Hohe Kosten - Konsumentenschutz rüffelt Swisscom, Sunrise und Salt wegen Roaming-Limite
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Hohe KostenKonsumentenschutz rüffelt Swisscom, Sunrise und Salt wegen Roaming-Limite

Seit 1. Juli gilt in der Schweiz ein Gesetz, das hohe Roaming-Kosten im Ausland verhindern soll. Der Konsumentenschutz wirft den Telekom-Anbietern vor, das Gesetz zu umgehen.

von
Reto Heimann
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Wer im Ausland unterwegs ist, sollte seine Roaming-Gebühren im Auge behalten.

Wer im Ausland unterwegs ist, sollte seine Roaming-Gebühren im Auge behalten.

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Ein neues Gesetz sollte eigentlich hohe Roaming-Kosten verhindern.

Ein neues Gesetz sollte eigentlich hohe Roaming-Kosten verhindern.

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Der Konsumentenschutz wirft den Telekom-Anbietern vor, das Gesetz zu umgehen – besonders Salt steht in der Kritik.

Der Konsumentenschutz wirft den Telekom-Anbietern vor, das Gesetz zu umgehen – besonders Salt steht in der Kritik.

20min/Marvin Ancian

Darum gehts

  • Seit 1. Juli gilt ein Gesetz, das Kunden und Kundinnen erlauben soll, ihre Ausgaben über Roaming-Gebühren im Ausland immerzu unter Kontrolle zu haben.

  • Die Telekom-Anbieter interpretieren das Gesetz so, dass sie die Ausgaben-Limiten selbst definieren – und diese teils sehr hoch ansetzen.

  • «Das hat nichts mehr mit Konsumentenschutz zu tun», sagt ein Kritiker.

Die Schweiz hat hohen Roaming-Gebühren mit einem neuen Gesetz den Kampf angesagt. Es ist seit 1. Juli in Kraft und soll Kunden und Kundinnen die volle Kontrolle über ihre Ausgaben im Ausland geben. Sie sollen selbst eine Limite setzen können, wie viel Geld sie maximal für Roaming ausgeben wollen. Ist diese Limite erreicht, fallen keine weiteren Kosten mehr an. Das Internet wird dann automatisch abgestellt.

Der Konsumentenschutz kritisierte schon Ende Juni, dass die Telekom-Anbieter Schlupflöcher nutzen würden, um dem neuen Gesetz aus dem Weg zu gehen. So stand die Swisscom in der Kritik, dass sie die Kostenlimite nur Neukunden setzen lasse, während sie diese bei bestehenden Kunden weiterhin selbst setzt. Bei Salt kritisierte der Konsumentenschutz, dass die Limite standardmässig auf 1000 Franken eingestellt ist. Zwar könnten Kunden und Kundinnen die Limite anpassen, müssten dazu aber selbst aktiv werden.

Telekom-Anbieter gegen einheitliche Lösung

Nun legt der Konsumentenschutz nach. In einer neuen Mitteilung greift er die Telekom-Anbieter an. Der Konsumentenschutz habe ihnen angeboten, dass sie die Standardlimite tatsächlich selbst setzen dürfen, allerdings unter einer Bedingung: «Wenn die Telekom-Anbieter die Ausgabenlimite selber setzen, dann so, dass die Kunden auch tatsächlich vor hohen Roaming-Rechnungen geschützt sind», sagt André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft beim Konsumentenschutz.

Der Konsumentenschutz habe Swisscom, Salt, Sunrise und Co. vorgeschlagen, diese Limite deshalb standardmässig auf 100 Franken bei Erwachsenen und 50 Franken bei Jugendlichen zu setzen. Die Anbieter hätten dies aber mit Verweis auf den spielenden Wettbewerb abgelehnt.

Bundesamt für Kommunikation in der Pflicht

Besonders in die Mangel genommen wird wiederum Salt mit der hohen Limite von 1000 Franken. Diese von Salt selbst gesetzte Limite teilt sich hälftig auf Daten und Telefonie auf. Für den Konsumentenschutz ist sie eindeutig zu hoch: «Fällt der Auslandaufenthalt eines Kunden zufällig auf zwei Rechnungsperioden, sind für Salt-Kunden Roaming-Rechnungen bis 2000 Franken möglich. Das hat nichts mehr mit Konsumentenschutz zu tun», sagt André Bähler.

Generell sieht der Konsumentenschutz das Bundesamt für Kommunikation in der Pflicht. Dieses ist für die Durchsetzung des neuen Gesetzes zuständig. «Wir erwarten vom BAKOM, dass es nun bei den Anbietern interveniert und die rechtlichen Vorgaben für einen besseren Konsumentenschutz beim Roaming durchsetzt», heisst es beim Konsumentenschutz.

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