Kosovo-Verhandlungen kommen nicht vom Fleck
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Kosovo-Verhandlungen kommen nicht vom Fleck

Seit zwei Monaten bemüht sich der UNO- Unterhändler Martti Ahtisaari, die Gespräche über die Zukunft der abtrünnigen südserbischen Provinz Kosovo in Gang zu bringen. Doch bevor sie richtig begonnen haben, sind sie schon blockiert.

Das Thema «Unabhängigkeit für Kosovo» sei von vornherein ausgeschlossen, sagte der serbische Regierungsberater Aleksandar Simic am Mittwoch in Belgrad. Zwei Tage zuvor hatte die albanische Verhandlungsdelegation in Pristina festgelegt: Erst muss die Unabhängigkeit kommen, dann kann man über alles andere verhandeln.

Die Staats- und Regierungsspitze der Republik Serbien hat ihre Position vor wenigen Tagen klar umrissen: Kosovo bleibt in Serbien und erhält Autonomie.

Die serbische Minderheit, die heute nur noch rund fünf Prozent der Bevölkerung ausmacht, beansprucht rund die Hälfte des Territoriums, um dort in grosser Selbstständigkeit ein von Pristina unabhängiges Leben zu führen.

Für die Albaner kommt das nicht in Betracht: «Keine Form von parallelen Funktionen kann hingenommen werden», heisst es klipp und klar.

Direktgespräche in Wien

Der EU-Kosovo-Beauftragte Stefan Lehne betreibt in dieser Woche im Kosovo Seelenmassage, um Albaner und Serben zu bewegen, am 25. Januar zu ersten Direktgesprächen nach Wien zu kommen.

Mit ganz ähnlicher Absicht hat Ahtisaari dem schwer kranken Kosovo-Präsidenten Ibrahim Rugova einen Brief geschrieben. Offizielles Thema ist die Dezentralisierung der lokalen Behörden.

Doch auch hier haben sich Serben und Albaner eingemauert. Die einen wollen damit Serbisch-Kosovo schaffen, die anderen sehen die Dezentralisierung als Schutzmittel für die serbische Minderheit - aber erst nach der staatlichen Souveränität.

Folgerichtig schicken die Albaner, wenn sie denn überhaupt in Wien mit von der Partie sind, nur den wenig einflussreichen Minister für Lokalverwaltung, Lutfi Haziri.

Reige der Albaner

Die albanischen Spitzenpolitiker sind einzeln in Wien aufgetaucht, um Ahtisaari zu verdeutlichen, dass sie die schnelle Unabhängigkeit Kosovos noch in diesem Sommer erwarten. So waren der ehemalige Rebellenführer und heutige Oppositionschef Hashim Thaci und der oppositionelle albanische Parteichef Veton Suroi dort.

Und als ob diese Probleme nicht schon allein fast unlösbar wären: Suroi ist von den Albanern in Südserbien zu ihrem «Botschafter» bestimmt worden. Am letzten Wochenende hatten die Albaner im Süden der Republik, wo sie eine satte Bevölkerungsmehrheit besitzen, von Belgrad die Autonomie verlangt.

Möglicherweise wollen sie sich gar als «Ostkosovo» dem neuen Staat anschliessen. Das offizielle Serbien ist ausser sich. Der frühere Vize-Regierungschef und Reformpolitiker Cedomir Jovanovic warnte jetzt wieder, Serbien müsse sich im Kosovo auf «die Zerstörung seiner Illusionen» einstellen.

(sda)

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