Aktualisiert 17.05.2019 09:56

StickerKonsumgegner verkleben Galaxus-Plakate

Konsumgegner knöpfen sich Galaxus vor. Sie versehen derzeit Werbeplakate für den Onlineshop mit Stickern und dem Hashtag #Konsumgeil.

von
Dominic Benz
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Auf Werbeplakaten des Onlineshops Galaxus sind derzeit gelbe Sticker angebracht.

Auf Werbeplakaten des Onlineshops Galaxus sind derzeit gelbe Sticker angebracht.

Leserreporter
Hinter der Aktion stecken offensichtlich Konsumkritiker.

Hinter der Aktion stecken offensichtlich Konsumkritiker.

Leserreporter
Auf jedem Sticker steht der Hashtag #Konsumgeil. Auch schweizerdeutsche Sätze wie «Wer brucht so viel?» oder «Häsch nöd scho gnueg?» sind darauf zu lesen.

Auf jedem Sticker steht der Hashtag #Konsumgeil. Auch schweizerdeutsche Sätze wie «Wer brucht so viel?» oder «Häsch nöd scho gnueg?» sind darauf zu lesen.

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«Häsch nöd scho gnueg?», «Wer brucht so viel?» oder «Mehr, mehr, mehr» – solche Sprüche stehen auf gelben Stickern, die derzeit in Zürich auf etlichen neuen Werbeplakaten für den Onlineshop Galaxus kleben. Auf jedem der Sticker ist zudem der Hashtag #Konsumgeil zu lesen.

Zur Werbung gehören die Sticker nicht. Offensichtlich handelt es sich um eine Protestaktion von Konsumgegnern. Wer der oder die Urheber sind, ist unbekannt. Auch der Shop-Betreiber Digitec Galaxus selber hat keine Hinweise.

«Wir nehmen es gelassen»

Der Onlinehändler glaubt nicht, dass sich die Aktion gezielt gegen das Unternehmen richtet. Die Plakate böten wohl einfach eine geeignete Plattform für diese konsumkritische Aktion, sagt Sprecher Alex Hämmerli auf Anfrage. Eine Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung sei nicht geplant. «Solange es nur bei den Stickern bleibt, nehmen wir das gelassen», so Hämmerli.

Tatsächlich ist Galaxus für solche Proteste ein geeignetes Ziel. Die Migros-Tochter unternimmt viel, um sich als Online-Konsumtempel zu profilieren. Das zeigt auch die aktuelle Werbekampagne. Sie will auf die Breite und die Tiefe des Sortiments hinweisen. Mittlerweile sind über 2,7 Millionen Produkte im Angebot – «aus unterschiedlichsten Bereichen, von Eierbechern über Regenschirme bis zum ferngesteuerten Auto», wie das Unternehmen zum Kampagnenstart kürzlich mitteilte.

«Sonst hat man keine Chance»

Laut Hämmerli versteht Galaxus die Konsumkritik. «Wir finden auch, dass man nicht sinnlos Sachen kaufen sollte», sagt der Sprecher. Als Online-Warenhaus wolle Galaxus aber möglichst viele Dinge des täglichen und nicht alltäglichen Bedarfs anbieten. Das müsse man auch wegen der internationalen Konkurrenz. «Sonst hat man im Onlinehandel keine Chance», sagt der Sprecher.

Laut Wirtschaftspsychologe Christian Fichter sind solche Protestaktionen gerade in Zeiten der Klimabewegung beliebte Botschaften. Grundsätzlich sei es nicht falsch, auf übermässigen Konsum sowie dessen negativen Folgen auf Umwelt und Gesellschaft aufmerksam zu machen. «Ein solcher Konsum führt zu einem überhöhten Wert von Materialismus», sagt Fichter. So kaufe man oft schon neue Produkte, bevor die alten verbraucht seien, oder investiere plötzlich mehr in Güter als in zwischenmenschliche Beziehungen.

«Konsum gehört zu unsere Leben»

Der Experte übt aber auch Kritik an den Protesten: «Konsum gehört zu unserem Leben. Das wird von Fundamentalisten ignoriert.» Jede Gesellschaft in der Vergangenheit habe bisher konsumiert. Gefragt sei heute aber ein Konsum, der nachhaltig ist. «Nicht nur in Bezug auf Umwelt, sondern auch auf die Gesellschaft», so Fichter.

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