Konsumkredite treiben viele Schweizer in den Konkurs
Aktualisiert

Konsumkredite treiben viele Schweizer in den Konkurs

Für das Jahr 2006 sind so viele Pleiten zu erwarten wie seit 13 Jahren nicht mehr. Schuld am traurigen Rekord ist die Zunahme der Privatkonkurse.

Zwar haben die Firmenkonkurse im Vergleich zum Vorjahr abgenommen – die Privatpleiten haben aber zugelegt. Für dieses Jahr geht der Verband Creditreform von 10500 Konkursen aus. Dies wären leicht mehr als das Jahr 2005, welches mit 10465 Konkursen zweitschlimmstes Pleitenjahr in der Statistik war. Vor allem Private haben ihre Ausgaben nicht mehr im Griff. In den ersten elf Monaten von 2006 sind bereits 5366 Menschen Pleite gegangen – 2,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Creditreform rechnet für das ganze Jahr mit 5900 Privatpleiten.

«Vor allem Geschiedene, gescheiterte selbständig Erwerbende und Familien sind von Schulden betroffen», sagt Susanne Johannsen, Geschäftsleiterin der Fachstelle für Schuldenfragen in Zürich. Gründe für die häufigere Verschuldung sieht Johannsen in den gestiegenen Lebenskosten, der abnehmenden Finanzdisziplin und den immer beliebter werdenden Konsumkrediten. Eine Zunahme hat man bei der Fachstelle auch bei jungen Leuten festgestellt: Junge täten sich schwer, Rücklagen für Steuern und Unvorhergesehenes zu bilden. Zudem sei der erschwerte Berufseinstieg oft Ursache für die Verschuldung.

(gal)

Privatkonkurs hat enorme Nachteile

Ein Privatkonkurs kann kurzfristig Luft verschaffen: Sämtliche Betreibungen und Lohnpfändungen werden dabei eingestellt. Für das Verfahren bezahlt man aber bis zu 5000 Franken. Zudem können Gläubiger ihre Guthaben mit erneuten Betreibungen ein Leben lang einfordern. Besonders unangenehm: Das Vermögen wird verwertet, die Zahlungsunfähigkeit öffentlich gemacht und die Kreditfähigkeit dadurch auf Jahre hinaus geschädigt.

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