08.04.2020 20:07

Abo-Hinterlegung

Konsumentenschutz kritisiert ÖV-Branche

Der Konsumentenschutz und Pro Bahn fordern umfassendere Entschädigungen für Pendler. Dazu fehle schlicht das Geld, erwidert der Branchenverband.

von
fpo
1 / 8
Rund 150'000 Kunden haben wegen der Corona-Krise ihr GA hinterlegt.

Rund 150'000 Kunden haben wegen der Corona-Krise ihr GA hinterlegt.

Keystone/Christian Beutler
Die Kulanzmassnahmen haben einen Gegenwert von 100 Millionen Franken.

Die Kulanzmassnahmen haben einen Gegenwert von 100 Millionen Franken.

Keystone/Gaetan Bally
Auch Monatsabonnenten werden entschädigt, wie Alliance Swisspass, die Branchenorganisation des öffentlichen Verkehrs (ÖV), am Mittwoch mitteilte.

Auch Monatsabonnenten werden entschädigt, wie Alliance Swisspass, die Branchenorganisation des öffentlichen Verkehrs (ÖV), am Mittwoch mitteilte.

Keystone/Christian Beutler

In der Corona-Krise nutzt kaum einer noch den ÖV. Laut dem Branchenverband Alliance Swisspass brach die Nachfrage seit Ausbruch der Krise um 80 Prozent ein. Der Branche entgingen dadurch jeden Monat rund 500 Millionen Franken an Erträgen.

Trotzdem kommt die ÖV-Branche den Reisenden entgegen. Sie gibt den Inhabern von General-, Verbund-, Strecken- oder Moduljahresabonnements in der Corona-Krise zusätzliche 15 Tage Kulanz bei der Hinterlegung des Abos. Bisher konnten etwa Inhaber des Generalabonnements (GA) ihr Abo für 30 Tage kostenlos unterbrechen.

Auch Monatsabonnenten erhalten laut dem Branchenverband Alliance Swisspass eine Entschädigung je nach Verbund und Produkt in Form von 15 Franken oder 15 Prozent des Abopreises (20 Minuten berichtete). Dafür schnürte die Branche ein 100-Milliarden-Paket.

ÖV-Branche diskutiert mit Bund über Finanzhilfe

Der Konsumentenschutz kritisiert nun in einer Mitteilung, dass nicht alle Abonnenten von den Angeboten profitieren. So seien etwa Halbtax-Abos ausgeschlossen. Der Fahrgastverband Pro Bahn Schweiz befürchtet ausserdem, dass die Massnahmen nicht genügen, um eine Kündigungswelle bei den Jahresabos zu verhindern. Pro Bahn Schweiz fordert in einer Mitteilung, dass die Kulanz-Tage von 15 auf 30 erhöht werden und die Mehrkosten vom Bund getragen werden.

Thomas Ammann von Alliance Swisspass zeigt gegenüber 20 Minuten Verständnis für die Kritik. «Für die gewünschte 'Vollkasko-Lösung' haben die öV-Unternehmen derzeit schlichtweg die notwendigen Finanzen nicht», sagt der Verbandssprecher auf Anfrage. Alliance Swisspass bezahle bereits 100 Millionen Franken für die Abo-Entschädigung.

Die Branche befinde sich derzeit in Gesprächen mit dem Bund und den weiteren Bestellerorganisationen über die finanziellen Herausforderungen. Resultate lägen noch keine vor.

«Kunden werden kontaktiert»

Der Konsumentenschutz kritisiert weiter einen hohen Administrationsaufwand für die Hinterlegung. Das Geld, das dafür aufgewendet werden müsse, solle direkt zugunsten der Reisenden eingesetzt werden. Ausserdem sei die Regelung kompliziert, weil Inhaber eines Generalabonnements die Gutschrift nur dann erhalten, wenn das Abo erneuert wird oder am Ende der Krise noch gültig ist.

Thomas Ammann von Alliance Swisspass widerspricht: «Die technische Umsetzung ist viel einfacher als beispielsweise eine Verlängerung der Hinterlegungsdauer. Die Regelung ist auch kundenfreundlich, die Kunden werden aktiv kontaktiert und müssen für die Hinterlegung nicht an den Schalter kommen.» Die Tatsache, dass Abo-Inhaber die Gutschrift nur in bestimmten Fällen erhalten, erklärt Ammann so: «Mit dieser Massnahme möchten wir klare Leitplanken setzen und die Abo-Inhaber dazu motivieren, dass sie ihr Abo verlängern.»

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird. Abonnieren Sie hier den Wirtschafts-Push (funktioniert nur in der App)!

Social Media

Sie finden uns übrigens auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

Fehler gefunden?Jetzt melden.