukten. Aber auch billiges Käseimitat aus Wasser, Pflanzenfett, Geschmackskonzentrat und Milcheiweisspulver oder Schinkenersatz aus Formfleisch in Gelmasse seien bereits weitverbreitet. In Deutschland werden jährlich schon 100 000 Tonnen Käseimitat hergestellt. 95% gehen in den Export, auch in die Schweiz. Und: Selbst Biolebensmittel sind nicht immer ökologisch. «Es gibt Bio-Lebensmittel, die von weither importiert werden. Das gilt teils auch für Futter von Bio-Fleisch-Tieren», warnt Stalder.

www.foodwatch.de

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