Same-Day-Delivery: Konsumenten wollen keine Schnell-Lieferungen

Aktualisiert

Same-Day-DeliveryKonsumenten wollen keine Schnell-Lieferungen

Schweizer Händler kämpfen um die schnellste Lieferung. Eine Umfrage zeigt nun: Bei vielen Kunden ist das gar kein Bedürfnis.

von
K. Wolfensberger

Wieso mögen die Schweizer keine Same-Day-Lieferungen? Der ZHAW-Experte erklärt es im Video (Video: ZHAW).

Vor drei Stunden online bestellt – und schon ausgeliefert: Mit diesem Service will der Elektronikhändler Steg seine Kunden begeistern. Auch Konkurrenten wie Brack setzen auf die sogenannte Same-Day-Delivery und versuchen schneller zu sein als ihre Konkurrenten.

Doch braucht es einen solchen Service überhaupt? Das wollte 20 Minuten wissen und liess vom Institut Marketagent.com eine Umfrage zum Thema durchführen. Das Resultat: Nur etwa acht Prozent der Befragten wünschen sich eine Lieferung innerhalb von fünf Stunden ab Bestellung.

«Entspricht Erwartungen»

36 Prozent der Befragten würde es reichen, wenn die Lieferung innerhalb von 24 Stunden ihr Ziel erreichen würde. 38 Prozent wünschen sich das Päckli am gleichen Tag, aber egal, zu welcher Uhrzeit, und 17 Prozent geben an, dass sie Lieferungen am gleichen Tag generell unnötig finden.

Die Resultate der Umfrage decken sich mit den Erfahrungen von Steg. «Etwa fünf bis zehn Prozent der Kunden wählen die Same-Day-Option», sagt Steg-Geschäftsführer Lorenz Weber zu 20 Minuten. Das entspreche dem erwarteten Anteil.

Drei-Stunden-Lieferung meist kein Bedürfnis

Die Umfrage zeigt weiter: Der Aufpreis für die schnelle Lieferung – bei Steg 9.50 Franken für die Drei-Stunden-Lieferung, bei Brack 4.90 Franken für die Same-Day-Lieferung – scheint nicht der Hauptgrund für das laue Interesse zu sein.

Fast 40 Prozent der Befragten wären bereit, sogar mehr als zehn Franken Gebühr für eine solche Same-Day-Lieferung zu bezahlen. 35 Prozent finden einen Preis zwischen sechs und zehn Franken angemessen, knapp 17 Prozent einen unter fünf Franken.

Service als Werbegag?

Für die fehlende Nachfrage nach Same-Day-Lieferungen gibt es laut Michael Klaas, Dozent an der ZHAW School of Management and Law, verschiedene Ursachen. Einerseits würden die Leute oft erst am Abend bestellen, nachdem sie von der Arbeit nach Hause gekommen seien. «Es reicht ihnen dann, wenn sie das Paket am nächsten Morgen erhalten», so Klaas.

Andererseits seien viele Produkte für die Kunden schlicht nicht so wichtig oder relevant, dass sie sie unbedingt noch am gleichen Tag erhalten müssten. Die Einführung der Same-Day-Delivery sei somit primär eine Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzugrenzen und den Kunden das eigene Angebot bekannt zu machen.

Auch E-Commerce-Experte Malte Polzin ist dem neuen Angebot gegenüber eher skeptisch eingestellt, wie er im Gespräch mit 20 Minuten erklärt hatte: «Eine solche Express-Lieferung ist eher ein PR-Gag als ein Kundenbedürfnis.» Viele Kunden seien heute bereits zufrieden, wenn die Lieferung am Abend desselben Tages eintreffe oder das Paket am nächsten Morgen im Briefkasten liege, so Polzin.

Pizzakurier liefert Produkte

Die Express-Lieferung innerhalb von drei Stunden sei natürlich auch ein Marketing-Instrument, sagt Steg-Geschäftsführer Weber. «Doch der Unterschied zu einem reinen Marketing-Gag ist, dass wir tatsächlich eine neue Leistung geschaffen haben, die man nutzen kann.» Der Elektronikhändler plant zudem das Angebot auszubauen. In Kürze könnten Kunden den Liefertermin wünschen, so Weber. Das Lieferfenster betrage dabei drei Stunden und lasse sich auch Tage im Voraus definieren.

Möglich machen die Express-Lieferungen bei Steg eine Kooperation mit Pizzalieferanten, Velokurieren und Taxiunternehmen. Steg liefert die Produkte aus der regionalen Verkaufsstelle an den Kurierdienst, der dann bei der nächsten nötigen Fahrt auf dem Rückweg die Produkte verteilt.

Weiterführende Analysen mit ZHAW-Experte Michael Klaas sehen Sie oben im Video.

Über die Umfrage

Als Stichprobe wurden im Internet aktive Personen aus der Schweiz zwischen 14 und 65 Jahren mittels E-Mail zu einer Online-Befragung eingeladen. 1233 Internet-Nutzer gaben einen vollständigen Datensatz ab. Die Online-Befragung als Methode gewährleistet Anonymität und Objektivität und steht mit dem Befragungsthema im Einklang, schreibt das durchführende Institut Marketagent.com.

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