Kreisgericht Rorschach: Kontrollfreak verbot Freundin die Schminke
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Kreisgericht RorschachKontrollfreak verbot Freundin die Schminke

Weil die Beziehung zu seiner Freundin (14) unschöne Wendungen nahm – von Nötigung und Tätlichkeiten über Erstellen und Verbreiten von Pornografie –, steht ein Kosovare nun vor Gericht.

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Am Mittwoch muss sich ein heute 20-Jähriger wegen diverser Delikte ...

Am Mittwoch muss sich ein heute 20-Jähriger wegen diverser Delikte ...

... vor dem Kreisgericht Rorschach verantworten.

... vor dem Kreisgericht Rorschach verantworten.

20 Minuten
Ihm werden unter anderem mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfache Pornografie ....

Ihm werden unter anderem mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfache Pornografie ....

Nicola Forenza

Im Herbst 2016 ging eine damals knapp 14-Jährige eine Beziehung mit einem knapp 18-Jährigen ein. Diese Beziehung war laut Anklageschrift von einigem Auf und Ab geprägt. Im Januar 2017 erstattete das Mädchen Strafanzeige gegen ihren Freund und erwirkte auch ein Kontaktverbot. Trotzdem suchte sie auch danach immer wieder den Kontakt zum heute 20-Jährigen.

Dies, obwohl der Kosovare ihr übel mitspielte, wie die Staatsanwaltschaft in ihrer zehnseitigen Anklageschrift darlegt. Am Mittwoch steht der heute 20-Jährige vor dem Kreisgericht Rorschach. Ihm werden zahlreiche Delikte vorgeworfen, unter anderem sexuelle Handlungen mit einem Kind, Pornografie sowie weitere Delikte, die vor allem mit der krankhaften Eifersucht des Mannes zu tun haben.

Schminkverbot, Kleiderkontrolle

So stand seine Freundin unter ständiger Kontrolle. Sie musste ihrem Freund jeweils vorab mitteilen, wenn sie das Haus verliess und ihm Bilder ihres Outfits senden, damit er dieses absegnen konnte. Enge Kleider waren beispielsweise nicht unerwünscht. Er verbot ihr auch, sich zu schminken. Falls sie sich nicht an seine Anweisungen halte, drohte er ihr an, sie zusammenzuschlagen.

Wenn sie sich nicht bei ihm an- und abmeldete, passte er das Mädchen ab. Dabei verpasste er ihr mehrfach Ohrfeigen. Die Kontrolle der damals 14-Jährigen übernahmen Kollegen, die dem Mann zu berichten hatten, wenn das Mädchen das Haus verliess.

Nacktbilder als Druckmittel

Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, drohte der Mann auch mit der Veröffentlichung von Nacktbildern, falls sie sich nicht bei ihm an- und abmelde. Dass er davor nicht zurückschreckt, hatte sich zuvor schon gezeigt. Er erstellte Bilder und Videos von sexuellen Handlungen mit dem Mädchen, die er Ende April 2017 der Mutter und der Schwester der damals 14-Jährigen zuschickte.

Sexuelle Handlungen mit Kind

Beim Erstellen des Videomaterials mit Geschlechtsverkehr war der mutmassliche Täter bereist volljährig, das Mädchen 14 Jahre alt. Obwohl der Beschuldigte von der Minderjährigkeit wusste, hatte er ungefähr einmal pro Woche sexuelle Kontakte mit dem Mädchen gepflegt, weswegen er sich laut Anklageschrift der mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind schuldig machte.

Mit dem Tod gedroht

Auch verbal war der Beschuldigte nicht zimperlich. Er beschimpfte das Mädchen als «Absturz», «Schlampe» oder «Hure». Teilweise bezeichnete er sie auch auf sozialen Netzwerken so. Zudem schrieb er, das Mädchen sei nicht sehr intelligent.

Nicht nur die damals 14-Jährige wurde vom Mann verbal beschimpft, auch ihre Schwester und ihr Vater kriegten ihr Fett weg. Die Schwester bezeichnete er als dumm und als Hure. Sowieso seien beiden Schwestern «verhurischte Albanerinnen». Der Vater sei psychisch krank.

Auch Drohungen gehörten zum Repertoire des heute 20-Jährigen. Im April 2017 sperrte das Mädchen den Beschuldigten als Kontakt auf ihrem Handy. Darauf liess er ihr über eine Kollegin ausrichten, dass sie ihm schreiben solle. Wenn nicht, würde er sie abfangen, und «es würden ihre letzten Meter sein, die sie laufen werde».

Ende April 2017 kam es zur Festnahme und Hausdurchsuchung. Im Anschluss verbrachte der Mann elf Tage in Untersuchungshaft.

Landesverweis gefordert

Im Herbst 2018 wurde Anklage gegen den Mann erhoben. Die Staatsanwaltschaft fordert wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher Pornografie, mehrfacher Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte, mehrfacher Nötigung, übler Nachrede, Beschimpfung und Tätlichkeiten eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten sowie eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Franken und eine Busse. Der Vollzug sei bedingt zu gewähren.

Dem Kosovaren droht zudem ein Landesverweis von fünf Jahren. (20 Minuten)

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