Aktualisiert 11.08.2009 09:57

SchwarzfahrenKontrollen am Abend wirken auch tagsüber

In der Zürcher S-Bahn wurde im Jahr 2003 die regelmässige Billettkontrolle wieder eingeführt, allerdings nur für Züge am Abend. Eine Studie zeigt nun, dass die Zahl der Schwarzfahrer darauf drastisch abnahm - nicht nur abends, sondern auch tagsüber.

1993 schaffte der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) die Kondukteure in den Zürcher S-Bahnen ab. Doch die Passagiere goutierten die Kosten sparende Massnahme nicht - viele Menschen hatten bald Angst vor Gewalt und Vandalismus in den unbegleiteten Zügen am späten Abend.

Um das Sicherheitsgefühl zu verbessern, setzte die ZVV darum ab Juni 2003 wieder Zugbegleiter ein. Allerdings nicht in allen Zügen, sondern erst ab 21 Uhr. Ein Nebeneffekt der Massnahme: Die Zugbegleiter kontrollierten abends auch wieder regelmässig die Billette der Fahrgäste.

Viel weniger Schwarzfahrer

Eine von Martin Killias vom Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich gemeinsam mit dem ZVV durchgeführte Studie zeigt nun, dass sich die Kontrollen drastisch auf die Schwarzfahrerquote in den S-Bahn-Zügen auswirkten. Der Anteil Passagiere ohne Ticket sank von über 3,5 Prozent Anfang 2003 auf knapp ein Prozent im Jahr 2006.

Für die begleiteten Züge am Abend war der Rückgang nicht überraschend. Es zeigte sich aber, dass die Schwarzfahrerquote auch tagsüber sank, wie die Forscher im Fachjournal «European Journal of Criminology» berichten. In jenen Zügen also, in denen die Billette nach wie vor nur stichprobenartig kontrolliert wurden.

Dieser unerwartete Befund sei darauf zurückzuführen, dass viele Schwarzfahrer jung seien und oft erst nach 21 Uhr nach Hause wollten, sagte Killias auf Anfrage. Um einer Busse zu entgehen müssten sie also am Abend ein Billet kaufen. «Weil Einzelbillette teuer sind, lohnt sich dann oft ein Abo - damit fährt man dann aber auch tagsüber nicht mehr schwarz.»

Einige bleiben uneinsichtig

Die Studie zeigt laut Killias, dass eine höhere Wahrscheinlichkeit auf Bestrafung abschreckend wirkt. Allerdings müsse jedermann den Unterschied zu früher bemerken. Wird bloss ein wenig häufiger kontrolliert, sodass der Einzelne immer noch eine geringe Wahrscheinlichkeit auf eine Strafe hat, bringt das langfristig nichts.

Alle Missetäter auf den rechten Weg zu bringen, ist allerdings kaum möglich, wie die Studie ebenfalls zeigt. Die Schwarzfahrerquote pendelte sich bei etwa einem Prozent ein. Daran änderte auch ein Ausbau des Kontrollaufwands Ende 2005 nichts. Es gebe wohl gewisse «abschreckungsresistente» Leute, sagte Killias. Damit müsse man immer rechnen.

ZVV: Massnahme hat sich bewährt

Für den ZVV hat sich der Einsatz der Zugbegleiter am Abend bewährt, wie Mediensprecherin Beatrice Henes auf Anfrage sagte. Allerdings sei immer die Bekämpfung von Vandalismus und die Verbesserung des Sicherheitsgefühls in den Zügen im Zentrum gestanden.

Sicherlich habe die Einführung von Zugbegleitern auch finanzielle Auswirkungen gehabt. Ob die Verminderung der Schwarzfahrerquote die Ausgaben für die Zugbegleitung decke, sei jedoch schwierig zu berechnen.

(sda)

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