Mallorca: Korrupte Polizisten teilten Beute mit Dieben
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MallorcaKorrupte Polizisten teilten Beute mit Dieben

Polizeibeamte auf Mallorca sollen Taschendieben geholfen haben, Opfer zu finden — um sich dann einen Anteil am Diebesgut zu sichern.

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Die Ortspolizei von Mallorca ist in einen schweren Korruptionsskandal verwickelt.

Die Ortspolizei von Mallorca ist in einen schweren Korruptionsskandal verwickelt.

Keystone/AP/Manu Mielniezuk (Symbolbild

Ein grosser Skandal um korrupte Ortspolizisten erschüttert die spanische Ferieninsel Mallorca. Dutzende Beamte sitzen derzeit in Untersuchungshaft — viele von ihnen sagen nun vor der Staatsanwaltschaft von Palma de Mallorca aus.

Laut «Diario de Mallorca» berichtete ein Polizist der Justiz, dass zwei seiner Kollegen eng mit Taschendieben zusammengearbeitet hätten. Die Beamten sollen mit Nachtsichtgeräten und Ferngläsern leichte Opfer für rumänische Diebesbanden ausfindig gemacht haben, um sich dann die Beute mit den Verbrechern zu teilen. Die Beamten hätten von Hotel-Terrassen aus mit ausgefeilter Überwachungstechnik Ausschau nach potenziellen Opfern gehalten und über Walkie-Talkies mit den Kriminellen kommuniziert.

Mehrere ähnliche Fälle

Die jüngste Aussage des Polizisten bekräftigt die Version eines weiteren Kollegen, der Anfang Juli über die systematische Forderung von Bestechungsgeldern bei der Ortspolizei berichtete. So soll ein weiterer Arbeitskollege eng mit rumänischen Gangs kollaboriert und als Gegenleistung Kokain bekommen haben, schreibt die Zeitung «El Mundo».

In einem 25'000 Seiten umfassenden Dossier heisst es, dass der korrupte Polizist den Rumänen unter anderem half, schneller freizukommen, wenn sie bei Kontrollen verhaftet wurden. Um seine «Geschäftspartner» besser zu verstehen, habe der Polizist sogar Rumänisch gelernt.

Gewalt an Prostituierten

Diese drei Fälle sind bei weitem nicht die einzigen: Seit fast drei Jahren verfolgt die spanische Justiz ein Netzwerk von Korruption und Gewalt, bei dem es um Gratis-Sex mit Prostituierten und Erpressung von Ladeninhabern und Etablissement-Besitzern an der Playa de Palma geht.

Eine noch minderjährige Prostituierte aus Rumänien sagte aus, dass Polizisten und Politiker häufig in dem Club feierten, in dem sie gearbeitet habe. Wenn es Razzien gab, wurden die Beamten demnach von ihren Kollegen telefonisch benachrichtigt, damit sie rechtzeitig flüchten konnten. Eine Brasilianerin berichtete zudem, dass die Polizisten immer zu viert oder fünft kamen – darunter auch Chefs — und reichlich Kokain mitbrachten.

Eine andere junge Frau schilderte, wie sie einmal von einem «grossen, gut aussehenden» Polizeibeamten verprügelt worden sei, nachdem sie ihn mit den Fingernägeln gekratzt habe. Ein anderer Polizist soll eine rumänische Prostituierte nach einer Diskussion in einen Abfallcontainer geworfen haben.

Politiker stolpert über Skandal

Erst vergangene Woche war der Chef des Ortsverbandes von Palma, José María Rodríguez, wegen der Enthüllungen zurückgetreten. Der zuständige Untersuchungsrichter hat den Politiker der konservativen Volkspartei (PP) im Verdacht, der wahre Drahtzieher des Netzwerks zu sein.

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