Erziehungspolitik: Koreaner gehen ihr Leben lang in die Elternschule
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ErziehungspolitikKoreaner gehen ihr Leben lang in die Elternschule

Südkoreaner sollen ihr Leben lang Kindererziehungskurse besuchen. Damit will die Regierung den innerfamiliären Kindsmissbrauch bekämpfen.

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Südkoreaner sollen ihr ganzes Leben in den Elternkurs.

Südkoreaner sollen ihr ganzes Leben in den Elternkurs.

Keystone/str

Erziehung will gelernt sein: Das südkoreanische Ministerium für Familie und Gleichberechtigung plant, eine Elternschule zu schaffen – auf Lebenszeit. Bis jetzt erhalten Paare lediglich einen einmaligen Kurs mit Kindererziehungstipps, doch das soll sich bald ändern: Die Regierung will, dass Südkoreaner in verschiedenen Etappen ihres Lebens einen Elternkurs besuchen.

«Wir haben festgestellt, dass Familienwerte in einem Erziehungskurs vor der Heirat oder während der Schwangerschaft nicht wirksam vermittelt werden können», sagt ein Sprecher des Ministeriums zur «Korea Times». Darum wolle man von nun an die Elternschule «während des gesamten Lebens einer Person» anbieten.

Kindsmissbrauch bekämpfen

Konkret heisst das, dass Kinder schon in der Schule mit dem Thema Erziehung und Familie konfrontiert werden. Während des Militärdienstes sollen Koreaner einen weiteren Kurs erhalten. Später, während des Uni-Studiums, sollen Frauen und Männern erneut einen Erziehungskurs besuchen. Bereits heute ist dieser Pflicht für Eltern, die sich scheiden lassen wollen. Andernfalls wird ihnen die Scheidung nicht gewährt.

Früher habe man das Elternsein von den eigenen Eltern gelernt, erklärte der Ministeriumssprecher. Das sei heute anders. Die Folgen dieses Wertewandels sind verheerend: In den letzten Jahren sah sich das Land mit einem rasanten Anstieg von Kindsmissbrauchsfällen konfrontiert. Aus einem Bericht des Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2012 geht hervor, dass 86 Prozent aller Missbrauchsfälle innerhalb der Familie geschehen. In 83 Prozent der Fälle waren die Eltern der betroffenen Kinder involviert.

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