Ferrero-Skandal - Salmonellen in Kinder-Schoggi – Eltern müssen schnell reagieren
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Ferrero-SkandalSalmonellen in Kinder-Schoggi – Eltern müssen schnell reagieren

Bakterien-Infektionen können tödlich enden, bedroht sind insbesondere die Jüngsten. Für Kinder-Schokoladen-Hersteller Ferrero ist es ein Desaster. Es droht eine Klagewelle. 20 Minuten sagt, wie es zum Kontaminierungs-Fail kam.

von
Fabian Pöschl
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Keime in der Kinder-Schokolade. Das ist besonders für Kinder gefährlich.

Keime in der Kinder-Schokolade. Das ist besonders für Kinder gefährlich.

AFP
Bei an Salmonellen erkrankten Kindern mit heftigen Symptomen müssen Eltern schnell reagieren, sonst droht der Kreislauf zu entgleisen.

Bei an Salmonellen erkrankten Kindern mit heftigen Symptomen müssen Eltern schnell reagieren, sonst droht der Kreislauf zu entgleisen.

20min/News-Scout
Die Kinder brauchen dann dringend Flüssigkeit.

Die Kinder brauchen dann dringend Flüssigkeit.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Ferrero steckt im Salmonellen-Skandal.

  • Mehr als hundert Betroffene haben sich durch Kinder-Schokolade mit Salmonellen infiziert.

  • Der Image- und der Reputationsschaden könnten nicht grösser sein.

Der Salmonellen-Skandal rund um Kinder-Schokolade verhagelt Ferrero die Ostern. Weltweit ruft die Firma Produkte zurück, in der Schweiz und auch am anderen Ende der Welt in Australien. Betroffen sind die beliebten Überraschungseier, aber auch Osterhasen und in Deutschland sogar Weihnachtsartikel wie Adventskalender.

Mehr als 100 Kinder aus zahlreichen Ländern haben die Schoggi gegessen und sind an Salmonellen erkrankt. Manche von ihnen mussten mit schweren Symptomen wie blutigem Durchfall ins Spital.

In der Schweiz gibt es nach derzeitigem Stand noch keine Betroffenen. Doch was droht eigentlich bei einer Salmonellen-Infektion und wie kann so ein Bakterienherd bei einem Industrieprodukt auftreten? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum Schoggi-Eili-Skandal.

  • Was lief schief beim Schoggi-Hersteller?

Das ist unklar, Ferrero hat auf Anfragen nicht reagiert. Mit Salmonellen steckt man sich in der Regel beim Essen von verunreinigten Lebensmitteln an (siehe Box), wie es auf Anfrage beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) heisst. Zentral ist also die Hygiene. Laut BLV kann es beim gesamten Produktionsprozess zu Verunreinigungen kommen, etwa durch andere tierische Produkte, Geräte, Wasser oder Menschen.

  • Wie kam es zur Verunreinigung?

Das Problem könnte kontaminiertes Milchpulver sein, sagt Corinne Gantenbein-Demarchi, Dozentin für Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittelsicherheit der ZHAW in Wädenswil. Die Kontamination könnte aber auch in einer viel früheren Stufe des Verarbeitungsprozesses passiert sein. Kakaobohnen aus Afrika oder Südamerika werden noch vor Ort fermentiert und getrocknet, dies geschieht sehr oft offen auf Blachen an der Luft. Dabei lasse sich häufig nur schlecht vermeiden, dass Tiere und Vögel Kot auf den Kakaobohnen hinterlassen und so mit Keimen belasten. Zwar habe es in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gegeben zur Entkeimung der fermentierten und getrockneten Kakaobohnen, die dann zu Kakaomasse weiterverarbeitet werden. Bei Ferrero könnte es dabei aber ein Problem gegeben haben. 

Das sind Salmonellen

Salmonellen sind Bakterien (zoonotische Erreger), die bei Mensch und Tier Krankheiten auslösen. Besondere Vorsicht gilt laut dem BLV bei Geflügel, Eiern, Eierspeisen, unpasteurisierter Milch und Fleischprodukten. Neben der Hygiene ist auch wichtig, dass beschädigte Eier nicht für Speisen zu nutzen, die nicht durcherhitzt werden. Nicht erhitzte Eierspeisen wie Mayonnaise oder Tiramisu sollen gekühlt gelagert und nur am Zubereitungstag gegessen werden. Allfällige Reste sind wegzuwerfen.

  • Was droht bei einer Salmonellen-Infektion?

Eine Salmonellen-Infektion äussert sich meist als entzündliche Darmerkrankung mit plötzlich einsetzenden Durchfällen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen. Die Symptome treten normalerweise innert sechs bis 72 Stunden nach dem Essen auf und sind meldepflichtig.

  • Wer ist besonders gefährdet?

Die Krankheit verläuft meist mild, Antibiotika sind in der Regel nicht erforderlich, wie das BAG schreibt. Bei sehr heftigen und wässerigen Durchfällen und gleichzeitigem Erbrechen kann der Körper jedoch viel Wasser verlieren. Gefährdet sind vor allem Kleinkinder und geschwächte oder ältere Menschen. Das könne bis zum Tod führen, passiert aber nur in den seltensten Fällen, sagt Gantenbein-Demarchi.

  • Was müssen Eltern in so einem Fall tun?

Eltern müssten insbesondere bei Kleinkindern mit solchen Symptomen schnell reagieren und zum Arzt gehen. «Kleine Kinder können die Flüssigkeitsmengen, die sie beim Erbrechen und Durchfall verlieren, nicht durch Trinken aufnehmen, sodass ihr Kreislauf schnell entgleisen kann. Das will man als Eltern nicht erleben», sagt Gantenbein-Demarchi.

  • Kann ich nun noch Kinder-Schoggi kaufen?

Mit dem Rückruf der Kinder-Produkte sei sichergestellt, dass das betroffene Produkt vom Markt und die Bevölkerung entsprechend informiert ist, heisst es beim BLV. Es liege aber in der Verantwortung des Herstellers, nur sichere Lebensmittel in Verkehr zu bringen.

  • Wie gross ist der Schaden für Ferrero?

Der Image- und der Reputationsschaden könnten nicht grösser sein, sagt der Reputationsexperte Bernhard Bauhofer von der Beratungsagentur Sparring Partners zu 20 Minuten. «Lebensmittel für Kinder müssen besonders geschützt werden, kaum jemand wird die Produkte zu Ostern noch kaufen», so Bauhofer. Für die Firma sei es ein Desaster mit langfristigen Folgen. Die Marke Kinder und auch weitere Ferrero-Marken seien nachhaltig beschädigt, sagt Bauhofer. Er erwartet nun Klagen gegen Ferrero. 

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