22.08.2019 02:46

Datenklau

Konto gehackt – so reagiert man richtig

Verdächtige Zahlungen oder gesperrtes Login: Was tun, wenn Fremde Zugriff auf das Bankkonto haben? Und bekommt man gestohlenes Geld zurück?

von
rkn

30'000 Franken wurden einem Schweizer Revolut-Kunden kürzlich gestohlen. Er vermutet, dass die Betrüger an seine Login-Daten zur Smartphone-Bank gekommen sind.

Woran erkennt man eigentlich, dass man Opfer eines Hacker-Angriffs geworden ist und dass Fremde Zugang aufs Bankkonto haben? Und bekommt man das Geld von der Bank zurück? Das sind die Antworten:

Wie merke ich, dass ich gehackt wurde?

«In der Regel merkt man es erst, wenn es schon zu spät ist», sagt Oliver Hirschi, IT-Sicherheitsexperte an der Hochschule Luzern. Auf dem Konto geschehen Dinge, die man selbst nicht veranlasst hat, die Bank meldet verdächtige Zahlungen oder man kann sich plötzlich nicht mehr ins Konto einloggen. Darum empfiehlt Hirschi Sicherheitssoftware für Handy und Computer – dann besteht zumindest die Chance, dass man frühzeitig vor Phishing-Angriffen, Malware oder Trojanern gewarnt wird.

Was sollte ich tun?

Als Erstes gilt es, betroffene Accounts oder Karten sofort sperren zu lassen. Zudem sollte man die Bank beziehungsweise Anbieter über den Sachverhalt informieren, so Hirschi. Je schneller, desto besser: «Banken können zum Teil bei bereits ausgelösten Transaktionen das Geld wieder zurückholen.» Sicherheitshalber sollte man Geräte, die von Hackern oder Malware betroffen sein könnten, sofort vom Netz nehmen.

Muss ich mein Passwort ändern?

Ja, und zwar nicht nur fürs E-Banking. Es gilt, Passwörter auf allen Portalen zu wechseln, so Hirschi – denn wer weiss, welche Daten die Angreifer sonst noch ergattern konnten. Zudem empfehlen Sicherheitsexperten wo immer möglich eine Zwei-Faktor-Authentisierung einzurichten, sodass für das Login zwei Geräte benötigt werden.

Bekomme ich das Geld zurück?

Das kommt auf den konkreten Fall an. «Häufig stehen die Chancen schlecht», sagt Harald Bärtschi, Finanzmarktrechtsexperte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. In den Geschäftsbedingungen der Banken wird das Risiko bei solchen Angriffen meist auf den Kunden abgewälzt. Sie müssen in der Regel auf die Kulanz der Anbieter hoffen. Manche Banken, etwa die PostFinance, geben offiziell an, Schäden bei Malware oder Phishing bis zu einem Betrag von 100'000 Franken zu übernehmen. Anders sieht es aus, wenn Beweise vorliegen, dass der Anbieter seine eigenen Sicherheitspflichten verletzt hat. In so einem Fall könnte ein Kunde gegen das Institut klagen und einen Anspruch auf Rückerstattung geltend machen.

Muss ich die Polizei rufen?

Bärtschi empfiehlt, Strafanzeige einzureichen: «Auch wenn es in solchen Fällen schwierig ist, dass man die Täter erwischt, ist es doch einen Versuch wert.» Und ohne eine polizeiliche Untersuchung sind die Chancen noch geringer. Zudem würden solche Meldungen helfen, systematische Betrüger und deren Maschen aufzudecken. Dann könne die Melde- und Analysestelle Informationssicherung des Bundes (Melani) eine Warnung herausgeben, die zwar dem Betroffenen wenig hilft, aber womöglich andere Personen vor dem gleichen Schicksal bewahrt.

Was passiert als Nächstes?

Anbieter und Polizei müssen erst mal abklären, was genau passiert ist. «Es kann durchaus länger dauern, bis man wieder vom Anbieter hört», so Bärtschi. In der Zwischenzeit solle man versuchen, aus der Erfahrung zu lernen und vorbeugende Massnahmen gegen solche Angriffe zu treffen.

Wie Sie Ihr Handy schützen, lesen Sie hier.

Kann ich bei der Untersuchung helfen?

Weil es gerade im Digitalbereich schwierig ist, Dieben auf die Schliche zu kommen, haben Konsumenten nur wenig Möglichkeiten, dazu beizutragen, sagt Hirschi. Einzig empfiehlt er, betroffene Geräte nicht mehr zu verwenden – allenfalls kann die Polizei diese für eine forensische Analyse gebrauchen. Darum sollte man sein Handy auch nicht auf die Werkseinstellungen zurücksetzen, sagt Hirschi: «So würde man womöglich Spuren vernichten.» Also: Handy ausschalten und allenfalls der Polizei vorlegen.

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