Aktualisiert 13.08.2009 18:22

SIL-BerichtKopfschütteln und Ärger wegen Flughafen

Der Entwurf zum SIL-Schlussbericht sorgt für zahlreiche Reaktionen von Behörden, Fluglärmgegnern und Luftfahrt-Akteuren.

Ein besonders deutliches Kopfschütteln kommt aus dem Kanton Aargau, der sämtliche bisherige Abmachungen gebrochen sieht. Dass der gekröpfte Nordanflug wieder eine Option ist, sei nicht akzeptabel, schreibt die Aargauer Regierung in einer Mitteilung vom Donnerstag. Man sei «überrascht und befremdet».

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) selber hatte im Juli 2008 das Gesuch des Flughafens für den gekröpften Nordanflug abgelehnt. Gemäss dem am Donnerstag präsentierten Bericht steht der «Gekröpfte» aber plötzlich wieder zur Diskussion.

»Das widerspricht sämtlichen bisherigen Abmachungen», sagte der Aargauer Regierungsrat Peter C. Beyeler.

Keine Stellungnahme wollte der Kanton Zürich abgeben. Der Regierungsrat wolle erst dann eine Haltung beschliessen, wenn sich die Interessensvereinigungen geäussert hätten, schreibt die Volkswirtschaftsdirektion.

«Wenig erfolgsversprechende Ansätze»

Für Süddeutschland enthält der SIL-Entwurf «wenig erfolgsversprechende Ansätze» für eine einvernehmliche Regelung, wie das Landratsamt Waldshut mitteilte. Da der Entwurf die deutschen Positionen überhaupt nicht berücksichtige, könne er auch nicht Basis für weitere Gespräche sein.

Der SIL-Prozess sei zwar eine innerschweizerische Angelegenheit, dennoch erwarte man, dass die Schweiz auf die Belange des Nachbarlandes Rücksicht nehme.

Landrat Tilmann Bollacher bekräftigte zudem einmal mehr die Bitte an die Deutschen Ministerien, dem Drängen der Schweiz nach einer Lockerung der Sperrzeiten nicht nachzugeben.

Lärmgegner fordern SIL-Stopp

Die Fluglärmgegner rund um den Flughafen bekräftigten einmal mehr ihre bisherigen Forderungen. Die Fluglärmorganisationen «Dachverband Fluglärmschutz» (DVFS), «Region Ost» und «Bürgerprotest Fluglärm Ost» wehren sich in ihren Reaktionen entschieden gegen allfällige Pistenausbauten.

Vom Kanton Zürich erwarten sie ein klares Bekenntnis zu einer Betriebsvariante auf dem heutigen Pistensystem. Der DVFS fordert zudem eine Sistierung des SIL-Prozesses, da das Zürcher Volk im Frühsommer 2010 über die Behördeninitiative «Kein Pistenausbau» abstimmen wird.

Die Protestorganisationen im Süden des Flughafens wiederum wehren sich weiter gegen Ab- und Anflüge über ihrem Wohngebiet. Vom SIL- Entwurf erwarten sie aber keineswegs eine Entspannung der Debatte, sondern vielmehr «eine weitere Vertiefung der Gräben in den Regionen rund um den Flughafen», wie das «Fluglärmforum Süd» schreibt.

Nachfrage nach Flügen wird steigen

Die Flughafenbetreiberin Unique nimmt den Entwurf zur Kenntnis, stellt aber gleichzeitig fest, dass es in Sachen Flugbewegungen künftig eng werden dürfte. Alle drei Varianten erlauben höchstens 350'000 Flugbewegungen pro Jahr.

Die Nachfrage nach Flügen werde in den kommenden Jahren aber weiter steigen, sagte Unique-Sprecher Marc Rauch auf Anfrage der SDA. «Voraussichtlich im Jahr 2020 können wir der steigenden Nachfrage nicht mehr gerecht werden.»

Die selben Bedenken äusserte die Swiss. Beide Unternehmen verweisen auf eine vom Bund in Auftrag gegebene Studie, die ab 2020 Kapazitätsengpässe prognostiziert.

(sda)

Weniger Fluggäste trotz Ferienzeit

Die Zahl der Fluggäste am Flughafen Zürich ist im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat leicht um 0,8 Prozent zurückgegangen. Insgesamt sind im vergangenen Monat 2'133'507 Passagiere abgeflogen, angekommen oder umgestiegen.

Die Anzahl der Umsteigepassagiere nahm im Vergleich zur Vorjahresperiode um 1.2 Prozent auf 729'276 zu, wie die Flughafenbetreiberin Unique am Donnerstag mitteilte. Die Zahl der Lokalpassagiere (Ankommende, Abfliegende) ging um 1,9 Prozent auf 1'396'402 Passagiere zurück.

Die Anzahl Flüge sank im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli 2008 um 3,8 Prozent auf 33'584. Die Anzahl Passagiere pro Flug lag dagegen mit 107 Fluggästen deutlich über dem Vorjahresniveau von 103 Personen.

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