24.02.2020 10:04

Virus kommt näher«Kontrollen an der Grenze zu Italien wären wichtig»

Tessiner Bürger fühlen sich im Stich gelassen. Einige fordern Grenzkontrollen oder gar die Schliessung der Grenzen zu Italien.

von
dgr
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Hast du Angst vor dem Coronavirus? 20 Minuten hat im Tessin nachgefragt.

Hast du Angst vor dem Coronavirus? 20 Minuten hat im Tessin nachgefragt.

Daniel Graf
Enrico, Bellinzona: «Meine Freunde und Familie in Italien sind sehr verängstigt. Ich hier in der Schweiz noch nicht so. Die Behörden sind alarmiert, in Italien wie in der Schweiz. Ich glaube, dass sie das in den Griff kriegen. Wir gehen morgen chinesisch essen, auch wenn ich es nicht besonders mag. Ich finde, man sollte die Chinesen jetzt unterstützen, sie leiden unter etwas, für das sie nichts können.»

Enrico, Bellinzona: «Meine Freunde und Familie in Italien sind sehr verängstigt. Ich hier in der Schweiz noch nicht so. Die Behörden sind alarmiert, in Italien wie in der Schweiz. Ich glaube, dass sie das in den Griff kriegen. Wir gehen morgen chinesisch essen, auch wenn ich es nicht besonders mag. Ich finde, man sollte die Chinesen jetzt unterstützen, sie leiden unter etwas, für das sie nichts können.»

Daniel Graf
Mario Rossi, Bergamo (IT): «Ich habe Angst und versuche, so wenig wie möglich aus dem Haus zu gehen. Wir haben viele Masken gekauft, in Bergamo wird es teilweise aber schon schwierig, noch welche zu kriegen. Es braucht jetzt Quarantänen und Kontrollen, um das Virus in den Griff zu bekommen.»

Mario Rossi, Bergamo (IT): «Ich habe Angst und versuche, so wenig wie möglich aus dem Haus zu gehen. Wir haben viele Masken gekauft, in Bergamo wird es teilweise aber schon schwierig, noch welche zu kriegen. Es braucht jetzt Quarantänen und Kontrollen, um das Virus in den Griff zu bekommen.»

Daniel Graf

Während in gut 100 Kilometer Entfernung in Norditalien Dörfer wegen des Coronavirus abgeriegelt werden, herrscht ennet der Grenze in Bellinzona heitere Fasnachtsstimmung: Kostümierte Kinder werfen mit Konfetti um sich, betrunkene Jugendliche grölen die Schlagerhits mit, ein junges Paar steht knutschend in einem Hauseingang. Doch die Nachrichten aus dem Nachbarland lassen die Fasnächtler nicht kalt: Dass in Italien schon über 150 Personen am Coronavirus erkrankt sind, drei Personen starben und die Regierung den Notstand ausgerufen hat, sorgt auch hier für Gesprächsstoff.

«Es braucht Kontrollen und Quarantänen»

«Klar habe ich Angst», sagt etwa Mario Rossi, der mit seiner Familie aus Bergamo angereist ist. «In den italienischen Nachrichten berichten sie von nichts anderem mehr. Die Menschen haben Angst, ihre Häuser zu verlassen. Auch wir haben uns überlegt, ob wir lieber zu Hause bleiben sollen, als an den Umzug zu kommen, wo es so viele Leute hat. Man weiss ja nie, wer einen anstecken könnte.»

Rossi sagt, dass es in Bergamo schon jetzt schwierig sei, noch an Atemschutzmasken zu kommen. «Es braucht jetzt Kontrollen und wenn nötig Quarantänen, um die Ausbreitung des Virus zu unterbinden», ist Rossi überzeugt. Angst hat auch Maela aus Lugano. Ihr Leben auf den Kopf stellen möchte sie deshalb aber nicht: «Wir haben alles, was wir brauchen: zu essen, Alkohol, Unterhaltung. Geniessen wir das Leben, solange wir können!», ruft sie lachend, bevor sie den Rest ihres Biers hinunterkippt und ihren Freunden nachrennt.

Kritik an Behörden und Sorge um den Tourismus

Federica aus Lugano sorgt sich derweil, dass die Schweizer Behörden nicht genug unternehmen, um die Bevölkerung zu schützen: «Ich habe gelesen, dass sie gar nichts tun wollen. Ich denke, Temperaturkontrollen an der Grenze wären sinnvoll – auch wenn es vermutlich schwierig wäre, alle Personen, die von Italien in die Schweiz reisen, zu kontrollieren.» Auch Giada und Max aus Stabbio bei Mendrisio sind der Meinung, Grenzkontrollen wären sinnvoll.

In Lugano, das noch näher an der Grenze zum Tessin liegt, ist das Virus Gesprächsthema: «Viele Gäste sprechen besorgt über die jüngsten Entwicklungen», sagt Manuel Alvez, der in einem Restaurant in der Altstadt kellnert. Ihn stört, dass die Behörden bisher kaum informiert hätten. «Wir bekommen die Infos nur aus den Medien. Die Menschen müssen doch wissen, wie sie sich verhalten sollen», findet Alvez. Auch wegen der Gastronomie und dem Tourismus macht er sich Sorgen: «Ist das Virus erst einmal hier, werden die Menschen vermehrt in ihren Häusern bleiben. Das hätte natürlich negative Auswirkungen auf unser Geschäft.»

«Schweiz sollte die Grenzen dichtmachen, solange sie noch kann»

«Italien hat es verpasst, die Grenzen rechtzeitig dichtzumachen. Jetzt haben wir den Schlamassel», sagt Arturo di Mare aus Napoli, der gerade der Seepromenade entlangschlendert. Er ist mit seinem Sohn in Lugano auf Besuch. «Die Schweiz sollte die Grenzen schliessen, solange das Virus noch nicht hier ist. Doch vermutlich ist es dafür bereits zu spät», sagt di Mare. Etwas weniger ernst nimmt Sohn Vincenzo die Sache: «Solange keine Infektionen in meinem Umfeld auftreten, habe ich keine Angst.»

Nicht alle verfallen in Panik

Völlig entspannt reagiert der 84-jährige Christian Jäger: «Wer ein starkes Immunsystem hat, braucht sich nicht zu fürchten. Wäre das Virus tatsächlich so aggressiv, wären schon Millionen weltweit infiziert und viel mehr Menschen gestorben», sagt Jäger. «Ich bin überzeugt, dass das Virus bis spätestens im April wieder von der Bildfläche verschwunden und das ganze Tamtam vorüber ist.» Sagt der 84-Jährige, schliesst die Augen in der hellen Frühlingssonne und zieht genüsslich an seiner Zigarette.

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